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H-BlockX - FILLIN_THE_BLANK

H-BlockX- FILLIN_THE_BLANK

Solitary Man / Warner
VÖ: 06.03.2026

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Die wollen das so

Wir schreiben das Jahr 1996. Der Rezensent ist gerade 11 Jahre alt, hat einen CD-Player zum Geburtstag geschenkt bekommen und hört nun alles, was in der örtlichen Stadtbibliothek zu kriegen ist. Neben so wichtigen Künstlern wie Scooter und Scatman John landet irgendwann auch "Discover my soul", das zweite Album der H-BlockX, im Jutebeutel. Und plötzlich tun sich neue Welten auf. Ein Kulturschock im besten Sinne und ein wichtiger Schritt in der persönlichen musikalischen Sozialisation. Seitdem sind 30 Jahre vergangen. Der Rezensent hört immer noch gerne Scooter, Scatman John ist leider längst verstorben. Und die H-BlockX? Die gibt es immer noch. "FILLIN_THE_BLANK" heißt ihr neues Werk und es klingt genau so, wie der Titel befürchten lässt.

Nun ist es freilich nicht verwerflich, dem eigenen Sound treu zu bleiben. Überhaupt wirken die Herren glaubwürdig motiviert. Dass sie beim Einspielen des Albums Bock hatten, ist dem Resultat durchaus anzumerken. Aber es klingt halt wie es klingt. Hängengebliebener, stumpfer Crossover-Rock mit "90s_boombap_04.wav"-Presetbeats, erschütternd dämlichen Texten und jeder Menge Mucker- und Mackertum. "Corns about 2 pop" – ja, das Lied heißt wirklich so – liefert so etwas wie die Blaupause: In der ersten Hälfte shoutet Wehland Nichtigkeiten, während die Band richtig derbe abrockt, danach darf der Gitarrist noch zwei Minuten lang die Bünde polieren, was ungute Assoziationen zur örtlichen Bierzeltkapelle heraufbeschwört. Aber die wollen das so. Und genau deshalb ist es auch so schlimm.

Es gibt durchaus kleine Lichtblicke wie "Last summer", eine solide Hymne, die auf Konzerten für gute Stimmung sorgen dürfte, und mit Abstrichen noch "Me and my horse", eine Art Chili-Peppers-Pastiche mit Sprechchören und flinken Bassläufen. Aber selbst diese Songs sind allenfalls erträglich. Will man sich ein repräsentatives Bild verschaffen, muss man "Licky licky" aushalten. In knapp drei Minuten zeigen die Münsteraner, dass sie auch jenseits der 50 noch ausgezeichnet Niveaulimbo tanzen können. Und nein, das hat nichts mit Spaß zu tun, sondern ist mindestens peinlich, wahrscheinlich aber vielmehr ein Offenbarungseid. "Timeless" ist hier überhaupt nichts. Selbst Fred Durst hat mittlerweile die Ironie für sich entdeckt, währenddessen kopieren die H-BlockX in "Beg to differ (Bully)" Sounds, die schon auf Limp Bizkits "Significant other" angestaubt klangen.

Aber halt. Vielleicht ist das alles gar nicht so schlimm. Vielleicht muss man diese Band einfach hinnehmen, so wie Papierstau. Aber will man das? Ist Papierstau ein bereicherndes Element für das eigene Leben? Die Antwort liefert Henning Wehland, von Beruf Lyriker: "Take a minute and we get back to the mayhem / Supersonic like a space jam / Back on it like a face plant / Head first, Hail Mary, amen". Ein Bild entsteht vor dem inneren Auge. Wehland, zufrieden nickend vor dem vollgekritzelten Notizbuch, stolz auf sein Werk. Irgendwo im Hintergrund lädt der Produzent gerade neue Presetbeats herunter, während der Schlagzeuger zufrieden vor sich hin rülpst. Man muss sich die H-BlockX als glückliche Menschen vorstellen.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Last summer

Tracklist

  1. Straight outta nowhere
  2. Lights out
  3. Beg to differ (Bully)
  4. Desperado
  5. Corns about 2 pop
  6. Me and my horse
  7. What the funk
  8. Last summer
  9. Come clean
  10. Licky licky
  11. Timeless

Gesamtspielzeit: 32:40 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

andygoestohollywood

Postings: 759

Registriert seit 27.11.2023

2026-03-05 20:52:24 Uhr
Kann es einen authentischeren Künstler wie Henning Wehland geben, vielleicht sollte er Silbereisen ablösen. Von H-Blockszsz zu den sanften Söhnen und zurück mit dem großen Ziel des Bürgermeisters von Münster. Dat "Risin High" fand ich ja schon vor 30 Jahren mies.

Enrico Palazzo

Postings: 8334

Registriert seit 22.08.2019

2026-03-03 07:46:28 Uhr
Blöde Autokorrektur: viel.

Vive

Postings: 1386

Registriert seit 26.11.2019

2026-03-03 06:56:32 Uhr
ja gut aber 3 punkte is halt schon bisschen übertrieben wenig.

Toni

Postings: 4

Registriert seit 06.11.2024

2026-03-02 22:54:12 Uhr
Hey, das wollte ich gerade schreiben!

Wirklich eine tolle Rezi. Gut gemacht!

doept

Postings: 883

Registriert seit 09.12.2018

2026-03-02 21:28:52 Uhr
"Ein Bild entsteht vor dem inneren Auge. Wehland, zufrieden nickend vor dem vollgekritzelten Notizbuch, stolz auf sein Werk. Irgendwo im Hintergrund lädt der Produzent gerade neue Presetbeats herunter, während der Schlagzeuger zufrieden vor sich hin rülpst. Man muss sich die H-BlockX als glückliche Menschen vorstellen."

Frühe Bewerbung für die Rezension des Jahres, Christopher! Chapeau!
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