Mayhem - Liturgy of death
Century Media / Sony
VÖ: 06.02.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 4/10
Aller Ehren wert
Eine Band, die in ihren Anfängen jeglichem Kommerzgedanken ablehnend gegenüberstand, die gerade in den ersten Jahren zwar durch ihre Musik überzeugte, aber eben leider auch durch üble kriminelle Verstrickungen als Täter und als Opfer berüchtigt wurde, feierte im letzten Jahr ein Jubiläum, das von Beharrlichkeit zeugt. Dass Mayhem tatsächlich mehr als 40 Jahre existieren würden, hätten die Gründer um den später ermordeten Øystein "Euronymous" Aarseth wohl selbst nicht gedacht. Mehr noch: Im Jahr 2021 wurde die Band tatsächlich mit dem Ehrenpreis des norwegischen Spellemannprisen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Kann man sich auch nicht ausdenken, auch wenn Alben wie das Genre-Referenzwerk "De mysteriis dom Sathanas" oder das ebenfalls mit dem wichtigsten skandinavischen Musikpreis ausgezeichneten "Ordo ad chao" von 2007 natürlich in jede Sammlung gehören, in der Black Metal zumindest ansatzweise einen Platz hat.
Die Mayhem der Neuzeit hingegen liefern vor allem in einer Hinsicht Schlagzeilen – nämlich dann, wenn sie tatsächlich einmal etwas Neues veröffentlichen, was selten genug der Fall ist. So ist "Liturgy of death" das erst siebte Studioalbum in all den Jahren, und der Maßstab, den der Vorgänger "Daemon" 2019 setzte, will erst einmal erreicht werden. Der Opener "Ephemeral eternity" verbreitet zu diesem Zweck erst einmal Atmosphäre wie im Soundtrack zu einer schwarzen Messe, bevor die Raserei ausbricht und Frontmann Attila Csihar zwischen Erzähler und Einpeitscher, zwischen Genie und Wahnsinn wechselt. "All is void, death reigns supreme / Eternal monarch, as all fades nothing endures", verkündet der Ungar direkt zu Beginn. Schöne Aussichten.
Wie immens wichtig Csihar für die Gesamtstimmung bei Mayhem ist, zeigen im Folgenden "Despair" und "Weep for nothing". Während viele Genrekollegen einzig die pure Raserei beherrschen, setzt der 54-Jährige seine Stimme wie ein Instrument ein, schreit, faucht, beschwört geradezu pastoral und verleiht dem instrumentalen Irrsinn ein Gesicht, immer wieder angepeitscht durch das wahnwitzige Drumming von Jan Axel Blomberg, der nicht zu Unrecht das Pseudonym "Hellhammer" trägt. "Funeral of existence" hingegen nimmt den Fuß vom Gaspedal, wirkt durch seine Gitarrenleads geradezu eingängig, während "Realm of endless misery" genau diese vermeintliche Eingängigkeit förmlich pulverisiert.
Waren vergangene Alben von Mayhem oftmals durch offenkundige Stilanpassungen geprägt, bleiben die Norweger heuer der Marschroute des Vorgängers weitgehend treu. Dazu gehört – genreuntypisch, wenn man der hehren Lehre folgen möchte – ein herausragender Sound, der die erwähnten Feinheiten zur Geltung kommen lässt, ohne an Druck einzubüßen. Angesichts zahlreicher gewohnt minimalistisch klingender Alben, aber auch gegenüber der berühmten "Unholy trilogy" von Darkthrone mit den legendären Platten "A blaze in the Northern sky", "Under a funeral moon" und "Transilvanian hunger" ist es ein Genuss, allen Instrumentalisten zuzuhören, während Csihar darüber seine Eskalations-Show abzieht. Mayhem stehen dazu, längst nicht mehr Teil des bisweilen berüchtigten Undergrounds zu sein, orientieren sich aber dennoch mehr an sich selbst als an bekannten Vorbildern und kommen so beispielsweise ohne das mitunter überbordende Pathos von Behemoth aus. Und auch wenn ein Naturereignis wie "De mysteriis dom Sathanas" bestimmt kein zweites Mal geschrieben werden wird, muss sich "Liturgy of death" in der Diskografie der Skandinavier ganz sicher nicht verstecken.
Highlights
- Weep for nothing
- Funeral of existence
- Realm of endless misery
Tracklist
- Ephemeral eternity
- Despair
- Weep for nothing
- Aeon's end
- Funeral of existence
- Realm of endless misery
- Propitious death
- The sentence of absolution
- Life is a corpse you drag (Bonus track)
- Sancta mendacia (Bonus track)
Gesamtspielzeit: 58:36 min.
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Referenzen
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