Zahn - Purpur
Crazysane / Cargo
VÖ: 20.02.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 8/10
No frontman? No problem!
Es treibt, es nölt, es fesselt, fasziniert, fordert und psychedelisiert. Wem Zahns Vorgängeralben "Zahn" und "Adria" schon zu speziell waren, der wird auch zu "Purpur" schwerlich Zugang finden. Alle anderen Momentum-Geküssten dürfen der Band in die sich verzweigenden Tiefen ihrer selbsterschaffenen Nische folgen (nischig, Adj., Bedeutung: innen viel größer als außen). Gründete der typische Zahn-Sound bisher gesamtästhetisch auf Fusionsmotorik, so schwingt diese Triebkraft zwar auch auf ihrem neuen Album, dieses Mal jedoch eher durch frequenzschrittgebende Synthies. Drums, Bass und Gitarre nehmen's derweil heavy. Schnell entfaltet sich eine hypnotische Sogwirkung, die über das eigene Ohr in Herz, Hirn und – na klar – Motorik dringt.
Zahn wagen auf ihrem dritten Studioalbum ein Wechselspiel aus bittersüßen Post-Punk-Anleihen, gewichtiger Sludge-Energie und eigenwilligen Synths. Dass es in dieser Band keinen klassischen Frontmann gibt oder braucht, mag man zunächst darauf zurückführen, dass sie ausschließlich instrumental komponiert und spielt. Spätestens beim Konzertbesuch wird dann aber klar, dass durch das Fehlen einer Galionsfigur das Publikum viel intensiver am Bühnengeschehen – und dem Zusammenspiel darin – teilhaben kann. Das Abhandensein jeglicher Texte ermöglicht es außerdem, Zahns Musik unmittelbarer zu fühlen, ganz ohne die unweigerliche Rahmung eines gleichzeitig über Gesang wahrgenommenen Songtextes.
Der Opener "Stroboskop" zeigt nur teilweise, was nachfolgend auf "Purpur" zu finden sein wird. Ein Drumcomputer loopt durch, darüber legt sich das akustische Schlagzeug, hier noch recht minimalistisch gespielt, im Verlauf der Platte dann zunehmend Stoner-lastiger. Glaubt man sich hier kurz von Gitarre und Bass ins Bittersüße eingebettet, muss man sich für das nun folgende "Gensher" innerlich noch einmal ganz neu verorten. Als einer der spezielleren Tracks der Platte fordert er Aufmerksamkeit und die Freude an anarchistischem Harmonieverständnis. Avantgarde par excellence. Spielt man "Diaabend" und "Solex", zwei der drei vorab veröffentlichten Singles, kann man sich die Band wunderbar als lebhaftere Hälfte eines Doppelkonzerts neben God Is An Astronaut vorstellen. Aber so leicht lassen sich Zahn stilistisch dann doch nicht festnageln. Mal hallen Shoegaze-Gitarren und ein bluesiger Bass in "Diaabend", mal bluesfunkt es unvermutet in der Klimax von "Atoll". Immer wieder tauchen Teile einer 6/8-Rhythmik auf, nur um dann wieder durch das Spiel mit unterschiedlichen Taktlängen aufgebrochen zu werden. Das groovt und fasziniert gleichermaßen. Wer das nicht versteht, muss es sich anhören.
Und ja, es soll hier noch Erwähnung finden, dass es sich bei Zahn quasi um eine skillbasierte Supergroup handelt. Drummer Nic Stockmann und Bassist Chris Breuer spielen schon gemeinsam bei Heads, Zweiterer außerdem vormals bei The Ocean. Gitarrist Felix Gebhard kann man außerdem seit 2021 bei Muff Potter hören. Ein Portfolio der Extraklasse. Da erfreut es zusätzlich, dass Zahns Alben trotzdem vom ausgeprägt bandeigenen Stil durchdrungen sind. Diesen auf unterschiedliche Arten auszuloten und sich abseits erprobter Pfade zu wagen, ist, was Wachstum ermöglicht. Während auf "Adria" jeder Song als verbundene Faser eines Gesamtwerks erschien und durch treibende Krautrock-Hypnose bestach, wirken die Stücke auf "Purpur" für sich betrachtet deutlich individueller. Und mag "Adria" auch etwas leichter ins Herz geglitten sein, so mag man bei "Purpur" über die Liebe zur Textur, dem Gefrickel, zur Süße der Irregularität Einlass finden. Motorik für Noise-Lover und Stoner.
Highlights
- Stroboskop
- Solex
- Atoll
- Butter
Tracklist
- Stroboskop
- Gensher
- Diaabend
- Solex
- Alhambra
- Katamaran
- Atoll
- Butter
Gesamtspielzeit: 36:28 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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MickHead Postings: 10119 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-02-25 21:39:38 Uhr
Mittlerweile komplett bei Bandcamp:https://zahn3.bandcamp.com/album/purpur |
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Watchful_Eye User Postings: 3187 Registriert seit 13.06.2013 |
2026-02-21 22:58:33 Uhr
Schöne Rezi, die nicht so abgehoben klingt, sondern tatsächlich versucht, die Musik zu beschreiben.Läuft hier gerade und kann was. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30206 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-02-21 21:04:24 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Referenzen
Heads; The Ocean; Einstürzende Neubauten; Neu!; God Is An Astronaut; Long Distance Calling; Can; Minami Deutsch; Tuber; Intronaut; pg.lost; Glasgow Coma Scale; Mogwai; Tides From Nebula; Cult Of Luna; Valley Of The Sun; Silver Apples; Captain Beefheart & His Magic Band; Amusement Parks On Fire; Trees Speak; Kosmodrom; Radiohead; Delving; Sleepmakeswaves; Yuri Gagarin; Karkara



