The Monochrome Set - Lotus Bridge
Tapete / Indigo
VÖ: 13.03.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Alles so schön bunt hier
Wenn es für irreführende Bandnamen Preise zu gewinnen gäbe, dann könnten sich The Monochrome Set wohl eine ganze Vitrine mit Trophäen vollstellen – denn die seit mittlerweile fast 50 Jahren in mäandernder Besetzung operierenden Musiker aus Nordlondon präsentieren sich musikalisch ganz gewiss nicht in trübem Schwarz-Weiß. Eher schon denkt man beim Genuss der Musik an ein elektrisch verkabeltes und grellbunt beleuchtetes viktorianisches Kuriositätenkabinett. Die Lyrics – mal croonend, mal dandyesk vorgetragen – erzählen von amourösen Verwicklungen, urbanen Absurditäten und kultivierten Obsessionen. "Lotus Bridge" macht da keine Ausnahme und zeigt sich als reifes Spätwerk, das sich stilistisch nun mal gar nicht auf die Schliche kommen lassen will. Nein, das Album ist auf eine fast schon beängstigende Art und Weise zeitlos; würde man es einer musikalisch bewanderten Person vorspielen, die noch nie etwas von dieser Band gehört hat, dann könnte diese wohl nur raten, wenn es um das Einordnen des Gehörten in eine Epoche nach 1970 geht.
Das Titelstück eröffnet den Reigen als außerordentlich gutgelaunte Uptempo-Nummer, die aber im Zweifelsfall eher katzenpfötig dahertänzelt als brüsk mit der Tür ins Haus zu fallen. Im Refrain wechselt das Ensemble in einen zum Tanz animierenden Skiffle-Rhythmus, dazu gibt's folkige, weibliche Backing Vocals und ein glockiges Fender Rhodes. Und nach der ersten Hälfte erfindet sich der Track dann nochmal neu: The Monochrome Set legen einen Holzscheit auf das eh schon fröhlich knacksende Feuer drauf – um dann wenig später wieder überraschend den Drive rauszunehmen. Das ist Songwriting auf bestem Niveau und macht richtig großen Appetit auf die nächsten Tracks. Zum Beispiel "Diaphanous": Zunächst getragen-synkopisch mit stolperndem Rhythmus und theatralischen Streichern daherkommend, verwandelt es sich schon alsbald in einen herrlich-schmalzig in allen Farben leuchtenden Song; auch hier setzt ein elektroakustisches Vintage-E-Piano Akzente und Tupfer; das läuft alles einfach sehr gut rein. Damit man sich aber nicht zu sehr in Sicherheit wiegt und denkt, man hätte das Album nach den ersten Tracks verstanden, mischen The Monochrome Set mit "Arcadia" die Karten nochmal neu: Hier gibt's nur eine Akustikgitarre und irisierende Gesänge. Das ist zwar nicht übermäßig spannend, stellt aber mit 80 Sekunden Länge auch eher eine kleine Zäsur dar, damit man mal kurz einen Drink an der Bar stürzen kann, um sich dann zu "Athanatoi" gleich wieder auf die Tanzfläche zu schwingen: Hier gibt's Schrammelgitarren wie zu besten The-Smiths-Zeiten, fließend-flockige Grooves à la Woodentops – und einen Refrain, der sich sofort mit Widerhaken ins Gehirn setzt.
Nicht alles gelingt auf höchstem Niveau, so ist das reichlich verstrahlte "Leander" mit seiner enervierend-eiernden Farfisa-Orgel zwar ganz unterhaltsam, allerdings weder kompositorisch noch textlich ein Track für die Ewigkeit. Entschädigt wird man jedoch durch den direkt folgenden Track "Map of the night sky", der in der Strophe mit hektisch-präzisen Drums, sinistrem Gesang und The-Doors-artiger Keyboardarbeit überzeugt, um dann im Refrain blumig-bekifft allerbeste Laune zu versprühen. Das ist herrlich überkandidelt, stilistisch extrem eigenständig und noch dabei ein großer Hörspaß. Und bei "Our sweet souls" als Rausschmeißer werden beste Erinnerungen an Prefab Sprout, an Brilliant Corners und Felt wach: Hier macht der Drummer gelegentlich Pause, lässt Gitarren und E-Piano reichlich Raum – woraufhin es umso schmissiger und mitreißender weitergeht. Ja, "Our sweet souls" ist zwar der längste Song des Albums, aber ausgerechnet diesen Track könnte man auch noch zwei, drei Minuten länger hören, ohne sich zu langweilen. Was an diesem Album in der Gesamtsicht besonders hängen bleibt, ist die besondere Stimmung, die von ihm ausgeht, ja die schon eingangs erwähnte Zeitlosigkeit. Erinnert sich noch jemand an die beiden fantastischen Compilations "Airpop Terminal" Vol. 1 und Vol. 2, kuratiert vom Schriftsteller Christian Kracht? Genau das ist der Spirit, der Groove, die Stimmung, die hier durchgehend vorherrscht: verspielt, erfrischend, musikalische Haken schlagend, aber nie übermäßig "artsy", sondern stets mit einem leichten, tänzelnden Lebensgefühl. Wer sich hiervon angesprochen fühlt, der darf "Lotus Bridge" auf gar keinen Fall verpassen. Dieses Album kann man locker in zehn Jahren nochmal rauskramen und genießen.
Highlights
- Lotus Bridge
- Diaphanous
- Map of the night sky
- Our sweet souls
Tracklist
- Lotus Bridge
- Diaphanous
- The abominations of Hubert
- Jenny Greenlocks
- Arcadia
- Athanatoi
- Leander
- Map of the night sky
- Polaris Aa
- Our sweet souls
Gesamtspielzeit: 36:30 min.
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2026-03-18 21:05:55 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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MickHead Postings: 10660 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-03-13 12:34:46 Uhr
Jetzt komplett bei Bandcamp:https://themonochromesetuk.bandcamp.com/album/lotus-bridge |
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MickHead Postings: 10660 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-01-22 18:20:31 Uhr
Die britische Post-Punk/New-Wave Band "The Monochrome Set" aus London, kündigt für den 13.03. das 17. Studioalbum "Lotus Bridge" an. Es folgt auf "Allhallowtide" von 2022.Die Themen des Albums entstanden aus einem Traum, den Bid hatte, als die Band über ein neues Album sprach. „Beim Schreiben der Texte kam mir die ganze Geschichte wie eine Metapher für eine zerfallende Zivilisation vor und die Frage, ob ich sie hinter mir lassen würde, wenn sich mir die Gelegenheit böte“, sagt Bid. „Die andere Seite der Bridge repräsentiert eine scheinbar unbekannte Zukunft, die ich ohne Erklärung akzeptieren soll, und die anderen Songs sind eine Reise zurück in die Vergangenheit und stellen eine teils allegorische Neubewertung derselben dar. Ich denke, es ist mir gelungen, den roten Faden in den Texten beizubehalten und die zugrundeliegenden musikalischen Strukturen bewusst in ähnlichem Tempo und ähnlicher Tonart zu halten. Selbst alte Gedichte sind zeitlos, wenn sie von persönlichen Erfahrungen handeln.“ Die erste Single ist der Titeltrack von Lotus Bridge, ein klassisch klingender Monochrome Set-Song voller klirrender Gitarren, Morricone-esker Anklänge und einer insgesamt schwungvollen Atmosphäre. Erster Song "Lotus Bridge" https://youtu.be/cfvtwSCb1Hc?si=z-QDqeiEFCRSsj0F "Lotus Bridge" bei Bandcamp: https://themonochromesetuk.bandcamp.com/album/lotus-bridge |
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Referenzen
Blue Orchids; Fire Engines; Josef K; Orange Juice; Edwyn Collins; XTC; The Woodentops; Television Personalities; Close Lobsters; The June Brides; Scarlet's Well; The Karelia; James Cook; The Brilliant Corners; The Pale Fountains; The Bodines; Jesus Couldn't Drum; The Wild Swans; The Wolfhounds; Cleaners From Venus; The Wedding Present; Biff Bang Pow!; The Colourfield; Scritti Politti; The Durutti Column; Haircut 100; Nick Heyward; Prefab Sprout; The Weather Prophets; Lloyd Cole; Stephen Duffy; The Lilac Time; The Blue Nile; The Divine Comedy; Richard Hawley; The Auteurs; Black Box Recorder; Aztec Camera; Roddy Frame; Pulp; Jarvis Cocker; Maximo Park; The Smiths; Morrissey; Voxtrot; Ramesh Srivastava; The Coral; James Skelly & The Intenders; The Hollies; The Zombies; Momus; Jack; Felt; Microdisney; Denim; The Painted Word; The Pastels; The Field Mice; The Sea Urchins; The Beat Rodeo; The Jazz Butcher; The Deep Freeze Mice; Jung Analysts; The Chrysanthemums; Would-Be-Goods
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