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Syberia - Quan tot s'apagui

Syberia- Quan tot s'apagui

Moment Of Collapse / Broken Silence
VÖ: 30.01.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Fortgeschritten

Wenn sich die eigene Musik in einer extremen Nische bewegt, kann der Wechsel zu einer großen Plattenfirma ein immenses Risiko darstellen. Mal kann das neue Label mit dem Sound so gar nichts anfangen, mal wird unter dem Vorwand, andere Hörerschichten zu erreichen, ebenjener Sound verwässert. Von den "Ausverkauf!"-Rufen so mancher Anhänger wollen wir mal gar nicht reden. Die Post-Metal-Band Syberia aus Barcelona hatte diesen Schritt 2019 unternommen, doch nach zwei Platten bei einem der Branchen-Platzhirsche erscheint das fünfte Album "Quan tot s'apagui" wieder bei einem kleinen Independent-Label. Sind die Katalanen also gescheitert? Mitnichten. Denn jene zwei Langspieler, "Seeds of change" und "Statement on death", sorgten dafür, dass die Band auch außerhalb ihrer Heimat bekannter wurde.

Bedeutet die Rückkehr zu einem kleinen Label nun, dass auch die Ambitionen kleiner geworden sind? In diesem Fall eher nicht. Denn der Vierer feuert direkt aus allen Rohren der Ambition. Ein instrumentales Konzeptalbum über den Weltuntergang darf es gleich sein, mit Songtiteln in Català, die zusammen gelesen zudem noch ein Gedicht ergeben. Verkopft? Nur auf den ersten Blick. Denn wichtig sind die Bilder, die im Kopf entstehen. Und das sind eine ganze Menge. "En la foscor una llum que brilla," beginnt leise. Ganz leise. Baut seine Soundscapes auf, holt ein vereinsamt klimperndes Klavier hinzu, bis die Wall Of Sound hereinbricht. Atmosphäre bis zum Gehtnichtmehr, Spannung pur. Und das, was eigentlich fehlt, fehlt nicht im Geringsten: Wer braucht schon Gesang bei diesen Klangwelten?

Stille. Schlagzeuger Manel Woodcutter spielt wie gedankenverloren ein Pattern, auf das Bassist Quim Torres einsteigt. Was wie ein zufälliger Jam beginnt, entwickelt sich bei "llampecs d'oblit d'uns records en vida," immer eindringlicher, drängender, wahnwitziger. Und doch ist da plötzlich diese Melodie (um den Begriff der Hookline zu vermeiden), die dafür sorgt, dass man sich beim Hören immer weiter festbeißen kann und eben nicht von den immer wieder eingestreuten harschen Black-Metal-Riffs abgeschreckt wird.

Wenn man mit solchen Spannungsbögen spielt, ist die ganz hohe Kunst, diese auch aufrecht zu halten. Das gelingt den Katalanen nicht immer, weil gerade "Dins la meva ànima la sang em bull..." ein wenig zu oft mit Anleihen an Sólstafir spielt, am Ende jedoch die Kurve bekommt und wenigstens noch den Weg zum abschließenden, dafür umso fulminanteren "quan me'n vagi no em tanqueu els ulls." ebnet. Hier gelingt das Spiel mit den Dynamiken, mit den Emotionen nochmals meisterhaft, bevor die Platte mit einem düsteren Rezitativ endet. Genau darin liegt der Reiz dieses Albums – für sich genommen erfinden die Elemente das Genre nicht neu. Doch Syberia verweben diese Versatzstücke mittlerweile so kunstvoll, dass die Spannung dauerhaft hoch bleibt. Gesang würde da nur stören.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • En la foscor una llum que brilla,
  • llampecs d'oblit d'uns records en vida,
  • quan me'n vagi no em tanqueu els ulls.

Tracklist

  1. En la foscor una llum que brilla,
  2. llampecs d'oblit d'uns records en vida,
  3. naixença d'una mort tranquil·la.
  4. Dins la meva ànima la sang em bull...
  5. quan me'n vagi no em tanqueu els ulls.

Gesamtspielzeit: 45:12 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

zurueck_zum_beton

Postings: 269

Registriert seit 07.07.2013

2026-02-08 09:52:42 Uhr
Oiseaux-Tempete finde ich sehr spannend. Denen könnte man sich gut chronologisch widmen. Zunächst recht monumental unterwegs, offenbaren die Franzosen ziemlich viele Facetten; ein Album ist während einer Reise in den Libanon (mit einheimischen Musiker:innen) entstanden. Hin und wieder gibt es einen Spoken-Word-Track des ehemaligen Sängers von The Ex. Zuletzt sind ihre Alben im Hotel2Tango in Kanada aufgenommen worden.

Klaus

Postings: 12780

Registriert seit 22.08.2019

2026-02-07 22:17:47 Uhr
okay, ich gehe mal in mich ;)

Aus dem Stehgreif, wenn du sowas wie Bruit magst, dann Pirate Ship quintett, aber die ist von 19 ;)

Glufke

Postings: 1325

Registriert seit 15.08.2017

2026-02-07 22:16:07 Uhr
Gerne erstmal 20er. Du hattest mir schon.al in einem anderen Thread u.a. Tundra und Kauan ans Herz gelegt (in erstere habe ich noch nicht rein gehört, in letztere schon - "Ice Fleet" hatte mich jetzt leider nicht so gecatcht). Ich hab zuletzt viel im Genre gehört und aus den 20ern hat mich bisher wenig gefesselt. Ausnahmen: Wang Wen, Zhaoze, Shy, Low, sleepmakeswaves und jetzt gerade Syberia (und letztes Jahr Tesa).

Klaus

Postings: 12780

Registriert seit 22.08.2019

2026-02-07 22:04:26 Uhr
Letzte jahre = wie lange?

Glufke

Postings: 1325

Registriert seit 15.08.2017

2026-02-07 20:54:35 Uhr
In der Visions 5/12 (Post-Rock-Stangenware), nach der 7/10 hier höre ich gerade rein - und merke mal wieder, dass man sich auf die Visions nicht (mehr) wirklich verlassen kann. Das gehört auf jeden Fall zu den besseren Alben des Genres aus den letzten Jahren. Aktuell würde ich mit der Bewertung mitgehen, aber das kann auch noch wachsen. Das Drumming sticht auf jeden Fall heraus - und das ist wichtig in einem Genre, in dem es leicht ist, durchschnittliche Alben zu veröffentlichen. Nieten gibt es aus meiner Sicht im Post-Rock kaum, aber es ist auch echt schwer, die Perlen zu finden. Wer mir da neben BRUIT noch was aus den letzten Jahren empfehlen kann: nur her damit!
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