The Notwist - News from Planet Zombie
Morr / Indigo
VÖ: 13.03.2026
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
Anfassbar gut
The Notwist, klar. Diese Frickelbande aus Bayern, die sich doch am liebsten in ihren Schaltkreisen verliert, oder? Dieses Bild hat nie richtig gestimmt, es entstand vermutlich daher, dass ihr immer noch bekanntestes und größtes Album "Neon golden" mit seiner Ausrichtung tief in der Folktronica-Bubble am ehesten dieser Vorstellung entsprach. Davor tingelte die Band von Hardcore über Indierock zum jazzigen "Shrink" hin, danach hielten wiederum mehr und mehr organische Klänge erneuten Einzug, ohne dass man diese genauso leicht kategorisieren könnte. Vor allem ein Rock-Hit wie "Kong", das krautige "Vertigo days" und die zunehmend dynamischen Liveauftritte (und -alben) zeigten aber: The Notwist wollen eine lupenreine Band sein. Mit Instrumenten und Dynamik und allem. "News from Planet Zombie" komplettiert den Kreis zum Ursprung der Band mit vollständig live im Studio eingespielten Songs und stellt auf jüngsten Promofotos stolze elf Leute ins Licht, samt einem gigantischen Sousafon in Micha Achers Armen, das auf der Platte des öfteren prominent zur Geltung kommt. Und einem Gitarristen namens Max Punktezahl. Dann kann ja nichts mehr schiefgehen.
Nun klingt The Notwists neuntes Studioalbum keinesfalls nach den Haudrauf-Dingern des Karrierebeginns – schon eher liegt das weitaus sensiblere Übergangsalbum "12" von 1995 als eine Referenz nahe, nicht nur weil es das bis hierhin letzte live aufgenommene Werk ist. Wer "Puzzle" mal bei einem Konzert erleben durfte, erinnert sich bestimmt an die brutale Umsetzung des nur wenige Sekunden dauernden Blast-Einschubs mittendrin. Hier probt die erste Single "X-ray" Ähnliches, orientiert sich sonst aber am bereits erwähnten "Kong" und macht auch dank der herrlich schiefen Blök-Flöten massiv Laune und schon jetzt Bock auf zukünftige Gigs. Das folgende "Propeller" trägt eigentlich auch einen formidablen Hit in sich, verzichtet aber einfach mal auf Vocals zur Erdung. Die haben echt Nerven. Noch besser kommt der Schwung in die Bude durch zwei nachfolgende Tracks: "The turning" hat einen unwiderstehlichen Groove und ultracharmante Backingvocals durch Enid Valu, all das schraubt sich gemeinsam in einen fantastischen Höhepunkt. "When it gets too dark / And there is no sound / I turn around / Hoping you're still there." Immer noch da ist die Energie wenig später in "Silver lines", das sich ebenfalls ordentlich Feuer unter den Hufen gönnt. Kein Wunder, dass es dazwischen nötig ist, zu zartem Strumming den "Snow" zu besingen.
Die Ausbrüche von "News from Planet Zombie" sind nicht zahlreich, dafür intensiv. Große Teile der Platte malen lieber ein filigranes Bild mit Hilfe der reichhaltigen Instrumentierung. Erneut taucht das bereits 2022 auf einem Sampler (und erst vor wenigen Monaten auf der Compilation "Magnificent fall") veröffentlichte "Who we used to be" auf: kaum verändert und nach wie vor ein sehr hübscher Schunkler. "Behind your eyelids / Dreams can never ever be seen", singt Markus Acher beruhigend im wunderbaren "Projectors", das beinahe in einen Marching-Band-Rhythmus verfällt und den Weg freigibt für den noch ruhigeren Ausklang "Like this river", der ganz im Zeichen solcher Rausschmeißer wie "They follow me" oder "Into love again" steht. Das absolute Highlight wartet allerdings gleich zu Beginn mit dem verhuschten, sechsminütigen "Teeth". "I won't sing in vain like all the others", lautet die erste Zeile der Platte und doch entflüchtet der Song zwischen Hoffnung, Trostlosigkeit und schlicht atemberaubender Schönheit in sein eigens gedachtes Paradies.
Überraschenderweise warten auch zwei Coverversionen inmitten der Songs, welche sich die Originale stark zu eigen machen. Das etwas hektisch geratene "How the story ends", im Original 2009 von der Band Lovers als angeschrägter Synth-Twee-Rock aufgenommen, lässt mit vertracktem Rhythmus aufhorchen, sorgt kurz vor dem beruhigten Ende als kleiner Stolperstein noch mal für Puls. Ein echtes Glanzstück für sich haben The Notwist dagegen aus der umfangreichen Diskografie von Neil Young gefischt. Der veröffentlichte nämlich 2000 auf "Silver & gold" das unscheinbare "Red sun", das hier mit der bläserlastigen, vor Hitze flirrenden Instrumentierung wirkt, als wäre es schon immer für "News from Planet Zombie" vorgesehen gewesen. Was The Notwist auch anpacken, ob sie ihre Songs organisch oder elektronisch verfremdet spielen, ob sie komponieren oder seit neuestem vermehrt covern, es bleibt eine wahre Freude, wie diese Truppe sich über Jahrzehnte auf hohem Niveau durch verschiedene Stilarten spielt und doch unverkennbar bleibt.
Highlights
- Teeth
- Red sun
- The turning
- Silver lines
Tracklist
- Teeth
- X-ray
- Propeller
- Red sun
- The turning
- Snow
- Silver lines
- Who we used to be
- How the story ends
- Projectors
- Like this river
Gesamtspielzeit: 45:37 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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fakeboy Postings: 6639 Registriert seit 21.08.2019 |
2026-04-17 00:38:33 Uhr
Projectors und Like This River zum Schluss ist aber ein echter Ablöscher. (Huch, ich wollte doch gar nicht mehr reinschauen) |
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max77 Postings: 3 Registriert seit 20.10.2023 |
2026-04-16 23:18:05 Uhr
Gravity war gestern in Wien der Main Set Closer. Leider inklusive Ausfall der Soundanlage beim finalen Ausbruch. Sehr schade.Konzert war in Summe wie so oft bei Notwist grandios. Gestern zu acht auf der Bühne. Setlist war in ungefähr so wie oben gepostet. Who We Used To Be kam wesentlich später (Encore). This Room war Teil des Sets Finaler Encore war dann recht ruhig: Projectors Like This River |
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fakeboy Postings: 6639 Registriert seit 21.08.2019 |
2026-04-16 16:01:29 Uhr
Ich lass mich einfach überraschen und schau bis Sonntag nicht mehr ins Internet. |
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Spinnefink Postings: 1972 Registriert seit 25.05.2022 |
2026-04-16 15:45:00 Uhr
Dürfte auch ungefähr die Setlist beim Releasekonzert gewesen sein und gehe daher auch davon aus, dass es davon keine größeren Abweichungen geben dürfte. Kommt mir aber etwas kurz vor. Oha, und kein Gravity mehr? Meh. Ich mein ok, schon oft genug live gesehen, aber das war immer so ein schönes Ekstase-Highlight. Ach egal, wird so oder so gut. :) |
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fluppeaufex Postings: 509 Registriert seit 29.10.2019 |
2026-04-16 15:40:35 Uhr
TeethX-Ray Where You Find Me Ship Who We Used to Be The Turning Pick Up the Phone Gloomy Planets One With the Freaks Sno How the Story Ends (Lovers cover) Silver Lines 12 Encore: Kong 0-4 das sollte ungefähr die playliste der Tour sein. Besonders freu ich mich auf ship, teeth und how the story ends! |
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Referenzen
Naked Lunch; Console; Radiohead; The Smile; Thom Yorke; The Beta Band; Klez.e; Slut; Placebo; Múm; Lali Puna; Ms. John Soda; Finn.; The Postal Service; Dntel; Hundreds; Spruce; Dazerdoreal; Hood; James Figurine; Styrofoam; Sensorama; Werle & Stankowski; Kraftwerk; Yellow Magic Orchestra; Weevil; Her Space Holiday; Talk Talk; Get Well Soon; Monta; Miles; Joycehotel; dEUS; Ghinzu; Contriva; Mina; Tied & Tickled Trio; To Rococo Rot; Kreidler; Isan; Couch; Patrick Wolf; Under Byen; Village Of Savoonga; Fred Is Dead; Toxic; Funkstörung; Mouse On Mars; Nérija; Ben LaMar Gay; Colin Stetson; Kamasi Washington; Exploding Star Orchestra; 13 & God
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