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The Sophs - Goldstar

The Sophs- Goldstar

Rough Trade / PIAS / Indigo
VÖ: 13.03.2026

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Villa Kunterbunt

Manchmal beschleicht einen beim Durchhören eines neuen, unbekannten Albums das Gefühl, dass die Platte samt der dazugehörigen Band am Ende des Jahres plötzlich in irgendwelchen relevanten Listen auftauchen könnte. Mit Sicherheit nicht ganz oben, aber irgendwo im vorderen Mittelfeld zwischen überraschendem Debütalbum und einem Newcomer, den man mal besser im Auge behalten sollte. "Goldstar", das Erstlingswerk von The Sophs, ist genau so ein Kandidat: Ausgestattet mit genug Ambition, Reibung, Charakter und Vielfalt, um Aufmerksamkeit zu erlangen und dabei gleichzeitig noch einiges schuldig zu bleiben, um nicht mit Lorbeeren überschüttet zu werden und zum Hype zu mutieren. Die Voraussetzungen an sich wären durchaus gegeben, tauchte die sechsköpfige Band aus Los Angeles doch erst in den letzten zwei Jahren aus dem Nichts auf und wusste auf Anhieb die Macher von Rough Trade zu überzeugen. Entstanden aus einem losen Kollektiv von Musikern mit Wurzeln in Punk- und DIY-Zusammenhängen, formierten sich The Sophs zunächst als Studioprojekt, bevor sie mit ersten Singles und EP-Veröffentlichungen eine kleine, aber wachsende Szene hinter sich versammelten.

Das Sextett um Sänger Ethan Ramos bringt hörbar unterschiedliche Sozialisationen mit: Post-Punk-Kühle trifft auf Funk-Affinität, Garage-Rock auf bluesige Erdung. Diese Vielfalt ist Motor und Problem zugleich. Das eröffnende "The dog dies in the end" wirft gleich zu Beginn Fragen auf. Ein schunkeliger Chanson, unterbrochen von Gitarrenbreitseiten, kommt zumindest unerwartet. Auch im Titeltrack "Goldstar" wird klar, dass hier niemand auf Nummer sicher geht. Der Song beginnt vergleichsweise reduziert: ein trockenes, fast stoisch wirkendes Schlagzeugmotiv, darüber eine kantige Gitarrenfigur, die eher Spannung aufbaut als sofort aufzulösen. Der Gesang setzt zunächst kontrolliert und zurückgenommen ein, bevor sich die Intensität im Refrain deutlich steigert. Typisch für einige Songs von The Sophs ist hier der abrupte Dynamikwechsel: Leise, angespannte Strophen kippen in einen aufgerissenen, emotionalen Refrain. Noch emotionaler, fast schon balladesk geht die Band im fünfminütigen "Blitzed again" zugange. Atmosphärisch wabernder Sound und mehrstimmiger langgezogener Gesang in einem hochmelodischen Etwas wirken mitreißend, bevor zum Ende hin wieder geschunkelt wird, diesmal a capella. Warum nur?

"Sweat" wiederum legt den Fokus stärker auf Rhythmus. Ein leicht funkiger Unterbau schiebt den Song nach vorne, während die Gitarren in den Refrains eruptiv aufbrechen. Hier zeigt sich die größte Stärke der Band: Diese abrupten Dynamikwechsel, das kontrollierte Spiel mit Spannung und Explosion. Wenn The Sophs ihre Gegensätze bündeln, entsteht ein Sog, der an frühe, noch ungebändigte Indie-/Garage-Rock-Klassiker erinnert, ohne alt zu klingen. Hier kommen die Kalifornier ihren Landsleuten von The Strokes am nächsten. Überhaupt ist "Goldstar" eine Platte der Extreme. Ruhige, fast fragil wirkende Passagen kippen unvermittelt in lärmende Ausbrüche, wie im an sich sehr rockigen "Death in the family" gut zu hören ist. Oder auch "Sweetiepie", das mit einer relativ ruhigen Gitarrenlinie und einem Countdown zu Beginn startet, bevor der Song schnell umschlägt und sich zu einer Art Emo-Bluegrass mit emotional aufgeladener, etwas ungeschliffener Energie und einem folkigen Unterton entwickelt. Bluesige Gitarrenlinien schleichen sich in Songs, die kurz zuvor noch nach Pop-Punk klangen. Diese stilistische Offenheit ist mutig, aber nicht immer zwingend. Manchmal wirkt das Album eher wie eine Sammlung guter Ideen als wie ein geschlossenes Statement. Der rote Faden ist da, aber er franst aus. Insbesondere zum Ende bei einigen Spoken-Word-Elementen, die man sich eigentlich hätte sparen können. Aber wahrscheinlich ist es gerade dieses Unberechenbare, dieses Rohe, Kantige und oftmals nicht fertig wirkende Etwas genau das, was The Sophs so spannend macht. Da geht noch was.

(Jochen Gedwien)

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Highlights

  • Goldstar
  • Blitzed again
  • Sweat

Tracklist

  1. The dog dies in the end
  2. Goldstar
  3. Blitzed again
  4. Sweat
  5. House
  6. Sweetiepie
  7. Death in the family
  8. A sympathetic person
  9. They told me jump, I said how high
  10. I'm your fiend

Gesamtspielzeit: 37:25 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Zwen

Postings: 56

Registriert seit 29.11.2019

2026-03-22 07:24:32 Uhr
Wahnsinnsalb einfach! Bin sehr erstaunt wie hier ne 6 als wertung zustande kommt. Aber so ist das natürlich. Musik ist am dann doch subjektiv. Ich biin absolut geflashed und finde das album ist super abwechslungsreich - im positiven sinne und hat einfach auch genug hits dabei. Freu mich jetzt schon auf das konzert im april! Ganz klar mein AOTY bisher.

dreckskerl

Postings: 11937

Registriert seit 09.12.2014

2026-03-19 21:39:06 Uhr
Schön, noch ein "Fan".

musie

Postings: 4251

Registriert seit 14.06.2013

2026-03-19 20:37:58 Uhr
gefällt mir sehr gut, bisher ganz klar ein (das?) Album des Jahres. 8/10 sind das auch für mich locker.

dreckskerl

Postings: 11937

Registriert seit 09.12.2014

2026-03-19 19:44:01 Uhr
Ich mag das Album schon sehr, es ist außérordentlich unterhaltsam und unvorhersehbar.
Die Kritik, kann ich gut nachvollziehen, es ist schon eine vielleicht zu bunte Mischung und manch Twist in einem Song ist schon mal einer zuviel.
Aber die Spielfreude und die cleveren Arrangementideen, die saustarken Gesangsparts machen das ganze zu einem top Debutalbum.

8/10

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30443

Registriert seit 08.01.2012

2026-03-18 21:06:55 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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