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Ansa Sauermann - Gehts noch

Ansa Sauermann- Gehts noch

AdP / Alive
VÖ: 27.02.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Aber hallo!

"Frühstück bis zehn" heißt ein Song auf dem neuen Album von Ansa Sauermann, in dem es – grob vereinfacht – um all das fest Regulierte geht, das einem oft genug die Luft zum freien Atmen nimmt. In einer Hinsicht unterwirft sich der gebürtige Dresdner allerdings selbst einer wohlgeordneten Verlässlichkeit: Hübsch alle drei Jahre liefert der Musiker ein neues Studiowerk ab, "Gehts noch" ist das vierte nach "Weiße Liebe", "Trümmerlotte" und "Du kriegst was Du brauchst". Damit ist es dann aber auch wieder gut mit etwaiger Regeltreue, denn wie schon auf dem Vorgänger schert sich André Sauermann, so sein bürgerlicher Name, zum Beispiel nicht allzu sehr um obligatorische Satzzeichen. Die titelgebende Frage ohne Fragezeichen sei derweil vorab beantwortet: Sehr wohl geht das, was er hier an frischen Songs vorlegt.

Aufgrund seines bisherigen Œuvres hat man Ansa Sauermann im musikalischen Koordinatensystem mal etwas mehr und mal etwas weniger in einer Schublade untergebracht, in der sich beispielsweise auch Element Of Crime mit ihrem Schaffen eingerichtet haben. Ein wenig Chanson, ein paar klug platzierte Bläser, dazu seine charakteristische Stimme – das ergab zuletzt eine vortreffliche Mixtur, gepaart mit häufig klugen Texten fernab des Kalauer- und Reim-Irrsinns manch anderer Acts. Wenn sich nun aber "Wahre Liebe" als Opener des Albums dazu aufschwingt, die Aufmerksamkeit auf seinen neuesten Streich zu lenken, kommt man durchaus kurz ins Stutzen. Denn das offenkundige Motto nicht nur dieses Titels, wie sich in der Folge zeigen soll, könnte sein: Let there be more rock (and pop)! Sauermann greift entschlossen zur E-Gitarre und wählt einen direkteren, roheren Weg als beispielsweise auf dem 2023er Album "Du kriegst was Du brauchst".

Zugegeben: Der Genuss dieser nicht ganz 40 Minuten an frischer Musik kann durchaus anfängliche Irritationen auslösen. Doch je häufiger man die neuen Stücke hört, desto mehr erschließt sich alles Note für Note. "Tausend Dank & lass' Dich gehen" beispielsweise überzeugt als vorwärts treibender Song, "Schlaf gut" unterhält dank feiner Tempowechsel und dürfte live für einiges an Bewegung vor (und auf) der Bühne sorgen. Später klingt "Frühstück bis zehn" wieder mehr nach dem Sauermann, den viele gewohnt sind, "Junge dumme Hunde" lässt die Begleitband gar ein wenig eskalieren. "Ich glaub nicht mehr daran" drückt auf die Bremse, gleichzeitig türmt sich eine feine Gitarrenwand auf. Mangelnde Abwechslung darf man ihm angesichts der stilistischen Vielfalt jedenfalls nicht nachsagen.

Inhaltlich richtet der Singer-Songwriter seinen Blick unterdessen zwischenzeitlich zwar auch nach innen, explizit widmet er sich aber immer wieder der Gesellschaft, die sich seit geraumer Zeit in eine in vielerlei Hinsicht rätselhafte Richtung entwickelt. Sauermann singt über die eskalierende Debattenkultur, in der Lautstärke und Extreme den Ton angeben. Oder er betrachtet im dezidiert rockigen "Tim Telegram" all jene, die es sich in ihrer Filterblase eingerichtet haben und glauben, die Weisheit nur vom Bildschirm ablesen und weiterverbreiten zu müssen: "Nichts hält so lebendig wie die Wut." Eingebettet ist dieser Titel in gleich zwei Songs, die er mit seiner Ehefrau Madlaina Pollina eingespielt hat: "Schlüssel zur Stadt" und "Liebeslieder (Wir brauchen keine)". Insbesondere der erstgenannte gehört zu den Höhepunkten eines Albums, das keine Neuerfindung Sauermanns liefert, sehr wohl aber eine erfrischende Note darstellt. Ein Fragezeichen mag fehlen, ein Ausrufezeichen ist ihm einmal mehr gelungen.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • Tausend Dank & lass' Dich gehen
  • Frühstück bis Zehn
  • Schlüssel zur Stadt (feat. Madlaina Pollina)
  • Tim Telegram

Tracklist

  1. Wahre Liebe
  2. Tausend Dank & lass' Dich gehen
  3. Schlaf gut
  4. Frühstück bis zehn
  5. Untergehen
  6. Es tut mir leid
  7. Junge dumme Hunde
  8. Ich glaub nicht mehr daran
  9. Schlüssel zur Stadt (feat. Madlaina Pollina)
  10. Tim Telegram
  11. Liebeslieder (Wir brauchen keine) (feat. Madlaina Pollina)

Gesamtspielzeit: 39:34 min.

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User Beitrag

musie

Postings: 4234

Registriert seit 14.06.2013

2026-03-04 08:22:06 Uhr
leider nicht 1a in meinen Ohren...

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30146

Registriert seit 08.01.2012

2026-03-02 20:38:51 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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