Black Sea Dahu - Everything
Mouthwatering / Broken Silence
VÖ: 20.02.2026
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Was bleibt
Der Tod ist ein unwiderruflicher Schlusspunkt. Und er versetzt jene in Trauer, die als Hinterbliebene mit dem Verlust eines Menschen umgehen oder oft erst eben den Umgang damit erlernen müssen. Trauer ist stets individuell, jede*r muss Wege finden, das Abschiednehmen auszugestalten und die verschobenen Realitäten zu verarbeiten. Tod und Trauerarbeit standen auch am Anfang des neuen Albums der Schweizer Band Black Sea Dahu. Der Vater der beiden Gründungsmitglieder und Geschwister Janine und Vera Cathrein war gestorben, und Schritt für Schritt mussten sie ihren Weg finden, mit diesem Schicksal umzugehen. So entstanden über einen längeren Zeitraum nach und nach Gedanken, Songideen, schließlich ganze Stücke und die Ambition, daraus ein Album zu gestalten. Es nicht in einem Studio einzuspielen, sondern in einem persönlich gestalteten Raum. Das alles live, um eine besondere Form der Unmittelbarkeit zu erreichen. Und so wurde "Everything" zu dem, was es ist: ein Abschiednehmen, aber auch eine feste Umarmung des Lebens.
Mit "Ants on the wall" eröffnen Black Sea Dahu ihr bisher bestes Studioalbum. All das, was die Formation ausmacht, ist hier greifbar. Die besondere Stimme von Janine Cathrein, das unüberhörbar folkige Element, die souveräne Hinwendung zum zwischenzeitlich dezent Rockigeren. Es folgt das opulente "One day will be all I have", in dem die Mitmusiker den Raum mit ihrer Spielkunst füllen und ein faszinierendes Gefühl der absoluten Stimmigkeit des eigenen Tuns den Takt vorgibt. Abgeschlossen wird die erste Hälfte durch das Titelstück, in dem die inhaltliche Intimität des Werks auch instrumental zur Geltung kommt. Janine Cathrein tastet sich hier am Mikro und an der Gitarre durch ein feinfühliges Stück, bevor "Blurry" als Zwischensequenz überleitet zur zweiten Hälfte. Und auch dort warten große Momente, seien es die beschwingteren Minuten in "Superpower" oder getragene Schönheit wie in "My dreams".
Jeder einzelne Song auf "Everything" taugt prinzipiell zum Lieblingsstück, was eine seriöse Hervorhebung besonderer Höhepunkte zu einem latent unmöglichen Unterfangen macht. Und doch sind es Titel wie "One day will be all I have" oder "My dreams", die dank ihres feinen Arrangements noch ein kleines Stückchen mehr herausstrahlen aus dem überaus stimmigen Gesamtkonstrukt. Und dann gibt es da immer wieder Textpassagen, die all die Trauer über den Verlust greifbar machen und stets daran erinnern, um was beziehungsweise wen es hier geht. Um die Lücke, diese entsetzliche Lücke, die ein geliebter Mensch gerissen hat und die sich niemals wird schließen lassen: "I wish it was you driving up in your van that has always been yellow / Never a day that I don't think of you / With your tools in one hand / Oh I'm not myself / Tend to blend into the background these days / A year has gone by and I struggle to stand / I wander through forests / You're gone and I don't understand", heißt es in "One day will be all I have".
"Everything" ist ein ergreifendes Meisterwerk. Ein in vielen Passagen überwältigendes Album, das persönliche Trauerarbeit in ein gleichermaßen verblüffend leichtfüßiges wie tiefste emotionale Tiefen ausleuchtendes musikalisches Format gießt, das sehr lange nachhallen wird. Es ist zu keinem Zeitpunkt überladen, durchgehend spannend und funktioniert am besten – und eigentlich ausschließlich – als Ganzes. Black Sea Dahu sind ein wunderbares Beispiel dafür, wie ernst man das Langformat heute nehmen kann respektive sollte. Dass ihre ohnehin schon bemerkenswerte Livepräsenz durch die neuen Stücke, die bei aller Trauer auch eine Liebeserklärung an das Leben sind, noch einmal eine neue Dimension erreichen dürfte, versteht sich von selbst.
Highlights
- Ants on the wall
- One day will be all I have
- Superpower
- My dreams
Tracklist
- Ants on the wall
- One day will be all I have
- The dragon
- Everything
- Blurry
- Superpower
- Ruth
- My dreams
- Not a man, not a woman
Gesamtspielzeit: 40:25 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
| User | Beitrag |
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swallow Postings: 18 Registriert seit 29.10.2020 |
2026-03-04 18:39:57 Uhr
@Kalle -- da kann ich Dir nur zustimmen...tolle Band und ein musikalischer Höchstgenuß |
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ThomZH Postings: 9 Registriert seit 21.02.2026 |
2026-03-04 17:32:06 Uhr
Riyal Vaden heisst in echt Royal Baden… |
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ThomZH Postings: 9 Registriert seit 21.02.2026 |
2026-03-04 17:30:52 Uhr
… ihr bestes Album….. konnte Everything noch nicht ausreichend hören, um eine Bewertung abzugeben - wenn es aber besser sein soll als das sensationelle „White Creatures“ wird das Album wohl in den Medaillen-Rängen der 2026er zu stehen kommen! Freue mich und suche noch ein Ticket fürs Riyal Vaden :-) |
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Spinnefink Postings: 1833 Registriert seit 25.05.2022 |
2026-03-04 16:53:29 Uhr
"Dann solltet ihre alle auf jeden Fall den Vorgänger "I am my mother" oder auch das Live-Album hören. Auf jeden Fall genau so gut! "Hab ich gemacht gestern, als ich nach dem Reinhören in Everything komplett hängengeblieben bin. Vinyl von allen drei Alben ist schon unterwegs. :) Live dann hoffentlich im Oktober in Osnabrück. |
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Kalle Postings: 512 Registriert seit 12.07.2019 |
2026-03-04 16:49:24 Uhr
Dann solltet ihre alle auf jeden Fall den Vorgänger "I am my mother" oder auch das Live-Album hören. Auf jeden Fall genau so gut! |
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Referenzen
Amour Sur Mars; Big Thief; Dekker; Julien Baker; Sun Kil Moon; Phoebe Bridgers; Charlie Cunningham; L'aupaire; Dillon; Faye Webster; Eleanor Friedberger; Low; Fil Bo Riva; Big Red Machine; Waxahatchee; Cat Power; Angel Olsen; Sharon Van Etten; Lucy Dacus; Steiner & Madlaina; Father John Misty; Sufjan Stevens; Okkervil River; Antony & The Johnsons; William Fitzsimmons; Lily Kershaw; Radical Face; The Slow Show; Songs:Ohia; Cassandra Jenkins; Sophie Hunger; Jens Carelius; Karo Lynn; BOY; Joanna Newsom; Courtney Barnett; Bright Eyes; Mount Eerie; Cari Cari; Mark Kozelek; Rufus Wainwright; Blaudzun; Get Well Soon; Smog; Bill Callahan; Bonnie 'Prince' Billy; Dota; Torres; Deerhunter; Grouper; Mighty Oaks; Devendra Banhart; Beirut; Sparklehorse; Lana Del Rey; Charlotte Brandi; The Antlers; The Low Anthem; Lambchob; Giant Rooks; Bon Iver; Grizzly Bear; Iron & Wine; Mighty Oaks; Faber
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