Apparat - A hum of maybe
Mute / PIAS / Rough Trade
VÖ: 20.02.2026
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
Träumen statt tanzen
Wer Apparat sagt, muss auch Modeselektor sagen. Und wenn man dann schon dabei ist, ist der Weg zu Moderat selbstredend auch nicht mehr weit. Hinter Apparat steckt bekanntlich der Musiker Sascha Ring, der inzwischen auf eine veritable Solokarriere zurückblicken kann. Gemeinsam mit Gernot Bronsert und Sebastian Szary, die als Duo unter der Flagge von Modeselektor für ordentlich Beat-Wumms sorgen, hat Ring auf mittlerweile vier Studioalben als Teil von Moderat nachhaltige Spuren hinterlassen. Während das Trio indes explizit auf die Tanzfläche lädt und Songs wie "Bad kingdom" getrost in die Hall of fame der elektronischen Klangkunst aufgenommen werden dürfen, streift sich Apparat ein anderes Gewand über. Sein individuelles Schaffen wird durchaus kontrovers diskutiert: Mal wird es als vollendete Kunst aufgefasst, mal als wohlige Langeweile. "A hum of maybe" enthält, so viel sei vorweggenommen, Beispiele für beide Lesarten.
Eine Schreibblockade habe Apparat in der Zeit nach dem Vorgänger "LP5" aus dem Takt gebracht, und es benötigte dem Vernehmen nach eine Weile, um Strategien dagegen zu entwickeln. Während der Pandemie veröffentlichte er zwar munter weiter, grub dabei aber vornehmlich in den Tiefen des Archivs nach Schätzen und legte eine Serie an überarbeiteten Soundtrack-Alben vor. Irgendwann kehrten die kreativen Kräfte aber zurück, und so wurden aus ersten Ideen konkrete Songstrukturen. Das Ergebnis kann sich zunächst hören lassen. Der Auftakt mit "Glimmerine" und "A slow collision" liefert all das, was die Qualitäten des Musikers ausmacht: viele kleine Einfälle, ausgedehnte Klangteppiche, ein selbstbewusstes Kopfnicken Richtung Thom Yorke. Alles ist hier im zuweilen träumerischen Fluss, und langweilig wird es zunächst einmal gar nicht. Nach dem kurzen Zwischenpart "Gravity test" folgt ein spannendes Gastspiel, denn "Tilth" erweist sich als durchaus experimentierfreudiger Song, den die Sängerin Káryyn gekonnt veredelt.
Und auch "An echo skips a name" hält das sehr gute Niveau des bis hierhin Gebotenen, Apparat schraubt sich durch repetitive Elemente tief in die Gehörgänge. Ab diesem Moment allerdings gelangt der Vortrag an einen Scheidepunkt, der die Bewertung des Ganzen wohl nicht zuletzt von der Stimmung abhängig macht, in der die Songs konsumiert werden. "Enough for me" beispielsweise oder auch das folgende "Lunes" sind in manchen Momenten zwar noch immer solide gestrickt, könnten aber bei betont kritischer Betrachtung auch dezent inspirationslos wirken. Introvertiert, zuweilen auf ein kaum mehr wahrnehmbares Minimum reduziert: So geht die Reise in Apparats Inneres schließlich auf diesem Album weiter und im finalen "Recalibration" zu Ende. Spuren haben hier übrigens nicht nur versierte Mitstreitende an klassischen Instrumenten hinterlassen, sondern auch Sascha Rings Tochter: Die ist tatsächlich mit ungewollten, kurzen Zwischenrufen im Titeltrack und in "Enough for me" zu hören – eigentlich ein Aufnahmeunfall, am Ende aber bewusst in den finalen Stücken belassen.
Highlights
- A slow collision
- Tilth
- Hum of maybe
Tracklist
- Glimmerine
- A slow collision
- Gravity test
- Tilth
- Hum of maybe
- An echo skips a name
- Enough for me
- Lunes
- Williamsburg
- Pieces, falling
- Recalibration
Gesamtspielzeit: 51:26 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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Unangemeldeter Postings: 2384 Registriert seit 15.06.2014 |
2026-03-09 17:28:44 Uhr
Ich hab das Album jetzt auch ein paarmal durchgehört und bin auch irgendwo zwischen ner hohen 7 und knappen 8. In der zweiten Hälfte ist es nicht mehr ganz so zwingend, aber die meisten Songs finde ich sehr gut, mit dem Titeltrack als klares Highlight. Bislang mir wohl die liebste Apparat, so große Lust auf neue Durchläufe hatte ich bislang noch bei keinem seiner (Solo-)Alben. |
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Klaus Postings: 12780 Registriert seit 22.08.2019 |
2026-02-20 17:58:31 Uhr
Apparat war ja schon immer eher Schönklang, in dessen Sound man sich wälzen kann - oder eben auch nicht. daher ist die 6 nachvollziehbar, wenn einem das zu wenig ist. Für mich geht das aber gut auf, würde eher etwas höher greifen. Was mich schon stört sind die absichtlichen Momente, die etwas schiefe Töne reinbringen. Klar zu Abwechslung, aber das hätte man auch anders lösen können. 7.5 weil nicht entscheiden können, ob 7 oder 8, aber es werden noch Durchläufe kommen. |
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vincent92 Postings: 166 Registriert seit 22.11.2016 |
2026-02-20 16:59:30 Uhr
Danke Sascha, für dieses grandiose Comeback10/10 |
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MickHead Postings: 10118 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-02-20 14:13:12 Uhr
Jetzt auch komplett bei Bandcamp:https://apparat-music.bandcamp.com/album/a-hum-of-maybe |
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MickHead Postings: 10118 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-02-20 10:26:52 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_mUXnLE9ZJVpGc6TYW_pHTxyFARFhjSxRE&si=ynj__IBsOD7FCO0O Musikexpress 5/6 https://www.musikexpress.de/reviews/apparat-a-hum-of-maybe/ Tonspion.de: Album der Woche https://www.tonspion.de/news/apparat-a-hum-of-maybe-definitely-maybe-artpop MusikBlog https://www.musikblog.de/2026/02/apparat-a-hum-of-maybe/ |
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Referenzen
Moderat; Modeselektor; Thom Yorke; Radiohead; Atoms For Peace; The Notwist; Console; Telefon Tel Aviv; Ellen Allien; Vimes; Matthew Dear; Burial; Raffertie; Trentemøller; Caribou; DJ Koze; Clara Moto; Pantha Du Prince; Phon.o; Jon Hopkins; Bodi Bill; Mount Kimbie; Bonobo; Booka Shade; Four Tet; James Holden; Kollektiv Turmstrasse; Sascha Funke; Breton; Jamie xx; The Range; Nicolas Jaar; Kiasmos; Nathan Fake; Simian Mobile Disco; Matias Aguayo; Siriusmo; Tiga; Káryyn; Bi Disc
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