Soundtrack - Flashback - Mörderische Ferien

Soundtrack- Flashback - Mörderische Ferien

BMG
VÖ: 03.04.2000

Unsere Bewertung: 1/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Musikalische Grausamkeiten

"Flashback - Mörderische Ferien" ist ein neues Machwerk aus den Untiefen jener Brühe aus einfallslosen Plagitaten amerikanischer Erfolgskonzepte (nur ergänzt um mehr als gezwungenen und pseudo-intellektuellen Humor), die als "Neuer Deutscher Film" bezeichnet wird. Bei "Flashback" wird das gute, alte "Scream"-Konzept mal wieder herausgekramt, da sich offensichtlich noch nicht bis in unsere Breitengrade herumgesprochen hat, daß spätestens nach der zehnten Kopie der Witz einfach raus war. Dafür wurde eine ganze Horde äußerst untalentierter und gutaussehender Soap-Sternchen und Möchtegernschauspieler zur Besetzung des einfallslosen Drehbuchs herangekarrt und damit es wirklich so richtig erbärmlich wird, gibt man auch noch einen qualitativ zum Film passenden Soundtrack heraus.

Noch nie ist es mir nach nur einem Hördurchgang so leicht gefallen, eine CD so zu verdammen. Für einen dermaßen einfallslosen Pop-Aufguß wie diesen noch Geld zu verlangen, grenzt fast schon an Diebstahl. Den Auftakt machen die Natural Born Hippies mit "Am I not sweet", das die meisten wohl schon von der Dauerrotation auf MTViva kennen. Der Song ist zwar um Längen besser als ihr völlig verhunztes "Lola"-Cover und kann, wenn man den Rest dieses akustischen Verbrechens gehört hat, sogar noch fast als Highlight durchgehen, besticht aber in der Hauptsache durch Einfallslosigkeit und plattes Herumtrampeln auf einer mittelmäßigen Soundidee. Passend zum Gruselcharakter des Film danach wird es danach dann so richtig schlimm.

Ich muß gestehen, vorher noch nie etwas von der Band Colorblind gehört zu haben, aber jetzt wünschte ich, es wäre so geblieben. Die zwei Stücke, die diese mehr als seichte Pop-Combo auf dem Soundtrack beisteuert, gehören mit zum Belanglosesten, was je meine Ohren erreichte. "Yeah" von den Wannadies dürfte unterdessen aus der Rotation der üblich verdächtigen Fernsehsender reichlich bekannt sein, langweilt aber auch eher. Daß N.Y.C.C. - ihr wißt schon, die haben "Fight for your right to party" von den Beastie Boys eiskalt hingerichtet - mit "No sleep" ebenfalls auf dem Soundtrack vertreten sind, stellt fast zur Halbzeit der Platte schon fast den finalen Schocker dieser Gruselscheibe dar. Dennoch schaffen es die weiteren musikalischen Plattheiten der CD, das ohnehin schon niedrige Niveau noch auf den Nullpunkt zu senken. Kreative Namen wie Siggi Müller, Geheimrat und zur Krönung sogar Greg And The Shockheads fallen und werden gleich wieder vergessen. Die sich über das ganze Album hinziehende aalglatte Produktion spült sämtliche Songs so weich, daß man fast überrascht ist, keinen Waschmittelnamen bei den Produzentencredits zu lesen. Das wird wohl der "Neue Deusche Pop" sein, von dem man so viel hört.

Mit Scäm Luiz taucht immerhin noch ein Name auf, der vor einigen Jahren mal für Aufmerksamkeit sorgte. Hört man sich deren Song an, fragt man sich allerdings, warum. Erst beim allerletzten Track erwacht für einen Augenblick beinahe wieder so etwas wie Hoffnung, als ich den Namen Kungfu im Tracklisting entdecke. Trotz des äußerst biederen "Glaskugelsammelbehälterkasten" habe ich die Hoffnung auf ein kleines Stückchen Rock nicht aufgegeben. Dennoch werde ich wieder grausam enttäuscht. "Neonlicht" ist keineswegs ein seligmachender Song, sondern bloß ein sogar für Kungfu schlechtes Stück, daß mich fragen läßt, ob sich die musikalischen Fertigkeiten, die Christian Neander zweifellos hat, so einfach abstreifen lassen. So schafft der Soundtrack zuletzt immerhin etwas, was dem Film nicht gelungen ist: Ich wende mich mit Grauen ab.

(Thorsten Thiel)

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Highlights

  • Am I not sweet (Natural Born Hippies)
  • Yeah (Wannadies)

Tracklist

  1. Am I not sweet (Natural Born Hippies)
  2. Sentimental fool (Colorblind)
  3. Quel dommage (Jay Jay Johnson)
  4. Sway (Colorblind)
  5. Single (Berger)
  6. Yeah (Wannadies)
  7. No sleep (N.Y.C.C.)
  8. Jetzt immer wieder (Geheimrat)
  9. It's you girl (Greg and the shockheads)
  10. Waterfall (Siggi Mueller)
  11. You (Scäm Luiz)
  12. One more drink (Merzy)
  13. Leon (Siggi Mueller)
  14. Neonlicht (KungFu)

Gesamtspielzeit: 54:05 min.

Referenzen

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