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Gnarls Barkley - Atlanta

Gnarls Barkley- Atlanta

Atlantic / Warner
VÖ: 06.03.2026

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Danger Mouse baut ein Zuhaus'

Als Freundin klarer Worte wiegt die Verantwortung der Rezensentin schwer. Denn wieder einmal stellt sich die ewige Frage: Kann und sollte man Kunstwerk und Künstler voneinander getrennt betrachten? Im Falle von "Atlanta" mutet dies besonders schwierig an, da die Texte teils mit dystopischen, teils mit retrospektiven Betrachtungen aufwarten. Ob das finale dritte Album des Duos Gnarls Barkley deswegen 18 Jahre auf sich warten ließ, um das Gerichtsurteil gegen Thomas DeCarlo Callaway alias CeeLo Green wegen Drogenhandels in Vergessenheit geraten zu lassen, lässt sich nur vermuten – bei einem Date soll er einer Frau Ecstasy verabreicht haben, danach kam es zu Sex, wobei der schwerwiegende Vorwurf der Vergewaltigung aufgrund Mangels an Beweisen fallengelassen wurde. Seine darauffolgenden Social-Media Äußerungen ließen ebenfalls nichts Hoffnungsstiftendes erkennen, obwohl sich Callaway nachträglich für diese entschuldigte. Da mag man textlich nur sehr vorsichtig Parallelen zum ansonsten sehr guten zweiten "Atlanta"-Track "I amnesia" ziehen – ob dieser als persönliche Gegendarstellung zu interpretieren ist, sei ebenfalls dahingestellt.

Umso schwerer fällt es, einen Bogen zum warmen, neo-souligen Sound des Albums zu schlagen. Brian Burton alias Danger Mouse, Produzent und andere Hälfte des Duos, hat erneut solide Arbeit geleistet. Der Titel ist dabei alles andere als zufällig gewählt: Atlanta ist die Heimatstadt von CeeLo Green – hier wurde er geboren, hier ist er aufgewachsen, hier begann seine musikalische Sozialisation zwischen Gospel, Soul und Southern Hip-Hop. "Atlanta" eröffnet in "Tomorrow died today" mit den großen, typischen Rock-Akkorden im Stile von Jimi Hendrix' "Hey Joe" aus den späten 60er-Jahren, "I amnesia" neo-soult sich lässig an einer Hammond-Orgel entlang, "Pictures" zeigt sich mit E-Piano, cleveren Drum-Patterns und busy Bassdrum. "Let me be" schwingt irgendwo zwischen Hommage, dreistem Klau und veritabler Remix-Hip-Hop-Kultur – gerne einmal "A whiter shade of pale" von Procol Harum gegenhören. "Cyberbully (Yayo)" ist dann der erste Track, der futuristischer klingt und gleichzeitig etwas von Danger Mouses Trip-Hop Vergangenheit bei Pelican City durchscheinen lässt: Auch ein Hauch von Massive Attacks "Safe from harm" liegt tief unten im Arrangement.

Coolster Track des Albums jedoch ist "Perfect time", das durch geschicktes rhythmische Bastelarbeit begeistert. Innerhalb der Strophen bespielt die Beat-Fraktion immer nur die Hälfte des Takts, um dann in der zweiten Hälfte jeweils mit gleich platzierten, verfrickelten Effekten ersetzt zu werden. Mit Musik verhält es sich ja zeitweise wie mit Humor: Der Bruch mit der Erwartungshaltung lässt freudig aufmerken – Inkongruenztheorie kicking in! Darüber hinaus gibt es Doubletime-Rap, Lo-Fi, funky Tunes und Piano-unter-Wasser-Ästhetik zu bestaunen. Im finalen Track "Accept it" geht's gar Richtung 80er – ob wir dann vielleicht 2044 ein 90er-Album erwarten dürfen? Es bleibt spannend bei Gnarls Barkley.

(Jasmin Klemm)

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Highlights

  • Let me be
  • Perfect time

Tracklist

  1. Tomorrow died today
  2. I amnesia
  3. Pictures
  4. Line dance
  5. Turn your heart back on
  6. Let me be
  7. Cyberbully (Yayo)
  8. Perfect time
  9. Sweet evil
  10. Boy genius
  11. The Be Be King
  12. Sorry
  13. Accept it

Gesamtspielzeit: 44:59 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30443

Registriert seit 08.01.2012

2026-03-18 21:05:12 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

MickHead

Postings: 10848

Registriert seit 21.01.2024

2026-03-06 09:26:09 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:

https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_kYTnR5MsxfmouB5fkq6pCml3iU2y9iHtY&si=Xm4wJ24KqQkZ4ukL

MickHead

Postings: 10848

Registriert seit 21.01.2024

2026-02-26 13:17:07 Uhr
Hier noch einmal die Tracklist in korrekter Form!

01. ‘Tomorrow Died Today’
02. ‘I Amnesia’
03. ‘Pictures’
04. ‘Line Dance’
05. ‘Turn Your Heart Back On’
06. ‘Let Me Be’
07. ‘Cyberbully’
08. ‘Perfect Time’
09. ‘Sweet Evil’
10. ‘Boy Genius’
11. ‘The Be Be King’
12. ‘Sorry’
13. ‘Accept It’

AliBlaBla

Postings: 11482

Registriert seit 28.06.2020

2026-02-26 11:35:35 Uhr
Thx, Mick! ;)

Gefällt! Hyped. One more time. Mochte die immer.

MickHead

Postings: 10848

Registriert seit 21.01.2024

2026-02-26 09:55:58 Uhr
Das amerikanische Soul Duo "Gnarls Barkley" aus Atlanta, Georgia, kündigt für den 06.03. das 3. und letzte Studioalbum "Atlanta" an. Es folgt auf "The Odd Couple" von 2008.

Gnarls Barkley sind nach langer Wartezeit mit der neuen Single „Pictures“ zurück.

Das US-Duo, bestehend aus CeeLo Green und Danger Mouse, veröffentlichte 2006 sein Debütalbum „St. Elsewhere“, gefolgt von „The Odd Couple“ im Jahr 2008.

18 Jahre später haben sie sich nun für ihr drittes und letztes Album wiedervereint, das am kommenden Freitag (6. März) über 10k Projects/Atlantic Records erscheint.

„Atlanta“ besticht durch Greens kraftvollen, gospelartigen Gesang und Danger Mouse’ vielschichtige Produktion. Der Song ist eine Hommage an die Stadt, aus der beide Bandmitglieder stammen, und wurde von Atlantas öffentlichem U-Bahn-System MARTA inspiriert – einer Erinnerung aus ihrer Jugend.

Laut einer Pressemitteilung bildet das Album den krönenden Abschluss der Geschichte von Gnarls Barkley.

„Nach dem überwältigenden Erfolg ihrer ersten beiden Alben hatte das Duo immer die Absicht, ein drittes aufzunehmen; das Leben und andere kreative Projekte kamen dazwischen, doch der Wunsch, das Begonnene zu vollenden, blieb bestehen“, heißt es weiter.

„Letztes Jahr haben die beiden wieder zusammengefunden und sich die Zeit genommen, ihr letztes gemeinsames Kapitel zu vollenden.“

Green erklärte: „‚Pictures‘ ist wie eine Rückkehr zum Anfang – ein Kreis schließt sich. Der Song basiert auf einer Kindheitserinnerung. Mein Mittelschuldirektor sagte mir jeden Freitag, wenn ich zur Schule kam, ich solle gehen. Ohne Ausnahme.

Ich war in der achten Klasse und bin nach der Schule von 8:00 Uhr morgens bis 14:30 Uhr allein mit der Bahn gefahren. Der Refrain des Songs handelt buchstäblich davon, in der Bahn zu sitzen. Während der Fahrt ist es, als würde ein Film an einem vorbeiziehen – man starrt aus dem Fenster der MARTA-Bahn.“

In dem nostalgischen, gefühlvollen Song blickt Green auf Momentaufnahmen seiner Jugend zurück: „Ich sprang von der Veranda und verließ den Garten / Mama, du musst wirklich an Gott glauben / Ich starre in den Himmel, spreche dasselbe alte Gebet / Aber Wayne ist immer noch irgendwo da draußen.“ Er fügt hinzu: „Schau nach links und rechts, bevor du die Straße überquerst/ Sprich nicht mit Fremden/ Ein Schnürsenkel von meinen Turnschuhen hielt meinen Hausschlüssel/ Eine Minute vergeht, jetzt ist es Vergangenheit/ Ich hoffe, das Leben hebt sich das Beste für den Schluss auf.“

Erster Song "Pictures"

https://youtu.be/CFlVkte3oT4?si=GDmu8Tv2KCFnRYzh

Tracklist:

01. ‘Tomorrow Died Today’
02. ‘I Amnesia’03. ‘Pictures’
04. ‘Line Dance’
05. ‘Turn Your Heart Back On’
06. ‘Let Me Be’
07. ‘Cyberbully’
08. ‘Perfect Time’
09. ‘Sweet Evil’
10. ‘Boy Genius’
11. ‘The Be Be King’
12. ‘Sorry’
13. ‘Accept It’
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