Tinariwen - Hoggar
Wedge / Rough Trade
VÖ: 13.03.2026
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Zurück zum Kern
In mehr als vier Jahrzehnten kann musikalisch wie menschlich viel passieren. Vor allem bei Tinariwen liegt eine gewisse Fluktuation in der Natur der Sache, verstehen sie sich doch als Kollektiv von Sängern und Songwritern, die für Konzerte und Aufnahmen in unterschiedlichen Besetzungen zusammenkommen. Ja, das liegt auch am nomadischen Lebensstil der Tuareg und gehörte durchaus zum Charme der Gruppe selbst. Ihr nun erscheinendes Studioalbum, das insgesamt zwölfte seit 1992, folgt zwar weiterhin diesem Konzept und holt beispielsweise jüngere Künstler aus der Tuareg-Musikszene auf die Platte, doch eine Besonderheit sticht hervor. Denn erstmals seit 25 Jahren kam es wieder zu einer Zusammenarbeit mit Liya ag Ablil, alias Diarra, einem Gründungsmitglied der Band. Außerdem orientiert sich "Hoggar" deutlich stärker an der eigenen Tradition und früheren Werken, nachdem die letzten Veröffentlichungen mit einigen westlichen Elementen daherkamen. Das hier dagegen ist eine rauere und kompromisslosere, dennoch aber gut eingängige Platte.
Das wird musikalisch schnell deutlich: Viele Tracks wirken bewusst reduziert und fast schon skizzenhaft. Das passt gut zu der Idee, stärker auf kollektives Zusammenspiel zu setzen, jedoch klappt die Abstimmung zwischen Gesang und Instrumentals nicht immer ganz so präzise, wie es vielleicht hätte sollen. Der Opener beispielsweise klingt dann doch recht konfus, aber nicht im interessanten Sinne wie der Rest des Albums, sondern einfach überladen. Gerade wenn mehrere Stimmen gleichzeitig im Vordergrund stehen sollen, verlieren die Gitarren manchmal etwas an Struktur. Am besten funktioniert die Platte darum dann, wenn genug Zeit und Raum für Entfaltung gegeben ist. Das über sechs Minuten lange "Tad adounya" gehört definitiv zu diesen Momenten, wenn der typischen Dynamik der Band freier Lauf gelassen wird und mit einem geduldigen Groove, aufeinander aufbauenden Gitarren und einer interessanten Hook gearbeitet wird.
Auch die beiden Gastbeiträge bringen nicht nur frische Akzente, sondern bereichern die jeweiligen Tracks durch die Erweiterung des Soundbilds enorm. Auf "Imidiwan takyadam" fügt sich die ruhige Stimme von José González fantastisch in das ohnehin schwerelose Gesamtgefüge ein, während "Sagherat assani" mit der sudanesischen Künstlerin Sulafa Elyas gefühlvolle wie melismatische Gesangspassagen bietet. Allgemein sind die Stimmen meistens klar, hin und wieder den Instrumenten etwas zu sehr übergeordnet, was aber meistens nicht wirklich stört. Dadurch fällt der Closer "Aba malik" mit einer angenehmen Balance zwischen Vocal- und instrumentalen Spuren sehr positiv auf. Den Höhepunkt bildet jedoch "Khay Erilan", mit dem wohl besten Gitarrenteil des Albums. Insgesamt ist "Hoggar" damit weniger ein neues Kapitel als eine Rückbesinnung – nicht jeder Moment sitzt perfekt, aber genug davon, dass es als gelungenes Flashback-Projekt durchgeht.
Highlights
- Imidiwan takyadam (feat. José González)
- Tad adounya
- Sagherat assani (feat. Sulafa Elyas)
- Khay erila
Tracklist
- Amidinim ehaf solan
- Imidiwan takyadam (feat. José González)
- Erghad afewo
- Tad adounya
- Asstaghfero Allah
- Sagherat assani (feat. Sulafa Elyas)
- N’ak tenere iyat
- Amidinin wadar nohar
- Khay erilan
- Dounia tau ray
- Aba malik
Gesamtspielzeit: 41:07 min.
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30443 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-03-18 21:07:11 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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MickHead Postings: 10846 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-03-13 11:48:45 Uhr
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MickHead Postings: 10846 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-03-08 17:38:17 Uhr
Louder Than War 4/5https://louderthanwar.com/tinariwen-hoggar-album-review/ |
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Hier stand Ihre Werbung Postings: 2364 Registriert seit 25.09.2014 |
2026-03-05 10:18:04 Uhr
Gute Nachrichten! |
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MickHead Postings: 10846 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-03-05 10:17:33 Uhr
3. Song "Amidinim Ehaf Solan"https://youtu.be/p8Nzjb_qr34?si=HcEzrXyEeKt-cnQB |
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