Hater - Mosquito
Fire / Cargo
VÖ: 06.03.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
The blood is love
"Mosquito" sei kein typisches Album über die Liebe, erklärt die schwedische Band Hater. Nun hat das größte der menschlichen Gefühle im Laufe der Kulturgeschichte so unendlich viele künstlerische Kanalisationen erfahren, dass die Einordnung, was genau "typisch" ist, ohnehin schwerfällt. Klar ist: Der irreführend benannte Vierer – weniger Hass erzeugende Musik ist kaum vorstellbar – legt keine neuen, radikalen Zugänge offen, muss das aber auch nicht. Mit Alvvays wurden Hater früher verglichen, mittlerweile spielen sie einen unaufgeregteren, melancholischeren Dream-Pop-Rock, der eher an Bands wie The Cardigans erinnert. Ihre Songs sprechen eine universale Sprache, bewegen sich ganz nah am Herzen und haben die Kraft, kurzzeitig einen beruhigenden Filter über die ganze Umgebung zu legen. Dieser "Mosquito" saugt nichts auf außer Stress und schlechte Laune.
Das Soundbild ist dabei klarer und nackter als zuvor, was schon die auf dem Cover offengelegte Kehle nahelegt. Die noch auf "Siesta" präsenten Saxofon- und Synth-Akzente sind verschwunden, stattdessen fokussiert sich die Band ganz puristisch auf Gitarren, Bass und Schlagzeug. Der Opener "Landslide" erzeugt im Zusammenspiel gleich einen unheimlichen Sog und lässt im wortlosen Finale die Saiten psychedelisch ausfransen. Gerade zu Beginn ihres vierten Albums fahren Hater öfter solche Instrumentalparts auf, welche die Stimmung des restlichen Songs wie in einer Echokammer verstärken. Das scharfkantiger nach vorne rumpelnde "This guy?" kombiniert am Ende post-punkigen Bass mit einem leichten Noise-Einschlag. "Stung again" nutzt die Instrumentalpassage wiederum wie eine Startrampe, um sich zur kleinen Britpop-Hymne aufzuschwingen. Das akustisch dominierte "Angel cupid" gönnt sich ausnahmsweise doch ein Piano, gibt sich sonst aber ganz mit seiner Bodenhaftung zufrieden.
Das größte Highlight der Platte bildet das Titelstück. Zu langsamen Jangle-Gitarren begegnet Sängerin Caroline Landahl einem Beziehungsende zweifelnd mit Zeilen wie "I didn't know when it went bad" – doch im Refrain explodieren alle Dämme, "It's fine / You'll go", wird zum kathartisch rausgeschrienen Mantra. Diese Hook gehört zu den wenigen klar vernehmbaren Worten eines Albums, das in bester Shoegaze-Manier Landahls undeutlichen Gesang meistens hinter den Instrumenten versteckt. Da muss das Akustikballädchen "Sad eyes" schon den Strom abzapfen, um zumindest eine Phrase wie "close to ghosts" hörbar zu machen, die unwillentlich den Aggregatzustand von Landahls Stimme pointiert. Doch die von Hater vermittelten Emotionen lassen sich auch ohne Worte verstehen, und oft trägt die Vagheit ihre eigene Faszination. So etwa in "Stinger", das mit Drones, gedoppeltem Gesang und feierlichen Drums leichte The-Raveonettes-Vibes ausstrahlt.
Ebenso überraschend schneidet das beinahe grungige Intro von "Still thinking of you" in den Albumfluss, ehe der wundervolle Refrain die Vorhänge aufreißt. Auch hinter einem brutal wirkenden Songtitel wie "Guts" verbirgt sich kein Metal-Ausbruch, sondern perlender Wohlklang, unter dem Landahl immer wieder "Don't worry, baby" beteuert. "Last summer I'll spill" verabschiedet "Mosquito" schließlich ohne großen Knall, was sinnbildlich für das ganze Album steht. Auch nach zehnjährigem Bandbestehen haben Hater nichts von ihrem schüchternen Charme verloren, ihre unscheinbare, aber mühelos schöne Musik nimmt den Raum ein, ohne sich von selbst ins Rampenlicht zu drängen. Bei so vielen ärgerlichen Belanglosigkeiten, welche die Masse an Werken über die Liebe dominieren, ist es nicht die schlechteste Idee, um all die zwischenmenschlichen Irrungen und Wirrungen einfach nicht das größte Gewese zu machen.
Highlights
- Landslide
- This guy?
- Mosquito
- Still thinking of you
Tracklist
- Landslide
- Angel cupid
- This guy?
- Stung again
- Mosquito
- Brighter
- Guts
- Still thinking of you
- Stinger
- Sad eyes
- Last summer I'll spill
Gesamtspielzeit: 40:19 min.
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MickHead Postings: 10079 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-03-06 11:45:09 Uhr
Jetzt komplett bei Bandcamp:https://hatermalmo.bandcamp.com/album/mosquito Gaesteliste.de: Platte der Woche https://gaesteliste.de/2026/03/05/review/hater-mosquito/ |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30202 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-03-02 20:38:06 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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MickHead Postings: 10079 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-02-12 23:00:04 Uhr
3. Song "Stinger"https://youtu.be/-csdBqoV0yk?si=BlSwQfknSdzPMIZN 4. Song "Stung Again" https://youtu.be/sU_uiHpFwE0?si=d0MaiMY6SOl2oPfx |
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MickHead Postings: 10079 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-01-15 16:15:45 Uhr
2. Song "Angel Cupid"https://youtu.be/de4d35kCU8U?si=VXa9t8V5l85Uq51L |
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MickHead Postings: 10079 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-11-19 20:09:55 Uhr
Die schwedische Indie-Pop Band "Hater" aus Malmö, kündigt für den 06.03. das 4. Studioalbum "Mosquito" an. Es folgt auf "Sincere" von 2022.Die skandinavische Indie-Pop-Band Hater beendet nach dreijähriger Pause ihre beeindruckende dritte Albumpause mit der Veröffentlichung von „Mosquito“, einem faszinierenden Dream-Pop-Drama in elf packenden Episoden der Selbstreflexion. Auf „Mosquito“ präsentiert sich die Band aus Malmö wie neugeboren – sie greifen ihren bekannten, rohen Indie-Pop-Stil wieder auf, präsentieren ihn aber mit einem direkteren und ausgefeilteren Songwriting. Ihre Shoegaze-Wurzeln haben sie zu etwas Schärferem, Melodischerem und Tiefgründigerem verfeinert. „Mosquito“ ist voller Geschichten, in denen mythische Elemente (Vampire, Amor, Mücken) von der sehnsuchtsvollen Sehnsucht nach wahrer Liebe untermalt werden. Doch dies ist kein typisches Liebesalbum, wie die Band betont. Angel Cupid“ entfaltet sich in Zeitlupe, eine wunderschön kontrollierte Tirade gegen fade Liebeslieder, wenn man selbst von dieser Emotion ausgeschlossen ist. Die rätselhafte Leadsingle „This Guy?“ ist ein Mysterium für sich: die Geschichte eines seltsam verwirrten Eindringlings, unidentifiziert und unergründlich – und die Band selbst nennt sie „ein stilles, verwirrendes Lied“. In einer hallenden Höhle gotischer Fremdartigkeit dringen „Stingers“ eindringliche Drums und Carolines Texte in die Gedankenwelt eines verliebten Übernatürlichen ein. Eine emotionale Achterbahnfahrt, egal wie man sie nennt: „Mosquito“ ist übervoll mit halb erinnerten gebrochenen Herzen und gebrochenen Versprechen, voller Qual und Kribbeln, aber auch durchzogen von Hoffnungen und Träumen auf zukünftige Lösungen. Erster Song "This Guy?" https://youtu.be/_7lJ4wjTZcs?si=QZt70rn4TWikbH5L "Mosquito" bei Bandcamp: https://hatermalmo.bandcamp.com/album/mosquito "Sincere" (2022) bei Bandcamp: https://hatermalmo.bandcamp.com/album/sincere |
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Referenzen
The Cardigans; Great Grandpa; Stars; Alvvays; The Shh; Allmaginary Cities; Oh Napoleon; Boys; Slowdive; The Concretes; Saturday Looks Good To Me; The Pains Of Being Pure At Heart; Soak; The Raveonettes; Howling Bells; Squirrel Flower; Tegan And Sara; Feist; Beach House; The Shins; Nada Surf; Belle & Sebastian; Hazel English; Best Coast; Bully; Stef Chura; Chastity Belt; Veronica Falls; Frankie Rose; Dum Dum Girls; Speedy Ortiz; Palehound; Vivian Girls; Makthaverskan; The Smiths
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