Peaches - No lube so rude
Kill Rock Stars / H'art
VÖ: 20.02.2026
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 4/10
Still NSFW
"I'm a horny little fucker and I'll bring you to your knees."
Manche*n mag es wundern: Peaches' Songtexte im Arbeitsumfeld zu intonieren, wird dieser Tage zuweilen strenger beäugt, als sogenannte Scherze, hinter denen sich etwa eine kaum verschleierte Menschenfeindlichkeit verbirgt. Dabei erscheint Peaches' vermeintliche Obszönität in einer Zeit, in der queere Sichtbarkeit wieder unter Druck gerät, weniger als Provokation, sondern als Notwendigkeit. Wo andere Role Models sich in empowernden, aber durch Übernutzung schnell beliebig wirkenden Hashtags verlieren, bleibt Peaches stets ebenso konkret wie juicy. Denn in ihrer Überdeutlichkeit liegt auch ihre politische Kraft. Indem sie dem Voyeurismus die Kontrolle entzieht, dreht sie den Blick um und zwingt so manche unbedacht lauschenden Köpfe in die Rolle derer, die sich nun erklären müss(t)en. Dabei bleiben die Songs textlich gewitzt und pushen in gewohnter Manier.
Mit Synthesizer und Strap-on bewaffnet, erhob sich Peaches vor mehr als 25 Jahren aus dem musikalischen Untergrund. Und während die Produktion von "No lube so rude" weniger nach dem dreckigen Electroclash von "The teaches of Peaches" klingt, sondern vielmehr wie die stilistische Fortsetzung des 2015 erschienenen "Rub", wirken ihre Lyrics inzwischen beinahe politischer, da positionierter, als zuvor. Und nicht nur die. Im Musikvideo zur albumtitelgleichen Single legt Peaches nicht nur musikalisch, sondern auch visuell nach. Das von Matt Lambert in Zusammenarbeit mit der sexpositiven Indie-Erotikpionierin Erika Lust inszenierte Video versteht sich als programmatischer Gegenentwurf zur exkludierenden Pornologik des Mainstreams. Erzählt wird die Geschichte der "Lube Protectors", die ihr Lager gegen einen faschistischen Angriff verteidigen. Peaches als Anführerin, umgeben von Ikonen der Berliner Underground-Szene. Der Clip formuliert die ebenso schlichte wie radikale These, sexuelle Repression sei die Wurzel des Faschismus und der Orgasmus dessen Sabotage.
Die anfangs zitierte Textzeile feuert uns Merrill Nisker aka Peaches schon im zweiten Track "Fuck your face" entgegen und schließt damit thematisch an den Anti-Ageism-Opener "Hanging titties" an. Sie ist weder, noch ist sie nicht "immer noch sexy für ihr Alter", – eine grauenhaft dumme, patriarchalisch verschuldete Phrase, mit deren öffentlicher Diskussion sich unzählige, wenn nicht sogar alle, im Lebensalter voranschreitenden Künstlerinnen wiederkehrend herumplagen müssen – und die dabei ihrer Kunst den Raum zu nehmen versucht. Sie ist ganz einfach sexuell. Die Big-Room-Techno-Anleihen, die auch in "You're alright" immer wieder aufleben, pushen durch ihren gezielten Einsatz den inneren Matador ins richtige Mindset, erfreulicherweise ohne den Effekt dabei überzustrapazieren. Mit dem Körperautonomie einfordernden "Not your mouth none of your business" bilden sie die ravigen Clubnummern des Albums. Und auch wenn Peaches' Stimme in "Take it", im Vergleich zum sprechgesangslastigen Rest des Albums, hier ungewohnt zarten Ausdruck findet, weisen alle Tracks ihres siebten Studioalbums auf die ein oder andere Art strictly floorwärts. Das hier ist keine Erotik für den Male Gaze – das ist Selbstermächtigung im Vier-Viertel-Takt.
Highlights
- Fuck your face
- Watcha gonna do about it
- Take it
Tracklist
- Hanging titties
- Fuck your face
- No lube so rude
- Watcha gonna do about it
- Panna cotta delight
- Fuck how you wanna fuck
- Not in your mouth none of your business
- Take it
- Grip
- You're alright
- Be love
Gesamtspielzeit: 29:10 min.
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MickHead Postings: 10116 Registriert seit 21.01.2024 |
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CLASH 8/10https://www.clashmusic.com/reviews/peaches-no-lube-so-rude/ |
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Frisch rezensiert. Meinungen? |
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MickHead Postings: 10116 Registriert seit 21.01.2024 |
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Laut.de 4/5https://laut.de/Peaches/Alben/No-Lube-So-Rude-126533 |
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MickHead Postings: 10116 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-02-20 10:00:11 Uhr
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Referenzen
Robyn; Modeselektor; Goldfrapp; Le Tigre; Chicks On Speed; Tiga; Digitalism; Justice; Simian Mobile Disco; Uffie; Fischerspooner; Vitalic; Ladytron; Electrocute; Black Strobe; Pussy Riot; Stereolab; Miss Kittin & The Hacker; Fever Ray; Little Boots; Ladyhawke; New Young Pony Club; Róisín Murphy; MSTRKRFT; Basement Jaxx; Boys Noize; Hot Chip; Does It Offend You, Yeah?
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