Unheilig - Liebe Glaube Monster
Vertigo / Universal
VÖ: 13.03.2026
Unsere Bewertung: 2/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
Nutzlos, alt und leer
Der Erfolg von Unheilig verrät viel über Deutschland. Ein Mann, der bedeutsamkeitsbesoffen Stadien füllt. Musik, die ausschließlich aus Versatzstücken besteht. Texte, für die sich selbst Discounter-Glückwunschkarten schämen würden. Man gibt sich eben mit dem zufrieden, was man kennt. Die Bodenständigkeit erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit, erst recht, wenn sie mit selbstauferlegten Denkverboten einhergeht. Wobei das noch zu kurz greift: Es ist der Unwille, sich außerhalb der Komfortzone zu bewegen, der die Menschen lähmt. Manche bewegen sich überhaupt nicht, verschmelzen dabei mit ihrem eigenen Horizont und nennen das dann ihren Standpunkt. Niedergang ist ein Prozess und Prozesse sind eine Frage des Willens. Doch gemach! Niedergang ohne Soundtrack ist wie Käsebrot ohne Butter. Aus diesem Grund ist der Graf genau zur rechten Zeit aus dem Vorruhestand zurückgekehrt, mit einem Album, das Fans glücklich und alle anderen ratlos machen dürfte.
"Liebe Glaube Monster" heißt es, denn eine Nummer kleiner war nicht drin. Irgendwo unter der Erde hört man Ödön von Horvath rotieren. Aber wahrscheinlich ist der Titel eher eine Anspielung auf die Serie "Love death & robots", was auch die Gestaltung des Covers nahelegt. Wie dem auch sei, die Musik des Acts hat sich trotz der langen Pause nicht verändert. Im Vergleich zu den eher zahmen letzten Alben finden sich einige NDH-Stampfer darauf, was die rammsteingroße Lücke im deutschen Musikmarkt zwar nicht füllen, aber zumindest zukleistern kann. Der Graf holt folgerichtig seine beste Lindemann-Imitation heraus, nachzuhören etwa in "Brot und Spiele", das ungefähr so subtil wie ein Panzerkampfwagen daherkommt. Aber wer braucht schon Subtilität, wenn er mit Kanonen auf Spatzen schießen kann. Die pfeifen ja ohnehin aus dem letzten Loch. Weil der Graf ein Mann der Zeit ist, widmet er sich in "KI – 01001011 01001001" einem brandaktuellen Thema, es gelingt ihm dabei vortrefflich, absolut nichts von Belang auszusagen.
Aber das mit den Aussagen ist auch so ein Kreuz, das man erstmal wuchten muss. In "Du bist meine Heimat" singt seine Durchlaucht irgendwie von der Liebe, Verse wie "Du bist meine Heimat / Ich lass dich nie mehr los / Ich halt dich fest und kämpf für dich / Mit jedem Atemzug" legen jedoch nahe, dass etwas anderes gemeint ist. Wer so offen mit der Vereinnahmung durch völkische Gruppierungen kokettiert, muss sich mindestens unangenehme Fragen gefallen lassen. Dieses Kalkül, diese permanente Anbiederung an den kleinsten gemeinsamen Nenner ist es auch, was die Musik Unheiligs so unerträglich macht. Einem Rattenfänger gleich schart der Graf sein Gefolge um sich, er bleibt im Vagen, aber sagt dabei gerade genug, dass jeder sich irgendwie angesprochen fühlt. "Revolution / Komm, wir greifen nach den Sternen / Ganz egal, was auch kommt", singt er im Refrain von "Revolution (Intro)". Das Leben soll gelebt werden, denn das Herz schlägt laut und stark. Wer sich hiervon emotional angesprochen wird, kann nicht einmal von einem Schleifstein gerettet werden.
"Zwischen den Welten" bedient sich derweil schamlos bei The Weeknds "Blinding lights", man ist irgendwie doch Weltbürger, moralisch auch. "Die Erde dreht sich unter mir / Und der Himmel ist so nah / Welten zwischen dir und mir / Und doch für uns zum greifen nah", heißt es da. Das ist nicht nur physikalisch Quatsch, sondern auch metaphorisch derart wackelig, dass man um die Statik des eigenen Verstandes bangt. Aber hey, gemeinsam sind wir stark, wir müssen nur ganz fest an uns glauben, dann wird sicher alles gut. Einen Scheiß müssen wir. Doch der Graf ist nicht mehr zu stoppen: "Wir sind die Kraft, die alles schafft!", verkündet er in "Nur ein kleiner Schritt", ehe der Kinderchor herniederfährt, um Fakten zu schaffen. Der Titelsong liefert den Schlüssel zu all diesem Unfug: "Ich erklär' mir die Welt, wie sie mir gefällt / Und wenn sich viele darin wiederfinden, ist es wunderschön / Weil ich weiß, dass ich nicht alleine bin."
Es geht also um die Schaffung eines Wir-Gefühls auf einer schiefen Ebene. Oben steht die Aristokratie, unten das Gevölk. Ein Hauch von Autoritarismus durchweht diese Musik, eine Sehnsucht nach einer Einfachheit, die nur in Köpfen existieren kann. Doch es gibt tatsächlich zwei Songs, die so etwas wie einen emotionalen Kern besitzen: "Mein Löwe" behandelt das Thema Alzheimer erfreulich unverblümt: Wer selbst schon einmal erkrankte Familienmitglieder pflegen musste, wird sich in diesem Song sicher wiederfinden. "Sonnenallee" besitzt dann sogar so etwas wie ein erträgliches Arrangement, was angesichts des Gesamtbildes als Erfolg verbucht werden muss. Freilich trägt der Graf auch hier meterdick auf, denn wo getrauert wird, da fallen bekanntlich Tränen. Und wo Tränen fallen, ist der Porsche nicht weit. Irgendwie muss man sich ja auch seinen Zweit- oder Drittwagen finanzieren. Nur das Mitleid, das hält sich in Grenzen. So wie Deutschland.
Highlights
- Mein Löwe
- Sonnenallee
Tracklist
- Revolution (Intro)
- Liebe Glaube Monster
- Wunderschön
- Monster
- Du bist meine Heimat
- Brot und Spiele
- Mein Löwe
- Zwischen den Welten
- KI – 01001011 01001001
- Sonnenallee
- Böse Geister
- Spiegel
- Nur ein kleiner Schritt
- Photobuch
- Liebe
- Ausblick (Outro)
Gesamtspielzeit: 64:53 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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honkhank Postings: 7 Registriert seit 07.12.2019 |
2026-04-15 11:03:12 Uhr
Ist das Venn-Diagramm aus Mario-Barth- und Unheilig-Fans eigentlich ein Kreis? Das würde jedenfalls einiges erklären.„Licky, Henning, Potti […] sind natürlich wieder mit dabei.“ LOL! |
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andygoestohollywood Postings: 835 Registriert seit 27.11.2023 |
2026-03-22 11:45:43 Uhr
Nee lasst mal, VOX schau ich höchstens bei 007, nicht bei 00..schön für die, wenn sie die Musik zu Tränen rührt. |
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oldschool Postings: 1137 Registriert seit 27.04.2015 |
2026-03-22 09:43:51 Uhr
"Dark-Wave-Schlager-Bumsbeat"das find ich auch ganz furchtbar....würde der Sound wenigstens organisch klingen....ein echter Bandsound....etwas lebendig und nicht aus der Konserve. Alleine das Schlagzeug....immer gleich... |
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Bonzo Postings: 3991 Registriert seit 13.06.2013 |
2026-03-22 09:37:33 Uhr
Jedes Cover einfach ein Dark-Wave-Schlager-Bumsbeat, bei dem Nancy ganz wuschig wird. Dazu der affige Fuchteltanz. Wird ein Fest! |
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Mr Oh so Postings: 3589 Registriert seit 13.06.2013 |
2026-03-22 01:14:19 Uhr
Der Graf covert "Still Loving You" - mit einer schönen Extraportion Pathos. Freu mich drauf. |
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Referenzen
Witt; Deine Lakaien; Das Ich; Helene Fischer; Andrea Berg; Florian Silbereisen; Roland Kaiser; Howard Carpendale; Ich + Ich; Wolkenfrei; Samsas Traum; Santiano; Xavier Naidoo; Andreas Bourani; Rammstein; Oomph!; Megaherz; Hertzton; Eisbrecher; Eisblume; Janus; Subway To Sally; Staubkind; Down Below; Meinhard; Blutengel; Mono Inc.; Zeraphine; Illuminate; Seelenzorn; Schwarzer Engel; The Dark Tenor; Sündenklang; Leichtmatrose; Keltenherz; Evanescence; Revolverheld; Within Temptation; Lacrimosa; Theatre Of Tragedy; Obsc(y)re; HIM; Die Happy; Silbermond; Luxuslärm; Nightwish; Rosenstolz; Laxrosa; Lacrimas Profundere; Cinema Bizarre; Tokio Hotel; Paramore; Christina Stürmer; Oonagh; Nu Pagadi; Wunder; L'Âme Immortelle; LaFee; Die Prinzen
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