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Bonnie 'Prince' Billy - We are together again

Bonnie 'Prince' Billy- We are together again

Domino
VÖ: 06.03.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Reduktion und Rebellion

"Why does the lion keep fear so alive / Instead of just letting us live / In harmonious states where we all can just thrive / And give what we're able to give?" Fragen, die angesichts einer gefühlt täglich immer mehr dem Hass verfallenden Welt natürlicherweise im Kopf herumschwirren. Der zu Unrecht wie ein kauziger Einzelgänger wirkende Will Oldham hat erneut ein Album über die Gemeinschaft gemacht, das bereits im Titel keine Zweifel zulässt: "We are together again". Einfühlsames Miteinander wird zum gewaltlosen Protest, die Hoffnung ist der von Freunden und Familienmitgliedern unterstützten Platte jederzeit anzuhören. "I love you, I love you, forever tonight / And I will love you forever, you'll learn", lauten die letzten Worte des eingangs zitierten Openers "Why is the lion?", bevor dieser noch zwei Minuten lang in wundervoller Harmonie von Streichern, Flöten, Akkordeon und Bouzouki entschwebt. Was auf dem Papier schnell als naives Hippietum lesbar sein kann, wird von Bonnie 'Prince' Billy so in Szene gesetzt, dass jedes Wort Gewicht trägt.

"We are together again" setzt das mit "I made a place" begonnene Programm fort, Musik in Oldhams Heimat Louisville, Kentucky aufzunehmen und die lokale Community zu fördern. Die mit dem ebenfalls ortsansässigen Co-Produzenten Jim Marlowe aufgenommene Platte sei nun laut Oldham so nah am Ohio River entstanden wie kein anderes Werk seit 1993. Die Spielfreude des Vorgängers "The purple bird" weicht hier allerdings einem deutlich reduzierterem Klangbild, die Mitmusiker*innen liefern vornehmlich instrumentale Akzente und Gesangsharmonien. Das völlig nackte "The children are sick" kommt sogar nur mit Akustikgitarre und Gast-Vocals von Maggie Halfman aus. Wie viel Dringlichkeit die sparsamen Mittel erzeugen können, bewies bereits die erste Single "They keep trying to find you". Mit giftigen Zeilen wie "Just as soon go lay on the floor / Or beat someone senseless / Or watch a cartoon", beschreibt Oldham, wie Abgrenzung zu Abneigung führt, denn wie der Song weiß: "Nobody's friend has got nothing inside."

Als kleiner musikalischer Ausreißer präsentiert sich "Vietnam sunshine" mit Mariachi-Bläsern und einem beschwingten Vibe, der auch auf Calexicos Weihnachtsplatte seinen Platz gefunden hätte. Es ist der einzige Song mit vollwertigem Schlagzeug, was nicht heißt, dass das restliche Album bewegungslos verharren würde. Das mit Sally Timms von The Mekons vorgetragene Highlight "Life is scary horses" erschafft mit Percussion und Streichern einen unheimlichen Drive, um trotz apokalyptischer Stimmung den Kopf oben zu halten: "The human times have come and gone / We must accept our rule is done, though love is sewn and will live on." Das Piano-dominierte "Strange trouble" zeigt indes Verständnis für diejenigen, die am Chaos zu verzweifeln drohen: "Right and wrong is all distorted / If you're confused, well, I don't blame you." Hier und an anderen Stellen wie in "(Everybody's got a) Friend named Joe" harmonisiert Oldhams ausdrucksstarke Stimme wunderbar mit seinen Duettpartnerinnen, was dem verhalten instrumentierten Album eine andere Art von Volumen schenkt.

In manchen Momenten fühlt sich "We are together again" beeindruckend groß an – "Hey little" scheint etwa trotz seines Titels, eine ganze Filmkulisse aufzuspannen. Das von Harfenklängen verzierte "Davey dead" lässt seine Ruhe geisterhaft und bedrohlich anmuten. "When we got to the nightclub I was less than thrilled / I saw who was in there and knew someone could get killed", lautet Oldhams ominöse Verheißung, später mahnt er wieder die zerstörerische Kraft der Vernachlässigung: "If you destroy a child's perspective, here's what that child will do / Be faced with unrelenting hardship and render terror back at you." Der Closer "Bride of the lion" wiederholt die Lyrics des Eröffnungsstücks, setzt sie mit disharmonischen Chören und elektrischen Gitarrenanschlägen jedoch in einen kämpferischeren Kontext: "And then hope of something beginning to rise from the ring and hear someone sing / Is it my voice, or, better yet, ours?" "We are together again" kann eben auch eine Drohung sein.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Why is the lion?
  • They keep trying to find you
  • Life is scary horses

Tracklist

  1. Why is the lion?
  2. They keep trying to find you
  3. Strange trouble
  4. Life is scary horses
  5. (Everybody's got a) Friend named Joe
  6. Vietnam sunshine
  7. Hey little
  8. Davey dead
  9. The children are sick
  10. Bride of the lion

Gesamtspielzeit: 47:10 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Wwwam

Postings: 177

Registriert seit 25.09.2022

2026-03-14 15:53:20 Uhr
Ja, das empfinde ich auch so. Vor allem den Opener und wie er mit dieser schrägen Flöte so wunderschön ausfadet und danach das sehr schöne "They keep trying to find you" finde ich ganz toll. Danach dudelt es dann so ein bisschen in die Belanglosigkeit. "Hey little" finde ich noch schön, aber es mischt sich in meinen Kopf tatsächlich mit diesem "Hey little bird" part von "Then the letting go"

cargo

Postings: 847

Registriert seit 07.06.2016

2026-03-14 13:36:30 Uhr
Die ersten vier Songs sind wahnsinnig gut. Danach flacht das Album leider so ein wenig ab.

Wwwam

Postings: 177

Registriert seit 25.09.2022

2026-03-11 10:52:35 Uhr
Also ich mag es nach paar Durchläufen sehr. So tröstlich und heimelig.

VelvetCell

Postings: 9826

Registriert seit 14.06.2013

2026-03-10 23:05:35 Uhr
Mir geht's genau wie kingsuede. Aber so, wie mich Callahan begeistert hat, tut es Billy ja vielleicht auch.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30449

Registriert seit 08.01.2012

2026-03-10 20:59:30 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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