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Willow - Petal rock black

Willow- Petal rock black

Three Six Zero
VÖ: 17.02.2026

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Syncoping mechanism

Ein signifikanter Teil von Willow Smiths Künstlerinnen-Persona liegt seit jeher in Abgrenzung und Nonkonformität begründet. Dass sich die jüngste Erbin des Smith-Imperiums schließlich vollends von der Hollywood-Verwertungsmaschinerie loslösen wollte, ist deutlich geworden, seit sie vom Gen-Z-tauglichen Pop-Punk- und Alternative-Revival in Richtung jazzigen Artpops abgebogen ist. "Empathogen" kam 2024 durchaus überraschend, konnte zwar nicht vollständig faszinieren, hatte die Ambitionen der heute 25-Jährigen aber bereits schonungslos offenbart. Dass mit "Petal rock black" nun ein Nachfolgewerk die gleiche Schiene fährt und nochmal stärker am Massenpublikum vorbei zielt, ist einerseits konsequent, andererseits auch nicht unbedingt erwartbar gewesen. Dass es ohne große Promo plötzlich in der digitalen Sphäre aufploppt, ebenso wenig. 2026 sind solche Springteufel-Releases freilich nicht mehr ganz so selten. Im Fall von Smith ist es trotzdem ein mutiger Schritt.

Funk-Großmeister George Clinton spricht ein paar einleitende Worte, dann macht "Vegetation" es sich zwischen "Fetch the bolt cutter"-Rumpel-Percussions und an Vocal-Coaches gemahnenden Aufwärmübungen gemütlich, die später von einem E-Gitarrensolo abgelöst respektive paraphrasiert werden. Wie auch hinterher in "Sitting silently" demonstriert Smith mit einem solchen Stück in erster Linie ihr zweifelsfrei herausragendes gesangliches Talent, welches sich jedoch nicht zwangsläufig in mitreißende Musik übersetzen muss. Für große Teile des Albums gilt: Harmonizing eins mit Sternchen, Songwriting ausbaufähig. "Play" hat mit Kamasi Washington und seinem Saxofon wertvolle Gäste am Start, bleibt aber auch im lauteren Finale relativ monoton. Und "Hear me out" ist mit seiner Akustikgitarre zwar nett, in seiner Skizzenhaftigkeit jedoch sehr bescheiden angelegt.

Ohnehin bleiben die Kompositionen oft wieder unter zwei Minuten. Auf doppelte Länge bringt es lediglich "Ear to the cocoon" und zeigt dabei außerdem, was möglich ist: Hier bereitet Smiths Herangehensweise gehörigen Spaß, die Gesangsschichten purzeln übereinander, die Prog-Pop-Jazz-Kante sitzt wie angegossen. Eingängigkeit komplett ausblenden möchte die Musikerin eh nicht zur Gänze, das gelungene "Not a fantasy" punktet noch dazu mit aufbauender Message: "It's not a fantasy to be who you are / It's not a fantasy to live like the water does." Sehr schön. Aber ob die US-Amerikanerin nun zwischendurch zum Buddhismus findet, "Nothing and everything" ohne viel Kunstwillen auskommt oder sie ansonsten auch noch die unmöglichsten Töne trifft: Auf ihrem siebten Album hätte insgesamt mehr drin sein können.

Warum dann ausgerechnet "I would die 4 you" von Prince noch mit Autotune verunstaltet werden muss, erschließt sich nicht komplett. Die ohnehin magere Ausbeute auf "Petal rock black" wertet das genauso wenig auf wie "Omnipotent", eine schräge, aber nicht sonderlich spannende Kollabo mit Tune-Yards. Es fällt auf, dass Hits wie "Big feelings" diesmal fehlen. "Symptom of life" war sogar ein seltener Geniestreich, der genau jenen feinen Spagat zwischen Anspruch und Charisma getroffen hatte, an dem Smith heute nicht mehr vorrangig interessiert scheint. Wer sich ihrer Musik und insbesondere ihren beachtlichen Skills eher auf verkopft-theoretische Weise annähern möchte und grundsätzlich Spaß bei der Synkopenjagd hat, den dürfte "Petal rock black" mehr als zufriedenstellen. Alle anderen finden in "Empathogen" das hörer*innenfreundlichere und in seiner emotionalen Zugänglichkeit am Ende stärkere Werk vor. Bis zu "Whip my hair!" muss ja trotzdem niemand zurückgehen.

(Ralf Hoff)

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Highlights

  • Not a fantasy
  • Nothing and everything
  • Ear to the cocoon

Tracklist

  1. Petal rock black (feat. George Clinton)
  2. Vegetation
  3. Hear me out
  4. Play (feat. Kamasi Washington)
  5. Sitting silently
  6. Not a fantasy
  7. I would die 4 you
  8. Omnipotent (feat. Tune-Yards)
  9. Holy mystery
  10. Nothing and everything
  11. Living in the heart interlude
  12. Ear to the cocoon

Gesamtspielzeit: 26:22 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30202

Registriert seit 08.01.2012

2026-03-02 20:39:21 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?


MickHead

Postings: 10079

Registriert seit 21.01.2024

2026-02-17 17:22:10 Uhr
Das 7. Studioalbum "Petal Rock Black" wurde am heutigen 17.02. veröffentlicht. Es folgt auf "Empathogen" von 2024.

"Petal Rock Black" (Playlist bei YouTube)

https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_lJMy3TobqD1y_skf7t3-dqtQmNC6FN2BE&si=i3x3LELeazaRE6_L

Ralph mit F

Mitglied der Plattentests.de-Schlussredaktion (Ralf Hoff)

Postings: 849

Registriert seit 10.03.2021

2024-06-14 12:26:09 Uhr
Das ist einfach richtig gut:
https://www.youtube.com/watch?v=DmC2QQESN6E

Threads zusammenlegen, danke!

Kiezgrün

Postings: 118

Registriert seit 29.05.2023

2024-05-06 22:36:54 Uhr
Und sie hält es auf „empathogen“. Beeindruckend, wie sie in ihrer Karriere von R‘n‘B zu Pop-Punk und jetzt zu Jazz wechselt, immer in ihrer weirdo Variante.

Ralph mit F

Mitglied der Plattentests.de-Schlussredaktion (Ralf Hoff)

Postings: 849

Registriert seit 10.03.2021

2024-04-21 11:47:04 Uhr
Boah, wenn sie dieses Niveau auf Albumlänge hält, kloppt sie die zwei hier rezensierten aber mit Anlauf in die Tonne. Sowas von.
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