Joji - Piss in the wind
Palace Creek / Virgin
VÖ: 06.02.2026
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
Wie gewonnen, so zerronnen
Ein Synthesizer kracht ohne Vorwarnung durch die Wand wie der Kool-Aid Man. Willkommen auf dem vierten Album von Joji. Der in Japan geborene Künstler, der mit bürgerlichem Namen George Kusunoki Miller heißt, braucht kein Intro, es ballert sofort los. Dabei ist es gar nicht so, als würde sein Name in den Gesprächen über Superstars unserer Zeit besonders oft fallen. Und das trotz Milliarden von Streams. Und auch die Fachpresse überschlägt sich selten mit euphorischem Lob für den ehemaligen YouTuber. Dabei verhält es sich mit "Piss in the wind" genau wie mit jedem seiner Alben davor: Ausfälle gibt es nicht und Highlights immer wieder.
Das startet mit dem Wände brechenden "Pixelated kisses", das per Distortion krächzt, über die Joji seinen engelsgleichen Gesang legt. Produziert hat er das Ding selbst, wie eine Handvoll Songs auf dem Album. Für einen Großteil der 21 Anspielpunkte hat er aber bei Produktion und Writing auch teilweise namhafte Unterstützung wie zum Beispiel von Ricky Reed (Meghan Trainor, Kesha) oder Kenny Beats (Idles, Geese) bekommen. Aus einem Guss klingt der zeitgenössische Pop mit R'n'B- und Hip-Hop-Elementen jederzeit. Um Liebe geht es natürlich – gewonnene, wie zerronnene. "Piece of you" mit Neo-Soul-Sänger Giveon nimmt scheinbar auch Rückbezug zu Jojis größtem Hit "Glimpse of us", der selbst in den Augen der aktuellen Partnerin immer noch die Ex sah. Dieses Mal heißt es allerdings: "Now I can finally say that I stopped looking for that piece of you."
Natürlich sind manche Songs wie das joggende "Last of a dying breed" in ihrer Unmittelbarkeit erfolgreicher als ein paar andere in der guten Dreiviertelstunde, aber Jojis Musik ist oft auch nur ein kurzer Gedankenblitz und fast die Hälfte der Stücke nicht mal zwei Minuten lang. Wenn sich eine Idee also mal nicht verfängt, ist sie eh schon nur noch eine Silhouette im Rückspiegel. Und die allerhöchste Kunst sind die lebensnahen Texte von Miller vielleicht auch nicht, immerhin findet er aber Bilder, die einen zum Schmunzeln bringen können, wie im melancholisch per Gitarre begleiteten "Hotel California". Und er schafft es eben auch, in seiner Einfachheit um den Finger zu wickeln, wenn "Tarmac" einen Loop mit tiefem Bass und hellem Hintergrundgesang einwirft. Oder "Past won't leave my bed" sich am Klavier Zeit für eine emotionale Ballade nimmt. Und warum kryptisch herumdrucksen, wenn klar ist, was man sich wünscht, wie Joji in "Sojourn" bittend fragt: "Can you love a little longer / Hits a little stronger / Giving in to my only vice?"
An was fehlt es Joji denn dann nun aber? Die einfache Antwort ist: Fokus. Auf "Piss in the wind" gibt es über ein Dutzend Stücke, die es mit Leichtigkeit schaffen, eine intensive Atmosphäre zu etablieren, singen kann der Japaner sowieso und produzieren – ob mit oder ohne Unterstützung – offensichtlich auch. Allerdings haben die wenigsten Songs eine besondere Dramaturgie, eine interessante Struktur, sie wirken nicht zu Ende gedacht. Vielleicht kann Joji das auch gar nicht, und seine kreative Energie lässt es nur zu, sich eine begrenzte Zeit mit etwas zu beschäftigen und dann schnell weiterzuziehen. Schaut man sich seine alten Videos oder Interviews an, wäre das zumindest keine Überraschung. Und erfolgreich ist Joji sowieso. So schnell wie er durch die Wand eingebrochen ist, ist er auch schon wieder zum Fenster rausgesprungen.
Highlights
- Pixelated kisses
- Last of a dying breed
- Hotel California
- Tarmac
- Sojourn
Tracklist
- Pixelated kisses
- Cigarette
- Last of a dying breed
- Love you less
- If it only gets better
- Love me better
- Piece of you (feat. Giveon)
- Hotel California
- Tarmac
- Forehead touch the ground
- Past won't leave my bed
- Fade to black (feat. 4Batz)
- Can't see sh*t in the club
- Sojourn
- DYKILY
- Rose colored (feat. Yeat)
- Silhouette man
- Fragments
- Horses to water
- Strange home
- Dior
Gesamtspielzeit: 45:58 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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rheiton Postings: 347 Registriert seit 26.03.2025 |
2026-03-13 16:21:36 Uhr
Das doch günstig! |
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Arne L. Postings: 3005 Registriert seit 27.09.2021 |
2026-03-13 15:28:30 Uhr
Jetzt doch auch Ende August im Velodrom in Berlin. Aber boah sind die Karten teuer mit Start bei über 70 Euro. :( |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30443 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-03-10 21:01:01 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Arne L. Postings: 3005 Registriert seit 27.09.2021 |
2026-03-02 15:52:41 Uhr
Der spielt in Deutschland scheinbar nur einen Gig auf seiner Tour in der Lanxess in Köln am 19.08.2026. Da ich da Familie habe, wäre das zumindest nicht unmöglich. Hat jemand Erfahrung mit der Location bei großen Pop-Artists? Wenn ich da nur eine Ameise sehe wegen der Distanz, ist es für teures Geld eher witzlos, finde ich. |
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Lucas mit K Postings: 499 Registriert seit 19.07.2024 |
2026-02-16 16:23:06 Uhr
Ich hab zufällig „CAN'T SEE SH*T IN THE CLUB“ gehört und mag es auch, aber man kann nicht abstreiten, dass das Eins zu Eins nach James Blake klingt. |
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Referenzen
Alan Vuong; Bryant Barnes; Tame Impala; D4vd; Dominic Fike; The Kid Laroi; Keshi; Cigarettes After Sex; Pink Guy; Yeek; Rich Brian; Jaden; Hobo Johnson; Omar Apollo; Kevin Abstract; Brockhampton; Aries; Oliver Tree; Rei Brown; Tyler, The Creator; Frank Ocean; Rex Orange County; Clairo; Post Malone; Childish Gambino; The Weeknd; Mac Miller; Daniel Caesar; Mac DeMarco; Nnamdï; Khalid; Blackbear; JID; SZA; Kid Cudi; 070 Shake; Doja Cat; Rav; Bedroom; Baby Keem; Don Toliver; Kule Chiang; Brent Faiyaz
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