Monolithe Noir - La foi gelée
Humpty Dumpty
VÖ: 27.02.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
Die elf Fragezeichen
Es ist ja allgemein bekannt, dass das Internet im Grunde nur aus zwei Dingen besteht. Über das eine schreiben wir an dieser Stelle besser nichts, das andere sind Katzenbilder. Katzen gehen immer, diese eigenwilligen, kratzbürstigen, seltsamen und doch liebenswerten Tiere. Dachte sich auch Antoine Messager Pasqualini, welcher als Monolithe Noir sein nun viertes Album veröffentlicht, auf welches sich wunderbar die oben genannten Eigenschaften übertragen lassen. Und ja, eine irgendwie verstörend wilde, aber doch anziehende Katze prangt auf dem Cover. Ursprünglich Belgier, zog es den Musiker vor einigen Jahren nach Brest. Dort schuf er ein dort spielendes Album rund um eine Frau namens Rebecca, die in die Normandie zog, um ein neues Leben zu beginnen – was tragisch endete.
Diese Geschichte wird nun in "La foi gelée" wieder aufgegriffen und verarbeitet, wobei insbesondere das Thema Trauer im Vordergrund stehen soll. Was, wie, wo das alles zusammenhängt, ist in mehreren lyrischen und musikalischen Schichten verpackt, die schwer greifbar sind. Der Sound von Monolithe Noir ist irgendwie komplett aus der Zeit gefallen, wobei sich aber auch keine Zeit aufdrängt, in die das alles hineinpasst. Es ist eher die Entsprechung einer Wunderkammer, eines verwirrenden Jahrmarkts samt Zaubertricks, die Pasqualini hier vorführt. Bestes Beispiel dafür ist der Opener "Long bridge", der mit einem altmodischen Klimperbeat daherkommt. Überhaupt, Instrumente. Hier geht Modernes einher mit Klassischem. Synthies waren bislang im Fokus des Schaffens, auf "La foi gelée" drängen sich nun diverse Saiteninstrumente in den Vordergrund. Mal dezent – "Virgox" atmet den Geist einer ruhigen Radiohead-Ballade –, mal brachial wie im basslastigen "Down in", welches in ein apathisches Chaos abdriftet.
Drei der elf Stücke sind kurze Interludes, die mehr Fragen aufwerfen, als sie beantworten. Überhaupt ist dieses Album seltsam. Nicht greifbar, eigentlich schon gar nicht in eine Bewertungsskala pressbar, daher ist die Wertung oben auch nur eine Empfehlung aus Ratlosigkeit. Es ist einfach da. Pasqualinis Gesang – so oft vertreten wie nie zuvor in den bisherigen Alben – ist meist dezent, fluide. Selten bricht er mal aus, wie in "Seek you", ansonsten bleibt er aber in einem sehr erzählerischen Tonfall. Zentral ist laut Albuminfo "Flutter", in dem wohl alle eingewebten Themen zusammenlaufen, unter Mithilfe einer Handvoll Gastmusiker*innen. Nur ist davon recht wenig zu hören. Weder ist "Flutter" der dichteste noch der auffälligste oder intensivste Track, vielmehr fließt er beiläufig davon, die schimmernden Sterne des Covers kurz musikalisch andeutend. Viel interessanter ist hingegen der titelgebende Track gen Ende, in dem noch einmal Genres bunt gewürfelt und mit dem Schwung eines geübten Pfotenschlags vom Tisch geworfen werden, weil wieder irgendjemand dem hier residierenden Tierchen nicht genug Aufmerksamkeit gewidmet hat. Es ist alles sehr seltsam rund um dieses Album des "gefrorenen Glaubens".
Highlights
- Long bridge
- Seek you
- La foi gelée
Tracklist
- Long bridge
- Virgox
- Down in
- Gate one
- Seek you
- Running fast
- Threat on me
- Flutter
- Gate two
- La foi gelée
- Gate three
Gesamtspielzeit: 42:51 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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hey-now Postings: 54 Registriert seit 03.05.2023 |
2026-03-13 12:31:17 Uhr
Ich verfolge die Band schon länger. Das ist natürlich alles kein Pop und "sperrt" etwas, mit Nebenherhören geht da nix.Aber ich finde, "La foi gelée" ist ein sehr gutes Album, auch wenn ich's noch nicht komplett entschlüsselt habe. Die Mischung aus (im übertragenen Sinne) weißem Musikrauschen und ner ungeheuren klanglichen und teils auch melodischen Tiefe in den Ausbrüchen ist ziemlich bemerkenswert. Es erzählt was, bzw. ist an was Großem dran. Aber fragt mich eben noch nicht, (an) was genau. ;) |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30443 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-03-10 21:02:17 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
Pas De Signal; Leonie Pernet; Petit Fantôme; Bruit Noir; Off World; Astrobal; Ashinoa; Tago Mago; Can; Jim Ballon; Chaufau; OrOrOr; Île De Garde; Temps Calme; Ghinzu; Malajube; Omni Selassi; Samba De La Muerte; Magnetic Ensemble; The Flaming Lips; Islands; Deerhoof; Neu!; Faust; Xiu Xiu
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- Monolithe Noir - La foi gelée (2 Beiträge / Letzter am 13.03.2026 - 12:31 Uhr)



