Mumford & Sons - Prizefighter
Island / Universal
VÖ: 20.02.2026
Unsere Bewertung: 5/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Ich und alle meine Freunde
Entgegen der landläufigen und rufschädigenden Redensart kann man alten Hunden sehr wohl noch neue Tricks beibringen. Das ist mit Sicherheit etwas schwerer als in jungen Jahren, aber unmöglich ist es nicht. Jetzt wäre es natürlich ziemlich frech, Marcus Mumford noch vor seinem 40. Geburtstag einen alten Hund zu nennen. Aber es fühlt sich eben ein bisschen so an, als wären Mumford & Sons schon ewig da. Und ihr sechstes Studioalbum "Prizefighter" kam dann doch auch überraschend schnell angeflogen, liegt der Vorgänger doch nicht mal ein Jahr zurück. Angekommen fühlen sich die Briten, sagen sie, und auf der Höhe ihres Schaffens. Wie die Selbstwahrnehmung einen doch betrügen kann!
Denn für ihr 14 Songs starkes Album haben Mumford & Sons keinen einzigen neuen Trick gelernt. Es gibt keine Überraschungen, eigentlich klingt alles genau, wie man es erwartet. Zusammen mit Aaron Dessner haben sie sich in New York getroffen und das Album in zehn Tagen eingespielt. Der einzig neue Input kam in Form von Gästen, und die sind zugegebenermaßen sehr hochkarätig. Keine Minute vergeht auf "Prizefighter", bis neben Marcus Mumford Country-Sänger Chris Stapleton mit seiner raumfüllenden Stimme grüßt. Mit seinem einfachen Rhythmus ist "Here" ein Song, der in einer amerikanischen Version des Fernsehgartens nicht stören würde. Das anschließende "Rubber band man" ist mit der irischen Folk-Größe Hozier genauso berühmt besetzt, man haut schmissig in die Saiten von Gitarre und Banjo und öffnet erwartungsgemäß den Refrain. Und das spätere "Badlands" mit Gracie Abrams, US-Superstar der Stunde, macht mit einem Piano erst hellhörig, klingt dann aber auch nur wie ein Taylor-Swift-Song in ihrer Justin-Vernon-Phase. Schlecht ist das alles beileibe nicht, aber auf die Frage, ob man's empfehlen würde, kann man nur mit den Schultern zucken.
Und auch die Songs, die ohne Features auskommen, sind einfach ziemlich okay. "Stay" nimmt ordentlich Anlauf, hat dann epische Drums, die sich im Gegensatz zum eigenen Herzschlag beim Hören überschlagen. Diesen Song haben Coldplay so schon ein Dutzend Mal gemacht. Wer's braucht? "Run together" ist in seiner Quintessenz so pathetisch, dass man mit den Augen rollt: "When we run, we run together / When we part, we fall apart." Zum Banjo gesellen sich Streicher, und Mumford hört sich an, als baue er absichtlich Brüche in der Stimme ein, nicht weil sie authentisch passieren. Und "Ikarus" nimmt zwischenzeitlich kurz alles außer Drums und Stimme raus und schafft so einen Moment. Das Bild ist dabei aber so frustrierend ausgelutscht, dass man sich fragt, warum da keiner was gesagt hat. Sogar Kontra K hat vor Jahren schon einen Song über den Götterboten veröffentlicht.
Dabei macht es eigentlich gar keinen Spaß, auf einem so zuversichtlichen Album wie "Prizefighter" rumzuhacken. Der Song für Mumfords Sohn (no pun intended) ist mindestens gut gemeint und "Alleycat" ist eine wunderbar sanfte Ballade, die sich emotional fragt: "What do you mean it is not enough for you?" Und auch der Titelsong schlägt in diese Kerbe, der mehrstimmige Gesang, der die Band vor gefühlten 30 Jahren bekannt gemacht hat, wirkt auch 2026 hin und wieder noch, und das sehr wahrscheinliche Lichtermeer aus Handyleuchten bei den anstehenden Konzerten kann man ganz sicher auch schön finden, wenn man den Zynismus mal beiseite schiebt. Die große Ironie des Albums ist aber, dass die Band selbst fast jeden dieser Songs schon mal interessanter geschrieben, besser getextet und spannender performt hat. Und dann muss man sich vielleicht auch mal ehrlich in die Augen schauen und sich fragen, ob so die Höhe des eigenen Schaffens aussieht.
Highlights
- Alleycat
- Prizefighter
Tracklist
- Here (feat. Chris Stapleton)
- Rubber band man (feat. Hozier)
- The banjo song
- Run together
- Conversation with my son
- Alleycat
- Prizefighter
- Begin again
- Icarus (feat. Gigi Perez)
- Stay
- Badlands (feat. Gracie Abrams)
- Shadow of a man
- I’ll tell you everything
- Clover
Gesamtspielzeit: 49:47 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
| User | Beitrag |
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MickHead Postings: 10117 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-02-27 08:26:23 Uhr
Soundmag 6/10https://www.soundmag.de/reviews/mumford-sons-prizefighter/ |
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oldschool Postings: 1072 Registriert seit 27.04.2015 |
2026-02-22 09:13:47 Uhr
warum so gut bewertet???? |
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Enrico Palazzo Postings: 8373 Registriert seit 22.08.2019 |
2026-02-22 08:45:17 Uhr
Ich finde die Platte auch überraschend okay.Für mich war die Band immer eine Folk-Darsteller-Band auf dem Mittelaltermarkt. Und das meine ich nicht positiv. Links steht der Weinverkäufer, der für ein paar Silbertaler Hexentränke verkauft, rechts die "Vurstbraterey" und in der Mitte eben Mumford & Sons. Das war mir alles zu gestaged, zu gewollt auf Folk. Ohne dann Folk zu sein. Ich spüre bei der Musik bisher nicht viel. Die Platte jetzt wirkt einfach wie eine gelöste Folkplatte ohne Brimborium. Wirklich positiv nett. |
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swallow Postings: 18 Registriert seit 29.10.2020 |
2026-02-22 08:33:38 Uhr
Für mich fällt die Rezi viel zu negativ aus. Finde das Album ausgesprochen stimmig und auch die Kollaborationen gefallen mir größtenteils. Textlich sicherlich an einigen Stellen eher flach aber musikalisch überzeugt mich dias Album schon, da ich die Arbeit von Produzent Aaron Dessner sehr schätze. |
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Peacetrail Postings: 4176 Registriert seit 21.07.2019 |
2026-02-21 21:49:51 Uhr
5/10 ist seeeehr kritisch. |
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Referenzen
Bear's Den; Doves; Kodaline; Bastille; Coldplay; Fleet Foxes; Dry The River; U2; Snow Patrol; Fleetwood Mac; The Magic Numbers; Saybia; Of Monsters And Men; The Low Anthem; The Lumineers; Family Of The Year; Travis; The Fray; The Killers; Nathaniel Rateliff; Embrace; The Boxer Rebellion; James Dean Bradfield; Washington; Rea Garvey; Reamonn; Keane; Band Of Horses; The Felice Brothers; Midlake; Manic Street Preachers; Athlete; James; Moke; Leif Vollebekk; Guillemots; Fyfe Dangerfield; Suede; Starsailor; Carolina Liar; Morning Runner; Young Rebel Set; The War On Drugs; Tired Pony; Admiral Fallow; Iron & Wine; Mighty Oaks; Monsters Of Folk; My Morning Jacket; Noah And The Whale; Bon Iver; Taylor Swift
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