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Monstrosity - Screams from beneath the surface

Monstrosity- Screams from beneath the surface

Metal Blade / Sony
VÖ: 13.03.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Abrissparty im Altbau

In den Neunzigern wurde Death Metal in einigen wenigen globalen Epizentren erschaffen und definiert. Jedes davon hatte nicht nur seinen eigenen Ruf, sondern auch – vor allem durch die dort ansässigen Studios – einen eigenen, ganz bestimmten Sound. Das Morrisound-Studio in Tampa in Florida war einer dieser Aufnahme-Tempel. Bis heute geleitet durch die Brüder Jim und Tom Morris, gehörte es für amerikanische Death-Metal-Bands zum guten Ton, dort aufzunehmen. Wenn nun eine Band, die zweifelsohne zu den Genre-Pionieren zählt, im Jahr 2026 und somit im Zeitalter des Home Recordings mitteilt, sie habe nach vielen Jahren wieder mit Jim Morris zusammengearbeitet, lässt dies zumindest einmal aufhorchen. Erst recht, wenn es sich bei dieser Band um Monstrosity handelt, die zwar immer irgendwo unter dem Radar segelten, aber seit den frühen Neunzigern gutklassige Alben veröffentlicht haben – und ganz nebenbei in den Anfangsjahren einen gewissen George Fisher am Mikrofon hatten, der sich dort das Pseudonym "Corpsegrinder" zulegte, bevor er 1996 zu Cannibal Corpse wechselte.

Doch genug der Historie, wichtig ist auf'm Plattenteller, und dort machen sich Monstrosity traditionell rar. "Scream beneath the surface" ist das erst siebte Album in 35 Jahren, da muss das Material natürlich umgehend zünden. Und genau deshalb braucht es schon eine ganze Menge Mut, die Platte mit einem Song wie "Banished to the skies" zu beginnen. Kein Hochgeschwindigkeitsgeballer, sondern behutsamer Aufbau düsterer Atmosphäre, mehr finster-schwerer Headbanger als Pit-Raserei, was die starke Gitarrenarbeit von Matt Barnes hervorragend zur Geltung bringt – leider aber auch den pappig-klinischen Sound des Schlagzeugers und Gründungsmitglieds Lee Harrison, der sich über die ganze Spieldauer zieht.

Glücklicherweise bleibt das das einzige Manko der Platte, denn Harrison hat nicht nur Bassist und Mitgründer Mark van Erp aus dem vorläufigen Ruhestand zurückgeholt, sondern auch mit Ed Webb einen starken Nachfolger für den abgewanderten Frontmann Mike Hrubovcak verpflichtet. Zwei hervorragende Entscheidungen, denn Harrison und van Erp bilden eine derart eingespielte Rhythmus-Einheit, als wäre der Viersaiter nie wirklich weg gewesen, während Webb Abrissbirnen wie "The atrophied" oder "Spiral" höchst souverän einzubrüllen imstande ist. "Fortunes engraved in blood" hingegen ist pure Eskalation, driftet glücklicherweise nicht in Brutal-Death-Massaker ab, sondern bleibt bei aller Aggression höchst spielfreudig und beamt direkt zurück in die Neunziger, als der viel zu früh verstorbene Chuck Schuldiner mit seiner außergewöhnlichen Musikalität seine Band Death zu Genre-Legenden machte.

Mag sein, dass das Regal, in das Montrosity mit "Screams from the beneath the surface" greifen, nicht ganz so hoch liegt wie weiland bei "Human". Doch während sich viele Genre-Vertreter im Höher-schneller-weiter zu übertreffen versuchen und dabei das wichtigste außer Acht lassen, nämlich die Songs, bleibt der Vierer aus Florida souverän, gönnt sich aber dennoch mit dem pechschwarzen "The dark aura" noch ein kleines Experiment, das allerdings umgehend vom abschließenden "Veil of disillusion" direkt wieder zertrümmert wird. Genau diese Souveränität zeichnet Altmeister aus. Wenn im Metal allgemein schon seit geraumer Zeit darüber diskutiert wird, warum sich eigentlich so wenige echte Newcomer in der Spitzengruppe festsetzen können, dann mag es dafür viele Gründe geben. Einen Vorwurf kann man den Veteranen jedenfalls nicht machen. Denn freiwillig werden diese ihren Platz nicht räumen. Erst recht nicht mit starken Alben wie diesem hier.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Banished to the skies
  • Fortunes engraved in blood
  • The dark aura

Tracklist

  1. Banished to the skies
  2. The colossal rage
  3. The atrophied
  4. Spiral
  5. Fortunes engraved in blood
  6. Vapors
  7. The thorns
  8. Blood works
  9. The dark aura
  10. Veil of disillusion

Gesamtspielzeit: 44:02 min.

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Armin

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2026-03-18 21:06:04 Uhr - Newsbeitrag
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