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The Toten Crackhuren Im Kofferraum - Love, Hate & Engelenergie

The Toten Crackhuren Im Kofferraum- Love, Hate & Engelenergie

Bakraufarfita / Broken Silence
VÖ: 13.03.2026

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 2/10

Brave Mädchen

Sie machten Liebe zwischen Pizzaschachteln auf dem Bett, sie wünschten sich Hämatome, im Wahnsinn zugefügt, und ließen sich von "Officer Sexy" verhaften. The Toten Crackhuren Im Kofferraum loteten in den letzten Jahren mal mehr, mal weniger humorig die dunklen Seiten des Asi-Daseins aus. Was insbesondere "Bitchlifecrisis" zu einer überraschend tollen Platte machte – zwischen knallenden Beats, treffenden Onelinern und überraschender Biestigkeit. Übriggeblieben sind auf ihrem fünften Album "Love, Hate & Engelenergie" nur noch metaphorische Mittelfinger, die sie visuell rückwärts vom Cover entgegenstrecken. Die Musik spielt da nicht mit. "In meinem Herzchen ist immer Platz für Dich", säuselt es schon zu Beginn zu solch seichten Beats, dass man eigentlich direkt Andrea Kiewel als Ansagerin im Intro zuvor hätte platzieren können. "Hier ist es warm und so gemütlich / Der Kamin meines Herzens brennt nur für Dich." Will man nach weibliche Deichkind jetzt weibliche Alexander Marcus sein? Oder ist im Hause Crackhuren einfach die neue Positivität ausgebrochen?

"Du bist 'ne Geile!", skandiert schon gleich der nächste Track, wirkt anbiedernd und seicht, auch wenn er immerhin mit ein paar neuen Winkelzügen die beste Freundin feiert: "Ich hör auf zu saufen, Du supportest mich dabei / Bierchen schmeckt Dir lecker, doch für mich trinkst Du alkfrei." Und wenn "Skincare Routine" den Schönheitswahn endlich mal mit ein paar expliziten Lyrics, aber sonst eher Allgemeinplätzen verflucht, "Halt Dein Maul" eine von mehreren 08/15-Abrechnungen mit besserwissenden Männern und prolligen Mackern ist und auch die Beats zwar funktional, aber eben nicht bahnbrechend sind, schwant Böses. Es braucht fast bis zur Mitte der Tracklist, um bei "Lieber Gott" einmal das Wort "gewitzt" zu gebrauchen, wenn sich die Litanei über einen viel zu attraktiven Ex vom sanften Stoßgebet zum fluffigem Synthpop wandelt. "Du riechst so gut nach Gewohnheit und Sex / Und es wär auch super, wärst Du nicht mein Ex." Ähnlich charmant ist "Geist", das es auf irgendeine Weise schafft, Mitleid für Ghosting zu erregen: "Ich mag Dich sogar sehr / Aber noch viel mehr / Hab ich Angst / Hab' ich das Gefühl, Du willst zu viel / Werde ich zum Geist."

"Love, Hate & Engelenergie" ist auch sonst nicht ideenlos. Die Verballhornung der "Königin der Nacht" in "Meine Wut" sorgt für Grinsen, die Tex-Mex-Trompete im sonst recht flachen "Mach Dir keine Sorgen, mach Dir Nudeln" ist charmant und "Nackt auf dem Balkon" gerät immerhin so trashig, wie man es von den Crackhuren gewohnt ist, wenn "oben im zehnten Stock" die "Titten in die Sonne" gehalten werden. Doch das Album lässt sich von der eigenen Zahmheit viel zu sehr im Zaum halten. "Mein Fetisch ist Liebe, auf Augenhöhe begegnen / Mein Kink ist es, gut behandelt zu werden" – das ist zwar inhaltlich kein falscher Ansatz, aber auch total bieder formuliert und weist zudem noch auf die Angewohnheit des Albums hin, ordentliche Reime zu verweigern, wo welche hingehören. Was bei Deichkinds "Leider geil" noch niemand bemerkte, irritiert hier so oft kolossal. "Mit dem Minimum geb ich mich nicht mehr zufrieden / Du musst mir schon das Maximum geben." Warum nicht wenigstens "bieten", was zumindest annähernd als Reim passen würde? Auf "Love, Hate & Engelenergie" klingt vieles von Musik und Text nach First Draft – offenbar steckte früher hinter der rotzigen Attitüde doch mehr Arbeit, als es den Anschein hatte. Zurück in die Gosse oder ab aufs Pony? Hauptsache raus aus den seichten Gewässern, bitte.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Lieber Gott
  • Geist

Tracklist

  1. Supernova (Intro)
  2. In meinem Herzchen
  3. Du bist 'ne Geile
  4. Skincare Routine
  5. Halt Dein Maul
  6. Lieber Gott
  7. Kink
  8. Meine Wut
  9. Nackt auf dem Balkon (feat. Remote Bondage)
  10. Mach Dir keine Sorgen, mach Dir Nudeln
  11. Geist
  12. Unsere Liebe ist ein Rausch
  13. Kein Freund (Ein Täubchen will ich)

Gesamtspielzeit: 35:29 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

molch

Postings: 58

Registriert seit 26.06.2013

2026-03-11 23:49:53 Uhr
"will man nach weibliche Deichkind jetzt weibliche Alexander Marcus sein" glaub für den kontext der mukke liegt hier liegt son bissl der hund begraben, die crackhurn wollten noch nie die "weibliche version von" irgendwas sein.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30443

Registriert seit 08.01.2012

2026-03-10 21:03:02 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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