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Sven van Thom - Ins Gras

Sven van Thom - Ins Gras

Loob / Al!ve
VÖ: 13.02.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Am Scheitern gescheitert

Irgendwann müssen wir alle ins Glas beißen. Dann ist das Gras auch nicht mehr halb voll, auch nicht halb leer, sondern endgültig ganz leer. Dann haben auch die Filamente der Curaprox Ultra Soft CS 5460 keine Zähne mehr, von denen sie die Plaque entfernen können. Ein schönes Covermotiv. Sven van Thom, dieser auf der Bühne oft so lustige Mann, der immer mit "Anzug, Schlips & Brille" auftritt, widmet sich auf seinem fünften (regulären) Album dem Scheitern in seinen verschiedensten Ausprägungen. Und sicher auch dem unweigerlichen Ende. Das aber weder bierernst noch allzu albern und auch nicht konsequent auf ein stures Thema festgelegt.

Wer in Berlin regelmäßig im Frannz Club, in den Wühlmäusen oder auf der Freilichtbühne Weißensee die Shows von Tiere streicheln Menschen besucht, verlässt diese meistens mit Bauchschmerzen. Vom vielen Lachen. Die von Martin "Gotti" Gottschild in feinstem Berlinerisch verlesenen Texte ergeben im Wechsel mit den Songs, die Sven van Thom vorträgt, eine unnachahmliche und enorm unterhaltsame Mixtur. Außerdem hat van Thom, den mittlerweile hoffentlich mehr Leute unter diesem Namen als von seinen frühen musikalischen Gehversuchen mit Sofaplanet und Beatplanet kennen, zwei Alben mit Kinderliedern aufgenommen und für das Filmdebüt seines Bühnenkollegen den Soundtrack geschrieben. Doch nach dem düsteren und sehr persönlichen Konzeptalbum "Liebe & Depression" war es Zeit für eine neue Platte.

Es hätte eine garstige Abrechnung mit all den Nazis, Egozentrikern, Wichtigtuern und sonstigen Arschlöchern werden können. Oder ein traurige Kapitulation vor der nahenden Apokalypse. Oder aber auch eine flapsige Witzeplatte. "Ins Gras" hat von alledem etwas, aber glücklicherweise in homöopathischen Dosen – haha Homöopathie, mit dem köstlichen "Abhängig von Globuli" gibt es die ultimative Abrechnung mit den lächerlichen Betrügerkügelchen –, und ist ansonsten van Thoms vielseitigstes Werk bisher. So sehr nach Bela B wie in "Die Luft", das munter in die Platte hineingaloppiert, klang er beispielsweise noch nie. Auch "Hoch die Tassen, Prost!", eine boshafte Aufzählung, was man schlimmen Zeitgenossen so alles an den Hals wünscht, wäre Material für Herrn Felsenheimer oder seine Hauptband. Zeit für Blödeleien muss sein, wie in der herrlichen New-Wave-Nummer "Staubsaugerarm". Doch zu platt wird es selten, in Stücken wie "Wütend auf junge Menschen" oder dem traurigen "Der Life-Coach" schwingen immer Melancholie und gute Beobachtungsgabe mit. Dazu ergänzen Backgroundchöre und Streicher den sich zwischen Kammer- und Powerpop bewegenden Sound in der Breite. Unter den 16 Stücken findet sich dieses Mal auch kaum Füllstoff, mehr als ein, zwei Songs hätte man nicht streichen mögen. Zudem gelingen dem Lee-Hazlewood-Fan auch noch drei hervorragende Liebesduette: mit Wencke Wollny alias Karl die Große wird es gleich "Das schönste Lied der Welt", mit Suzie Kerstgens von Klee wird ein "Lied für Dein gebrochenes Herz" gesungen. Und dann schließt sich noch ein Kreis, gerade für uns hier bei Plattentests.de: Damals, im Jahr 2008, hat sie van Thoms Solodebüt "Phantomschmerz" rezensiert, heute brilliert Ina Simone Mautz im Albumhighlight "A dark place". Und schließlich bietet diese Platte eine wunderschöne Idee, sich bei allem, was auf dieser Welt schief läuft, oder bei allen Widerlingen, die einem gerade das Leben versauen, hieran festzuhalten: "Doch was mich am meisten tröstet, jeder beißt einmal ins Gras."

(Thomas Bästlein)

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Highlights

  • Die Luft
  • Staubsaugerarm
  • Lied für Dein gebrochenes Herz (feat. Suzie Kerstgens)
  • A dark place (feat. Ina Simone Mautz)

Tracklist

  1. Die Luft
  2. Ins Gras
  3. Das schönste Lied der Welt (feat. Karl die Große)
  4. Hoch die Tassen, Prost!
  5. Staubsaugerarm
  6. Wütend auf junge Menschen
  7. Lied für Dein gebrochenes Herz (feat. Suzie Kerstgens)
  8. Der Life-Coach
  9. Immer wieder
  10. Buddha aus Beton
  11. Abhängig von Globuli
  12. Plazenta im Tiefkühlfach
  13. Ich kann mich nicht entscheiden
  14. A dark place (feat. Ina Simone Mautz)
  15. Anzug, Schlips & Brille
  16. Auf den Mund

Gesamtspielzeit: 50:43 min.

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