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Danny L Harle - Cerulean

Danny L Harle- Cerulean

XL / Beggars / Indigo
VÖ: 13.02.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Tellergroß

Danny L Harle ist in erster Linie Produzent, so war er unter anderem für Caroline Polacheks Meisterwerk "Desire, I want to turn into you" hinter den Reglern tätig. Doch der Brite verfolgt auch eigene musikalische Interessen. Schon auf "Harlecore" gelang es ihm, seinen eigenen Sound präzise zu definieren: Harle mag und macht Eurotrance. Ob man zu seiner Musik Zugang findet, hängt also primär davon ab, ob man mit dem Genre etwas anfangen kann. Wer bei der Erwähnung von Acts wie Solarstone oder Cascada keine Schreikrämpfe bekommt, darf weiterlesen. Harles zweites Album "Cerulean" macht konsequent dort weiter, wo "Harlecore" aufgehört hat. Ein weiteres Mal räubert sich der Brite durch alles, was um das Jahr 2000 herum die Clubs zum Kochen brachte, und kombiniert es mit modernem Hyperpop. Das Resultat ist vielleicht kein Album für die Ewigkeit, aber perfekt für den Moment.

Nach einem kurzen Intro gibt "Starlight" die Marschrichtung vor. Ein hyperaktives Stück Verfolgungswahn, das klingt, als hätte jemand Charlie Lownoise & Mental Theo mit Sophie gekreuzt. PinkPantheress steuert ein paar unsubtil verfremdete Verse bei, während der Track durch die Tonarten springt. Zugänglich ist was anderes, aber die Aufmerksamkeitsspannen werden auch, oh, ein Schmetterling! Im Ernst: Harle macht keinen Hehl aus seinen Einflüssen, man merkt jeder Sekunde des Albums an, wie viel Liebe zum Detail in den Arrangements steckt. Die Musik wirkt gebündelt, auf einen einzigen Zweck hin ausgerichtet. Dass Harle bisweilen ein wenig übers Ziel hinausschießt? Geschenkt. Es ist schlicht schön, dass es noch Musik gibt, die die Rave-Fahne hochhält, ohne dabei stumpfe Nostalgie zu verbreiten.

Deshalb ist beispielsweise "Raft in the sea", welches mit Julia Michaels entstand, auch so toll. Michaels zurückhaltender Gesang passt perfekt zur pumpenden musikalischen Begleitung, die stellenweise sogar ein wenig an RMB erinnert. Und RMB sind, muss man wissen, die Größten. In "Island (Da da da)" packt Harle hingegen die wahren Kaliber aus: French House trifft auf ATB-Sägezahn, irgendwo dazwischen wird eine Frauenstimme per Pitch Shift ins dritte Stockwerk befördert. Falls der Nachwuchs noch nach musikalischer Untermalung für Teller-TikToks sucht, bitte hier abbiegen.

Caroline Polachek veredelt mit ihrer unverwechselbaren Stimme gleich zwei Tracks. "Azimuth" gerät dabei wunderschön, das kristallklare Organ der Sängerin fügt sich ideal in Harles schimmernde Soundscapes ein. Auch "On & on" weiß zu gefallen. Ein an Orbital erinnerndes Motiv trägt den Song, während Polachek das Wörterbuch im Schrank lässt und den Großteil der Zeit damit verbringt, "Da da da" zu singen. Dass das Ergebnis nicht seicht, sondern überwältigend klingt, liegt vor allem an der famosen Steigerung im Schlusspart. Der Himmel ist am Ende doch näher, als man denkt. Vielleicht passt auch deshalb Dua Lipas verpeilter Singsang so hervorragend zu "Two hearts", einer fies wummernden Hymne über die Endlichkeit der Liebe im Angesicht der Unnüchternheit. Anders ist die Welt ohnehin nicht zu ertragen.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Azimuth (feat. Caroline Polachek)
  • Raft in the sea (feat. Julia Michaels)
  • Two hearts (feat. Dua Lipa)
  • On & on (feat. Caroline Polachek)

Tracklist

  1. Noctilucence
  2. Starlight (feat. PinkPantheress)
  3. Azimuth (feat. Caroline Polachek)
  4. Facing away (feat. Clairo)
  5. Raft in the sea (feat. Julia Michaels)
  6. Island (Da da da)
  7. Te re re (feat. Kacha)
  8. Laa
  9. O now am I truly lost
  10. Two hearts (feat. Dua Lipa)
  11. Crystallise my tears (feat. Oklou & MNEK)
  12. On & on (feat. Caroline Polachek
  13. Teardrop in the ocean

Gesamtspielzeit: 42:32 min.

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User Beitrag

Chris_89

Postings: 1

Registriert seit 04.03.2026

2026-03-04 11:51:21 Uhr
Sehr schöne Kritik, vielen Dank!
Den Vergleich mit RMB find ich besonders passend, das Finale von "On & On" kann nur von deren Meisterwerk "Shadows" inspiriert sein.
Alles in allem ein großartiges Album mit vielen Referenzen, die zwar lustig zu entdecken sind, aber nicht die Show stehlen.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30202

Registriert seit 08.01.2012

2026-03-02 20:37:48 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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