Tailgunner - Midnight blitz
Napalm / Universal
VÖ: 06.02.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Nomen est omen
Unter Metal-Fans wird schon lange diskutiert, was eigentlich kommt, wenn die ganz Großen der Branche einmal abtreten. Viele haben sich an den großen Vorbildern orientiert, viele sind daran gescheitert. Klar, es gibt jede Menge starke junge Bands, doch gerade im sogenannten traditionellen Sektor sind Iron Maiden und Judas Priest trotz fortgeschrittenen Alters immer noch das Maß aller Dinge. Und plötzlich erscheint da so eine junge Band aus Großbritannien, benennt sich nach einem Song von Iron Maiden, tritt in der traditionellen Fünfer-Besetzung auf – und erstickt nicht etwa im eigenen Klischee, sondern begeistert mit Spielfreude und Herzblut. Innerhalb kurzer Zeit also, mit einer EP und dem Debütalbum "Guns for hire", sind Tailgunner quasi zum heißesten Scheiß unter den Nachwuchsbands gewachsen. So heiß, dass die Briten den ehemaligen Judas-Priest-Gitarristen K. K. Downing als Support seiner Band KK's Priest dermaßen überzeugten, dass der Altmeister spontan zusagte, das Zweitwerk "Midnight blitz" zu produzieren. Das nennt man wohl Ritterschlag.
Nun weiß das Klischee aber auch, dass das zweite Album viel schwieriger als das Debüt sein soll, weil ja das Ungestüme, der Überraschungseffekt angeblich fehlen. Wenn das tatsächlich so sein soll, dann darf dieses Klischee nach dem eröffnenden Titeltrack gleich mal leise die Tür von außen zumachen. Gut, Luftschutzsirenen als Intro sind jetzt nicht allzu neu, doch der Fünfer legt direkt los, als gelte es tatsächlich, den Metal neu zu erfinden. Was die Gruppe um Bassist und Bandchef Tom Hewson – auch diese Konstellation eine sicher nicht zufällige Parallele zu Iron Maiden – nicht macht. Aber Twin-Leads und eine Hook, die sich sofort in die Gehörgänge ohrwurmt, verfangen nun einmal bei jedem, der sich auch nur ein bisschen in der Schnittmenge zwischen der guten alten NWOBHM und modernem Power Metal wohlfühlt. Für einen Refrain wie "Masters of the skies / Never call it quits / Time to do or die / We are the midnight blitz" gibt es nun mal keinen Literatur-Nobelpreis, sondern jede Menge gereckte Fäuste. Und das ist das, was hier zählt.
Ebenso schnell wird klar, dass die Zusammenarbeit mit Downing einen echten Schritt nach vorne darstellt. Über die Gitarrenarbeit braucht man dabei kein Wort zu verlieren, war der Brite doch zusammen mit Glenn Tipton über Jahrzehnte stilprägend für den Sound von Judas Priest. Zudem wirkt das Songwriting schlüssiger, kompakter noch als auf dem Debüt, Songs wie "Follow me in death" oder "Barren lands and seas" machen unfassbar viel Spaß. Und da zu einem die Achtziger huldigenden Metal-Album eine angemessene Powerballade zu gehören scheint, setzt sich ein gewisser Adam Wakeman, Sohn des legendären Yes-Keyboarders, in "War in heaven" an die Tasten.
Iron Maiden können also in Rente gehen? Nicht ganz. Denn zwischendurch greifen Tailgunner dann doch noch ein wenig in die Klischee-Kiste, vor allem in der zweiten Hälfte des Albums droht ein wenig die Puste auszugehen. Das abschließende "Eulogy" bricht allerdings noch einmal aus der NWOBHM-Hommage aus, überzeugt durch epischen Songaufbau und kann mit seinem Refrain auch die Helloween-Fans begeistern. Um es nochmal ganz klar zu sagen: Wer Innovationen sucht, ist hier komplett falsch. "Midnight blitz" bietet wenig Stilelemente, die im Genre sonderlich innovativ wären. Was aber den Reiz wirklich ausmacht, sind die unbändige Spielfreude und die Liebe zu den Bands, die Metal einst groß gemacht haben. Und dabei balancieren Tailgunner traumwandlerisch sicher auf der Grenze zwischen Eklektizismus und Retro-Show. Ob die Briten wirklich legitime Nachfolger der Genre-Urväter sein können, wird sich zeigen. Die Voraussetzungen und das Talent dafür haben sie allemal.
Highlights
- Midnight blitz
- Barren lands and seas of red
- Eulogy
Tracklist
- Midnight blitz
- Tears in rain
- Follow me in death
- Dead until dark
- Barren lands and seas of red
- War in heaven (feat. Adam Wakeman)
- Blood sacrifice
- Night raids
- Eye of the storm
- Eulogy
Gesamtspielzeit: 44:33 min.
Album/Rezension im Forum kommentieren
Teile uns Deine E-Mail-Adresse mit, damit wir Dich über neue Posts in diesem Thread benachrichtigen können.
(Neueste fünf Beiträge)
| User | Beitrag |
|---|---|
|
Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30443 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-02-21 21:03:47 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.
Referenzen
Iron Maiden; Judas Priest; Saxon; Helloween; Grave Digger; Black Sabbath; Ozzy Osbourne; Dio; Bruce Dickinson; Halford; Deep Purple; Queen; Budgie; Samson; The Who; Led Zeppelin; Motörhead; Edguy; Masterplan; Metal Church; Savatage; Jon Oliva's Pain; Circle II Circle; Diamond Head; Iced Earth; Blind Guardian; Demons & Wizards; Savage Circus; W.A.S.P.; Hammerfall; Metallica; Megadeth; Running Wild; Accept; U.D.O.; Firewind; Tierra Santa; Astral Doors; Rage; Manowar; Gamma Ray; Unisonic; Induction; Powerwolf; Pink Cream 69; Stratovarius; Sonata Arctica; Grave Digger; Angra; Primal Fear; Sinner; Freedom Call; Avantasia; Iron Savior; Freedom Call; Metalium; At Vance; Nocturnal Rites; Kamelot; Axxis; Dream Evil; Virgin Steele; Armored Saint
Bestellen bei Amazon
Threads im Plattentests.de-Forum
- Tailgunner - Midnight blitz (1 Beiträge / Letzter am 21.02.2026 - 21:03 Uhr)



