Cast - Yeah yeah yeah
Scruff Of The Neck / Indigo
VÖ: 30.01.2026
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
Erbe gut, alles gut
Cast rockten 2025 vor über eineinhalb Millionen Menschen. Ausverkaufte Stadien, ekstatische Chöre, absolute Euphorie. Na gut, die Leute waren nicht wirklich wegen John Power und seinen Mannen gekommen, sondern wegen der Wiedervereinigung einer gewissen Band namens Oasis, bei deren Reunion-Tournee die Liverpooler den prestigeträchtigen Slot als erster Anheizer besetzten. Während die versöhnten Gallaghers ihre alten Fehden gegen warme Nostalgie sowie dicke Schecks eintauschten und Richard Ashcroft im Vorprogramm einmal mehr als Gralshüter seines Erbes fungierte, schienen Cast aus dem Momentum heraus neue Energie zu sammeln. So wagten sie es anders als die Acts nach ihnen sogar ganz verstohlen, einen brandneuen Song zu spielen, der es jetzt auch auf dieses Album geschafft hat. Sowieso ist Casts Bandhistorie nicht eben arm an Stehaufmännchen-Momenten. Aus den Scherben der legendären The La's entstanden, surften Power und Kollegen in den Neunzigern ganz oben auf der Britpop-Welle, bevor die Nullerjahre fast zur totalen Funkstille führten. Erst nach langer Pause folgten weitere Studioalben in größeren Abständen, doch nun scheint der Motor wieder unter Volldampf zu stehen: Nur zwei Jahre nach "Love is the call" folgt "Yeah yeah yeah".
Wenn eine Band aus Liverpool ihr zehntes Werk so tauft, kann das 2026 entweder eine gewisse Anbiederung an die glorreichen Vorfahren aus den Sechzigern und deren Wiedergänger aus den Neunzigern sein – oder eben ein entspannter, augenzwinkernder Umgang mit dem musikalischen Erbe. "Yeah yeah yeah" ist tatsächlich ein bisschen was von beidem geworden: Hinter jeder Ecke lauern Riffs, Melodien, Phrasierungen und Textzeilen, die einem so oder sehr ähnlich schon einmal begegnet sind. Allerdings tut dies dem Vergnügen kaum einen Abbruch.
Das liegt auch an Produzent Youth, der den Songs ein mächtiges Gewand geschneidert hat. Der sehr starke Opener "Poison vine" ist ein stampfend cooles, mitreißendes Soul-Rock-Duett mit der legendären P.P. Arnold. "Don't look away" reaktiviert den Jangle der klassischen Cast-Alben aus den Neunzigern, während "Calling out your name" dank fettem Sound und Gospel-Outro gerade noch die Kurve kriegt. Zeilen wie "Never let them tell you how to live your life / Never let them tell you what is wrong or right" würden aber selbst in der Noel-Gallagher-Texterschule für Gebrauchslyrik und Halbreime rot angestrichen werden. Doch Cast fangen sich: Das düstere, leicht psychedelische "Say something new" setzt neue Akzente und im funky Bluesrock von "The way it's gotta be (Oh yeah)" darf Gitarrist Liam Tyson glänzen.
Für das erdige "Devil and the deep" setzt Power den Cowboyhut auf und der ruhige Heartland-Einschlag steht seiner gereiften Stimme sehr gut. Als Kontrast ist "Weight of the world" mit viel Hall auf den Gitarrenspuren der wohl lauteste Moment des Albums – Youths Grüße gehen raus an Oasis' "Be here now". Und auch bei den letzten beiden Songs drängen sich Querverweise auf: Allein im hymnischen "Teardrops" lassen sich ein Dutzend Referenzen aus der britischen Musikgeschichte finden, wenn man möchte. Alternativ kann man sich von dem Song jedoch auch einfach verzaubern lassen und beim Refrain die Arme gen Himmel reißen. Den Schlusspunkt setzt "Birds heading south", das nicht nur ungeniert die Akkorde des eigenen Gassenhauers "Walkaway" recycelt, sondern auch noch den Glam-Ära-Bowie sowie eine ordentliche Portion vom "Pure"-Vibe von The Lightning Seeds in den Liverpooler Hafen schifft. Wer nicht zwangsläufig nach musikalischer Revolution sucht, sondern sich von charmanten Variationen althergebrachter Ideen aus dem Erbe der britischen Schule begeistern lassen kann, wird sich Casts "Yeah yeah yeah" unbedingt anschließen.
Highlights
- Poison vine
- Devil and the deep
- Teardrops
Tracklist
- Poison vine
- Don't look away
- Calling out your name
- Free love
- Say something new
- The way it's gotta be (Oh yeah)
- Devil and the deep
- Weight of the world
- Teardrops
- Birds heading south
Gesamtspielzeit: 42:59 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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BunteKuh Postings: 570 Registriert seit 17.07.2022 |
2026-03-06 12:32:57 Uhr
Einmal gehört....Also eigentlich ein gutes Album. Allerdings heben sich die Songs etwas wenig von einander ab. Immer irgendwie die gleiche Grundstimmung |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30202 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-03-02 20:36:19 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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MickHead Postings: 10079 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-02-06 18:57:21 Uhr
Ganz aktuell:UK Albums Chart # 8 UK Physical Albums Chart # 3 UK Update Albums Chart # 4 UK Albums Sales Chart # 3 UK Vinyl Albums Chart # 4 UK Albums Downloads Chart # 3 UK Independent Albums Chart # 3 UK Record Store Chart # 2 Scottish Albums Chart # 2 Hätten mal eine Rezension verdient! |
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MickHead Postings: 10079 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-01-30 09:02:35 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_l23HgJhA_UejyAAMtMhIaFqKFbJ6iHn78&si=QbZg2XktHS49Yge5 |
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MickHead Postings: 10079 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-01-26 17:13:34 Uhr
CLASH 7/10https://www.clashmusic.com/reviews/cast-yeah-yeah-yeah/ |
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Referenzen
The La's; Oasis; The Beatles; Ocean Colour Scene; The Bluetones; Supergrass; The Stone Roses; The Who; Paul Weller; The Jam; The Verve; Kula Shaker; The Coral; Shed Seven; Travis; Stereophonics; Liam Gallagher; Noel Gallagher's High Flying Birds; The Small Faces; The Byrds; Miles Kane; Jake Bugg; Embrace; Starsailor; Ash



