Charli XCX - Wuthering heights
Atlantic / Warner
VÖ: 13.02.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Embracing the thorn
Emily Brontës Literaturklassiker "Wuthering heights" von 1848 prägt bis heute die Popkultur. Mitte des 20. Jahrhunderts erschienen gleich drei auf dem Roman basierende Opern. Die herzallerliebste Kate Bush, im Übrigen auf den Tag genau exakt 140 Jahre nach Brontë geboren, erzählte 1978 in ihrer gleichnamigen Debütsingle die Geschichte nach. Und mit rund 20 Verfilmungen für Leinwand und TV wurde "Wuthering heights" wirklich aus jedem erdenklichen Blinkwinkel ins Bewegtbild versetzt. Oder? Emerald Fennell, die mit "Promising young woman" und "Saltburn" bereits als Regisseurin für Aufmerksamkeit sorgte, wagt sich trotzdem dran – die Anführungszeichen, mit denen der Titel in ihrer Adaption konstant geschmückt ist, seien nämlich nicht von ungefähr da. Es sei eine Eigeninterpretation der Liebesgeschichte darunter. Die Kritiken sagen eher: Softporno ohne Porno und Herzscheiße ohne Chemie zwischen den Personen. Nun sei Fennell ihre Version gegönnt. Womöglich hat Charli XCX, die halb Soundtrack, halb weitergesponnenes eigenes Album dazu liefert, die Stimmung des Romans aber deutlich besser eingefangen.
Charlis "Wuthering heights" ist allerdings vieles nicht: kein richtiges neues Studioalbum, keine Fortsetzung des Megaerfolgs von "Brat" und auch keine krass avantgardistische Wendung. Auch wenn man das anhand des gloriosen Vorabtracks und Openers "House" hätte glauben können. Niemand Geringeres als John Cale monologisiert mit brüchiger Stimme über ein krächzendes Cello, und wenn er mit Charli XCX "I think I'm gonna die in this house" wiederholt, bis die brutalen Noise-Wellen bis aufs Knochenmark vorgedrungen sind, ist man gefesselt. Jene Fesseln lösen sich mit den folgenden Tracks aber: "Wuthering heights" greift vor allem deutlicher als die letzten Platten auf das Debüt "True romance" und seinen Goth-Pop zurück, wenn auch teils mit anderen Mitteln. Streicher spielen eine große Rolle, veredeln "Seeing things" im Stakkato-Rhythmus oder tragen die ausladende Ballade "Always everywhere" sogar im Alleingang.
Ein Song wie "Chains of love" ist hingegen mit üppigem Hall und großem Drama ein herrlich feister Rückgriff auf die Gesten der 80er-Popmusik. "Shattering like glass / It's the breaking of my heart / The chains of love are cruel / I shouldn't feel like a prisoner." Die Texte tragen nicht nur genauso dick auf wie die Musik, sie finden auch immer wieder Bezüge zum Roman, ohne dass die Songs dadurch in ein Konzept-Korsett gepresst werden müssten. Vielmehr fallen kleine Kniffe auf, wie wenn "Out of myself" sich auf schräge Weise an Bon Ivers "Jelmore" anlehnt, ohne den straighten Beat aus den Augen zu verlieren. Außerdem gibt sich Sky Ferreira nach "Cross you out" erneut mit Charli XCX die Ehre, und auch "Eyes to the sky" ist mit zunehmend dissonanten Bienenschwarm-Streichern und den sich stets intensivierenden Vocals ein echtes Erlebnis.
Trotz allem wirkt "Wuthering heights" auch durch die meist kurzen Stücke und die generell geringe Laufzeit entweder wie ein Schritt in eine neue Richtung, die noch nicht ganz ausformuliert ist, oder wie ein Intermezzo, das eher Kuriosität in der XCX-Diskographie bleiben wird. Was die Qualität keineswegs schmälert. Gegen wundervoll dramatischen Pop wie "Altars" ist nichts einzuwenden und das zerrissene "Funny mouth" schafft es zum Ende sogar fast, die anfängliche Verstörung durch "House" zu wiederholen. Charli XCX bleibt eine der spannendsten und unvorhersehbarsten Künstlerinnen dieser Tage – es wäre nicht verwunderlich, wenn ihr "Wuthering heights" als kleines Beiwerk den Film als eigentliches Hauptprojekt überschattet. Nichts, was wir nicht schon erlebt hätten.
Highlights
- House (feat. John Cale)
- Chains of love
- Altars
- Eyes of the world (feat. Sky Ferreira)
Tracklist
- House (feat. John Cale)
- Wall of sound
- Dying for you
- Always everywhere
- Chains of love
- Out of myself
- Open up
- Seeing things
- Altars
- Eyes of the world (feat. Sky Ferreira)
- My reminder
- Funny mouth
Gesamtspielzeit: 34:40 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
| User | Beitrag |
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ThomZH Postings: 12 Registriert seit 21.02.2026 |
2026-02-22 05:55:18 Uhr
Nachdem mich Brat absolut kalt gelassen hat, finde ich Wuthering Heights sehr sehr stark! In den Referenzen fehlt auch noch Christine and the Queens - gewisse Songs würden perfekt auf deren Wahnsinns-Album Paranoîa, Angels, True Love passen! |
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Saschek Postings: 860 Registriert seit 23.07.2018 |
2026-02-22 02:32:03 Uhr
Ist für mich eher eine 8/10. Vermisse Lana del Ray und Caroline Polachek in den Referenzen. Kero Kero Bonito höre ich wiederum nirgends heraus. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30206 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-02-21 21:01:57 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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MickHead Postings: 10119 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-02-13 07:48:14 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_lT54f3kMlnn8x7ijp7HeWwatHtFkjIX60&si=8ArpYWwMPoOl0v02 |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30206 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-01-16 18:44:14 Uhr - Newsbeitrag
Heute erscheint mit „Wall of Sound“ die neue Single von Charli xcx aus dem Soundtrack-Album zum kommenden Kinofilm Wuthering Heights. Nach „Chains of Love“ und „House“ ist der Track der dritte Vorbote des Albums, das am 13. Februar bei Atlantic Records folgt. „Wall of Sound“ war bereits in dieser Woche im Trailer zum Ticket-Vorverkauf zu hören und knüpft an den Erfolg von „Chains of Love“ an. Für das Projekt unter der Regie von Emerald Fennell (mit Margot Robbie und Jacob Elordi) schuf Charli einen bewussten Gegenpol zu ihren vorherigen Produktionen. Die Musik fängt laut der Künstlerin die Atmosphäre der Moore sowie Themen wie Leidenschaft, Schmerz und Kälte ein. Der deutsche Kinostart ist für den 12. Februar angesetzt. |
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Referenzen
Lorde; Miley Cyrus; Björk; Tove Lo; Arca; Sophie; Sky Ferreira; Katy B; Kylie Minogue; Annie; Uffie; Peaches; Cassius; Stardust; DJ Mehdi; Boys Noize; Fischerspooner; Goldfrapp; Robyn; Lily Allen; Kesha; Allie X; Dua Lipa; Lady Gaga; Let's Eat Grandma; Marina; Hannah Diamond; A. G. Cook; Danny L Harle; Kero Kero Bonito; Aphex Twin; Madonna; Taylor Swift
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