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Various Artists - Help (2)

Various Artists- Help (2)

War Child
VÖ: 06.03.2026

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Zweite Hilfe, erste Wahl

Als im September 1995 das erste "Help"-Album zugunsten der Wohltätigkeitsorganisation War Child innerhalb von nur 24 Stunden eingespielt wurde, war das mehr als nur eine beispiellose logistische Meisterleistung – es war eine herausragende Compilation und bleibt bis heute fiebriger Schnappschuss und spannendes Zeitzeugnis der britischen Musiklandschaft der Neunzigerjahre. Inmitten des Britpop-Hypes lieferte der Sampler mit "Lucky" den ersten Vorgeschmack auf den neuen Sound von Radiohead, die der Welt einige Zeit später das Jahrhundertalbum "OK computer" bescheren würde. Manic Street Preachers veröffentlichten mit einer wehmütigen Coverversion des Feel-Better-Klassikers "Raindrops keep fallin' on my head" ihren ersten Song nach dem Verschwinden von Texter und Gitarrist Richey Edwards. Bei einer entschleunigten Variante von "Fade away" sang Liam Gallagher tatsächlich die Background-Vocals für Noel, an Gitarre und Tamburin versuchten sich dabei Johnny Depp und Kate Moss – warum auch nicht. Einen weiteren All-Star-Exzess bildeten die Smokin' Mojo Filters um Paul McCartney, Paul Weller und Noel Gallagher mit dem für den Geist des Albums programmatischen Beatles-Song "Come together". 30 Jahre später hat die Welt leider nichts an Grausamkeit eingebüßt, was die Arbeit von War Child zur Unterstützung von Kindern in globalen Konfliktzonen dringlicher denn je macht. Und so kommt erneut eine beeindruckend illustre Auswahl von Acts für einen neuen Charity-Sampler zusammen.

Empathie ist zeitlos, doch ihr Soundtrack geht mit der Zeit: Wo das Original noch über weite Strecken ein britischer Boys Club war, profitiert "Help (2)" von deutlich mehr Diversität. Willkommene Konstante zum Vorgänger ist jedoch diese gelungene Mischung aus exklusiven neuen Songs, Coverversionen und spannenden Kollaborationen, die sich durch die stolze Anzahl von 23 Tracks zieht. Arctic Monkeys lüften mit "Opening night" den Vorhang. Alex Turner und Co. verharren in ihrem ersten Song nach vier Jahren Funkstille nicht im luxuriösen Stillstand von "The car", sondern verpassen ihrem zuletzt doch eher reservierten Sound ein energetisches Tuning, das mit seinen stürmischen Crescendos fast schon die Breitbeinigkeit von "AM" zurückerobert. Ähnlich dringlich agieren Pulp: "Begging for change" ist alles andere als mehr von "More", sondern offenbart deutlich mehr Lust auf Lärm. Mit verzerrter Gitarre und Punk-Attitüde ist der Song ein wilder Zwilling von "Must I evolve?" vom Nebenprojekt Jarv Is... Das Album-Highlight gelingt jedoch einer Formation um Damon Albarn mit "Flags". Als Dirigent einer Gemeinschaft führt er Grian Chatten und Kae Tempest durch ein Gospel-Meisterwerk, das durch einen Kinderchor und einen All-Star-Chor anderer Künstler veredelt wird. Es ist ein tiefgreifendes Plädoyer für Einheit, das Albarns durch Gorillaz hinlänglich bekanntes Talent als Organisator perfekt mit der Mission von War Child verzahnt. In diese theatralische Kerbe schlagen auch The Last Dinner Party, deren "Let's do it again!" zwischen Harfen-Poesie und Glam-Rock-Galopp oszilliert – ein glitzerndes Highlight, das auch auf ihrem aktuellen Album "From the pyre" eine zentrale Rolle gespielt hätte.

Doch nicht nur die Originale, auch die Coverversionen überzeugen nachhaltig. Depeche Modes und Beth Gibbons' Songs klingen genau so, wie man es erwarten würde – und das ist in diesem Fall ein Kompliment. Vor allem Depeche Modes Interpretation von Buffy Sainte-Maries Antikriegsballade "Universal soldier" entwickelt mit klirrender Industrial-Schärfe eine beklemmende Relevanz. Auch Fontaines D.C. treffen mit Sinéad O'Connors "Black boys on mopeds" den wütenden Kern der Vorlage, eine Verbeugung vor der Künstlerin, die bereits 1995 auf "Help" mit dabei war. Arooj Aftab lässt im Duett mit Beck "Lilac wine" von Jeff Buckley zeitlos elegant schweben und den emotionalen Schlusspunkt setzt Olivia Rodrigo: Ihre Version von "The book of love" fügt sich geschickt ein zwischen der Reduktion des Originals von The Magnetic Fields und dem orchestralen Bombast von Peter Gabriels Interpretation des Songs.

Ach, es gäbe tatsächlich noch so viel Gutes zu erwähnen: Das großartige "Sunday light" von Anna Calvi, Ellie Rowsell, Nilüfer Yanya & Dove Ellis evoziert mit viel Hall und magisch verträumten Harmonien wohlige Boygenius-Vibes. Wet Leg bannen ihren langjährigen Live-Showstopper "Obvious" endlich als sanfte Akustik-Ballade auf Platte, während Black Country, New Road mit wunderschönen Folk-Harmonien in "Strangers" für Erdung sorgen. Dass der Sampler auch rhythmisch atmet, beweisen Ezra Collective & Greentea Peng mit dem willkommenen Dub-Ausflug von "Helicopters". Und auch Oasis, die 1995 das originale "Help"-Album eröffneten, sind abseits der offiziellen Tracklist mit einer triumphalen Live-Version von "Acquiesce" aus dem vergangenen Sommer als Single-Zugabe zur Vinyl-Version wieder mit von der Partie. "Help (2)" ist nicht nur gut gemeint für den guten Zweck, sondern über diesen hinaus ein künstlerisch zwingendes und auch über die gesamte Laufzeit stimmiges Statement.

(Michael Albl)

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Highlights

  • Flags (Damon Albarn, Grian Chatten & Kae Tempest)
  • Let's do it again! (The Last Dinner Party)
  • Black boys on mopeds (Fontaines D.C.)
  • Begging for change (Pulp)
  • Sunday light (Anna Calvi, Ellie Rowsell, Nilüfer Yanya & Dove Ellis)

Tracklist

  1. Opening night (Arctic Monkeys)
  2. Flags (Damon Albarn, Grian Chatten & Kae Tempest)
  3. Strangers (Black Country, New Road)
  4. Let's do it again! (The Last Dinner Party)
  5. Sunday morning (Beth Gibbons)
  6. Lilac wine (Arooj Aftab & Beck)
  7. The 343 loop (King Krule)
  8. Universal soldier (Depeche Mode)
  9. Helicopters (Ezra Collective & Greentea Peng)
  10. Nothing I could hide (Arlo Parks)
  11. Parasite (English Teacher & Graham Coxon)
  12. Say yes (Beabadoobee)
  13. Relive, redie (Big Thief)
  14. Black boys on mopeds (Fontaines D.C.)
  15. Warning (Cameron Winter)
  16. Don't fight the young (Young Fathers)
  17. Begging for change (Pulp)
  18. Naboo (Sampha)
  19. Obvious (Wet Leg)
  20. When the war is finally done (Foals)
  21. Carried my girl (Bat For Lashes)
  22. Sunday light (Anna Calvi, Ellie Rowsell, Nilüfer Yanya & Dove Ellis)
  23. The book of love (Olivia Rodrigo)

Gesamtspielzeit: 86:23 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

octoberswimmer

Postings: 91

Registriert seit 20.01.2022

2026-03-03 23:09:02 Uhr
Auf der Heroes war aber auch wieder einiges gutes dabei.

octoberswimmer

Postings: 91

Registriert seit 20.01.2022

2026-03-03 23:07:22 Uhr
Aber immerhin ohne "Help" im Namen.

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 11195

Registriert seit 26.02.2016

2026-03-03 16:51:05 Uhr
Es gab ja noch weitere War-Child-Compilations, unter anderem "Heroes" von 2009.

octoberswimmer

Postings: 91

Registriert seit 20.01.2022

2026-03-03 16:38:41 Uhr
@novemberfliehen:

"Say yes" ist schön geworden. Nicht spektakulär, aber schön.


@KeesPopinga

Genau, die 2005-Version "Help: A day in the life" wird von War Child bei der Nummerierung irgendwie ausgeblendet.

embele09

Postings: 211

Registriert seit 06.11.2024

2026-03-03 07:19:41 Uhr
Vinyl schon vor Wochen vorbestellt. Sehr gute Rezension, die Vorfreude steigt.
Zum kompletten Thread

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