Ulrika Spacek - Expo
Full Time Hobby / Rough Trade
VÖ: 06.02.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Kein Innen mehr
"Hach, dieser Stillstand des Flüchtigen gepaart mit der Infragestellung des Eigentlichen." Manchmal ist es ein Segen, wenn man bei Ausstellungen zwecks begleitender Info mit Kopfhörern ausgestattet wird, statt Gesprächsbeiträge wie diesen ertragen zu müssen. Vielleicht unterhalten sich Museumsbesucher*innen aber auch nur über die nächste Urlaubsreise oder über die gestern ganz besonders sämige Pilzrahmsuppe in der Plattentests.de-Kantine. Bei der "Expo", die Ulrika Spacek auf ihrem vierten Longplayer veranstalten, sollte man allerdings ganz genau hinhören: Statt "The album paranoia" oder ein "Constant trauma" zu schieben und so ein arg zerzaustes Innenleben zu präsentieren, blickt das Quintett hier zusehends mit großen Augen nach außen – und sieht angesichts der globalen Lage oder bizarrer Beobachtungen auf der letzten US-Tour wenig Gutes. Sänger Rhys Edwards kann immerhin in die Augen seiner neugeborenen Tochter schauen – fragt sich dabei aber fast zwangsläufig, in was für einer Welt sie wohl aufwachsen wird.
Kein Wunder, dass der britische Fünfer auf "Expo" noch ein wenig zerrissener und fragmentierter musiziert als auf den Vorgänger-Alben. Zwar klirren die Gitarren schon im ersten richtiggehenden Song "Picto" erneut wie mit dem Winkelschleifer ausgefräst und umwölkt den Sound weiterhin ein dezentes psychedelisches LoFi-Flair – aber auch Edwards' elektronisches Seitenprojekt Astrel K hat seine Spuren hinterlassen. Zum Beispiel im entwurzelten Groover "Build a box then break it", der Ulrika Spacek zunächst als ächzende Rumpel-und-Pumpel-Kapelle mit leichten Gleichlaufschwankungen zeigt, ehe eine grünlich schimmernde Keyboard-Wolke einschwebt, von der aus der Sänger und Gitarrist sparsame, aber effektive Licks ins rhythmisch anspruchsvolle Gewese streut. Und auch wenn die Sechssaitige im an Lautstärke zulegenden "This time I'm present" einmal deutlich angestochener knurrt, sorgt nicht zuletzt Drummer Callum Brown mit seinem schwer greifbaren Spiel für Komplexitität in einer, nun ja, komplexen (Klang-)Welt.
Mehr Radiohead oder zumindest Suuns als Cola oder Omni, möchte man also meinen – trotzdem findet das Quartett auch immer wieder zu seiner ursprünglichen Anmutung zurück, die an ein Bierdeckel-Konzert leicht ramponierter The Strokes denken ließ. Vor allem das Titelstück ist so ein kleines hinterhältiges Ding, das per Loop erst Death In Vegas' "Hands around my throat" antäuscht, dann aber doch den Dreh zu einem in diesem verkomplizierten Kontext fast flockigen Indie-Rocker bekommt. "Square root of none" geht es nicht viel anders – auch wenn vor dem geistigen Auge der frühere Mathelehrer mit drohendem Zeigefinger eindringlich vor der Division durch null warnt. Fort mit dem unschönen Gedanken, der sich spätestens beim herrlich beatlesken "A modern low" aber ohnehin in Luft auflösen sollte, wenn Edwards ein wenig klingt, als würde John Lennon aus dem Jenseits "Imagine" intonieren. Dass am Ende eine "Incomplete symphony" wartet, ist dabei nur folgerichtig: Es gibt noch viel zu tun. Auf der Welt wie für Ulrika Spacek.
Highlights
- Picto
- Build a box then break it
- Expo
- A modern low
Tracklist
- Intro
- Picto
- I could just do it
- Build a box then break it
- This time I'm present
- Showroom poetry
- Expo
- Square root of none
- Weights & measures
- A modern low
- Incomplete symphony
Gesamtspielzeit: 45:27 min.
Album/Rezension im Forum kommentieren
Teile uns Deine E-Mail-Adresse mit, damit wir Dich über neue Posts in diesem Thread benachrichtigen können.
(Neueste fünf Beiträge)
| User | Beitrag |
|---|---|
|
saihttam Postings: 2929 Registriert seit 15.06.2013 |
2026-03-31 22:11:20 Uhr
Richtig gutes Album! Schön komplex und tief im Sound und dennoch leichtgängig genug, dass man es immer wieder hören will. |
|
Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30443 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-03-10 21:03:17 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
|
J. Peterman Postings: 84 Registriert seit 14.06.2025 |
2026-02-26 16:32:40 Uhr
21.10.26 - Berlin - Neue Zukunft26.10.26 - Hamburg - Aalhaus |
|
MickHead Postings: 10846 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-02-06 10:30:29 Uhr
Jetzt komplett bei Bandcamp:https://ulrikaspacek.bandcamp.com/album/expo |
|
MickHead Postings: 10846 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-01-14 17:52:08 Uhr
3. Song "Picto"https://youtu.be/1l2VM9UeE6Y?si=P80gw2JCpOTGHuVC |
Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.
Referenzen
Astrel K; DIIV; Suuns; Omni; Cola; Geese; Deerhunter; Atlas Sound; Lotus Plaza; Preoccupations; Women; Autolux; Bodega; Flasher; Froth; Dutch Uncles; Field Music; The Week That Was; Peter Brewis; Django Django; Glass Animals; Radiohead; The Smile; Thom Yorke; Hookworms; Gengahr; Plantoid; The Flaming Lips; The American Analog Set; Sonic Youth; Thurston Moore; Lee Ranaldo; The Velvet Underground; Index For Working Musik; Alt-J; Weird Dreams; The Pool; The Proper Ornaments; Penny Arcade; Mazes; Clinic; Higher Authorities; Animal Collective; Panda Bear; Avey Tare's Slasher Flicks; Grizzly Bear; Daniel Rossen; Department Of Eagles; Pavement; Stephen Malkmus & The Jicks; Guided By Voices; Tame Impala; The Beatles
Bestellen bei Amazon
Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv
Threads im Plattentests.de-Forum
- Ulrika Spacek - EXPO (9 Beiträge / Letzter am 31.03.2026 - 22:11 Uhr)
- Ulrika Spacek - Compact Trauma (4 Beiträge / Letzter am 03.05.2025 - 00:03 Uhr)
- Ulrika Spacek - Modern English decoration (1 Beiträge / Letzter am 31.05.2017 - 21:07 Uhr)





