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Daniel Blumberg - The testament of Ann Lee (Original motion picture soundtrack)

Daniel Blumberg- The testament of Ann Lee (Original motion picture soundtrack)

Mute / PIAS / Milan
VÖ: 16.01.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Wahn und Sinn

Zufällig heute Großreinemach-Tag gehabt? Dann stehen die Chancen gut, dass dabei mit Waschmaschine und Wäscheklammern gleich zwei der vielen Erfindungen zum Einsatz kamen, die auf das Konto der Shaker gehen. (Dass nicht jeder Normalsterbliche eine ebenfalls von Angehörigen jener evangelischen Freikirche ersonnene Kreiselegge oder Kreissäge zu Hause hat, setzen wir jetzt einfach mal voraus.) Gegründet wurden die Shaker, die sich unter anderem durch hohe Arbeitsethik, sexuelle Enthaltsamkeit und den Verzicht auf Besitz auszeichneten, im 18. Jahrhundert von der gottesfürchtigen Britin Ann Lee – diese siedelte samt Glaubensgenoss*innen 1774 ins religiös liberalere Amerika über, wo sie mit nur 48 Jahren auch starb. Mona Fastvolds Film "The testament of Ann Lee" erzählt ihre Geschichte – mit pastoraler Wucht und nicht weniger eindrücklicher Musik.

Federführend beim Soundtrack: Daniel Blumberg, der schon für das von Fastvold mitverantwortete Auswanderer-Drama "Der Brutalist" einen Filmmusik-Oscar einheimste und 2023 mit "Gut" eine erschreckend intensive klangliche Inszenierung körperlicher Fehlfunktionen hinlegte. Und davon, dass der Engländer einst bei den launigen Rumpelkapellen Yuck und Cajun Dance Party herkömmlichen Indie-Rock spielte, hört man auch auf "The testament of Ann Lee" kein bisschen. Stattdessen bestreitet Blumberg diese 77 Minuten einerseits mit bedrohlich klaustrophobischen Sound-Installationen – die freilich eher als Score denn als eigenständige Musikstücke funktionieren –, andererseits mit von Shaker-Gesängen inspirierten, jenseitigen Torch-Songs, bei denen nicht selten das ganze Ensemble die Stimme erhebt. Allen voran Hauptdarstellerin Amanda Seyfried.

Die kann eigenen Angaben zufolge zwar nicht wirklich singen, wirft sich aber mit Verve und Leidenschaft in jeden Song, der meist qualvolle Stationen von Ann Lees Lebensweg nachzeichnet: die Beerdigungen von gleich vier bald nach der Geburt vorstorbenen Kindern im so gottergebenen wie traumhaften "Beautiful treasures", Einkerkerung und Hungerstreik im gravitätisch schleppenden Choral "I never did believe" oder das Bekenntnis zum zölibatären Dasein in der glanzvollen Ballade "Hunger and thirst". Aber auch Seyfrieds Schauspielkolleg*innen haben etwas zu sagen respektive zu singen – neben der kompletten Besetzung auch Filmbruder Lewis Pullman. Etwa in "Bow down o Zion", wo sich bildgewaltig zuhackende Klavierakkorde, mehrstimmiges Vocal-Arrangement und eine zornige Gitarre in einen buchstäblich religiösen Wahn hineinsteigern. Fantastisch.

Doch so reizend all die tief empfundenen Klagelieder auch sein mögen: Blumberg spürt auch immer wieder der gepeinigten Seele und dem geschundenen Körper der Hauptfigur nach, statt sein Ensemble lediglich konventionelle Moritaten und hypnotische Glossolalien herunterbeten zu lassen. Stücke wie das von der schottischen Jazz-Sängerin Maggie Nicols im orgiastischen Stil von Aphrodite's Childs "∞" intonierte "Wardleys" oder das großanlegte, zu höllischer Kakophonie anschwellende "Shattuck" machen Verzweiflung über den Sinn des Lebens, innere Kämpfe und das aussichtlose Zwiegespräch mit einem Gott greifbar, der auch seinen treuesten Diener*innen im Diesseits nichts erspart. Großes Schmerzkino in Bild und Ton – weniger sollte man weder von Blumbergs ausladenden Kompositionen noch von Fastvolds spektakulärem Film erwarten.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Beautiful treasures (feat. Amanda Seyfried)
  • I never did believe (feat. Amanda Seyfried, Lewis Pullman, Scott Handy & Matthew Beard)
  • Hunger and thirst (feat. Amanda Seyfried)
  • Bow down o Zion (feat. Lewis Pullman)
  • Shattuck

Tracklist

  1. The testament of Ann Lee (feat. Thomasin Mckenzie)
  2. Manchester
  3. Hero prayer one
  4. Walk to infirmary
  5. Infirmary
  6. Walk to Wardleys
  7. Wardleys (feat. Maggie Nicols)
  8. Worship (feat. The testament of Ann Lee cast)
  9. Sex celeste
  10. Beautiful treasures (feat. Amanda Seyfried)
  11. Search for Ann
  12. I never did believe (feat. Amanda Seyfried, Lewis Pullman, Scott Handy & Matthew Beard)
  13. Hunger and thirst (feat. Amanda Seyfried)
  14. Ship
  15. Lower deck
  16. Today today (feat. Viola Prettebohm & Jamie Bogyo)
  17. Storm
  18. All is summer (feat. Amanda Seyfried & The testament of Ann Lee cast)
  19. Magical boat ride
  20. John's running song (feat. David Cale & Lewis Pullman)
  21. Whores
  22. Niskayuna
  23. The eclipse
  24. Bow down o Zion (feat. Lewis Pullman)
  25. Building & griowing
  26. William walking
  27. I love mother (Pretty mother's home) (feat. The testament of Ann Lee cast)
  28. Arrest
  29. Stone prison (feat. Amanda Seyfried)
  30. Shattuck
  31. Down to the deep (feat. Amanda Seyfried)
  32. Beautiful treasures funeral (feat. The testament of Ann Lee cast)
  33. Clothed by the sun (feat. Amanda Seyfried)

Gesamtspielzeit: 77:32 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

The Libertine

Postings: 361

Registriert seit 29.08.2022

2026-03-04 12:13:53 Uhr
Großartiger Soundtrack.

"Clothed by the sun" nicht bei den Highlights? Für mich ein herausragendes Stück.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30202

Registriert seit 08.01.2012

2026-03-02 20:35:51 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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