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Mandy, Indiana - Urgh

Mandy, Indiana- Urgh

Sacred Bones / Cargo
VÖ: 06.02.2026

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Gruppenkotzen

Einfach ist bei Mandy, Indiana überhaupt nichts. Gegründet von einer zeitweise in Berlin lebenden Französin und einem Briten, halb benannt nach einer Stadt am Lake Michigan und mit Sacred Bones nun schon beim zweiten renommierten Brooklyner Indie-Label ansässig, sind die globalen Irrungen und Wirrungen nicht einmal die größten Hindernisse. Sein zweites Album "Urgh" schrieb der Vierer in einem "unheimlichen" Studio am Rande von Leeds, während sich sowohl Vokalistin Valentine Caulfield als auch Drummer Alex Macdougall im Entstehungsprozess gleich mehrerer Operationen unterziehen mussten. Gründe genug, warum Mandy, Indiana so klingen, wie sie klingen – dabei bräuchte es dafür nicht einmal den Blick nach innen, die Welt da draußen ist schon ekelhaft genug. "Urgh" lastet wieder so einiges auf der Seele und kotzt sich erneut mit großartigem Industrial-Noise-Punk aus, in dem Destruktion und von den Füßen reißende Wucht Hand in Hand gehen.

Ausschlaggebend für letztere ist nicht zuletzt die Power hinter den von Caulfield vornehmlich in ihrer Muttersprache rausgeschossenen Wutbolzen. Wenn sie im Closer "I'll ask her" doch mal ins Englische wechselt, unterstreicht das nur die universale Deutlichkeit dieser Absage an sexistische Jungsclub-Apologetik: "Your friends are fucking rapists!" Die musikalischen Eckpunkte setzte die Lead-Single "Magazine" schon früh: Halb programmierte, halb donnernd getrommelte Beats stehen kurz vor der Panikattacke und reiben sich mit diversen Richtungswechseln an unmenschliche Verzerrungen und Sirenensägen, bei denen die Ursprungsinstrumente schon längst im weißen Rauschen verglüht sind. Der Opener "Sevastopol" brutzelt erst genüsslich im Häcksler, bevor er für die letzten 40 Sekunden ein digitales Taschenorchester auspackt und sich an so etwas wie Wohlklang versucht – natürlich immer noch mit einem zersplitterten Schleier überzogen, der den Horror nur verstärkt.

Diesen Effekt wiederholt "Urgh" vor allem in der ersten Albumhälfte ein ums andere Mal. "Try saying" verspachtelt Vocal-Loops und gesamplete Akustikgitarren vergleichsweise bekömmlich miteinander, bewegt sich im weiteren Verlauf aber immer näher ans rotierende Helikopterblatt. "Dodecahedron" endet mit einem Säureregen aus Kurzschluss-Percussion und 8-Bit-Flöten – der diabolische Spaß, den Gitarrist Scott Fair und Gilla-Band-Drummer Daniel Fox trotz aller Widrigkeiten bei der gemeinsamen Produktion gehabt haben müssen, lässt sich geradezu greifen. In "A brighter tomorrow" formt Caulfield wiederum ihr Gekeife zu einem gespenstischen Singsang, was den Song ein bisschen wie ein Fragment aus Chelsea Wolfes "She reaches out to she reaches out to she" erscheinen lässt. Es ist ein Ruhepol inmitten all des zerklüfteten groovenden Krachs, der sich seinen Platz gerade in Anbetracht dessen verdient, was danach noch kommt.

Vor der erdrückenden Gewalt eines "Life hex" dürften selbst die härtesten Metal-Bands schreiend davonlaufen – zumindest, bis sie auf der Tanzfläche steckenbleiben. Mandy, Indiana haben nicht nur einige Tracks ihres Debüts "I've seen a way" in einer Höhle aufgenommen, sie haben offenkundig auch die Mittel, selbige zum Einsturz zu bringen. In "Sicko!" traut sich der gleichsam an Abgründen taumelnde Rap-Auteur Billy Woods an die Oberfläche, um ein weiteres Genre in die Stilkollisionen zu jagen. Wenn dazwischen ein Song mit dem grandiosen Titel "Ist halt so" das rauschhafte Abhotten zu rhythmischem Geräusch auf die Spitze treibt, fühlt man sich endgültig wie der Kollege, der mehrfarbig auf dem Albumcover dissoziiert. In diesem Zustand klingen Zeilen wie "Am, stram, am stram gram / Pic et pic et colégram / Bour et bour et ratatam" im Abriss-Techno von "Cursive" wie die tiefsten Weisheiten des Menschseins. Wenn der Weltekel mal wieder Überhand zu nehmen droht, gibt es kaum etwas Besseres als eine gute halbe Stunde Gruppenkotzen mit Mandy, Indiana.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Life hex
  • Ist halt so
  • Sicko! (feat. Billy Woods)
  • Cursive

Tracklist

  1. Sevastopol
  2. Magazine
  3. Try saying
  4. Dodecahedron
  5. A brighter tomorrow
  6. Life hex
  7. Ist halt so
  8. Sicko! (feat. Billy Woods)
  9. Cursive
  10. I'll ask her

Gesamtspielzeit: 34:38 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Herr

Postings: 3075

Registriert seit 17.08.2013

2026-02-12 19:41:43 Uhr
Wenn sie wenigstens ein oder zweimal ein fein fein gezupftes Lied einstreuen könnte, damit man weiß, dass sie auch wirklich singen kann, so dass man es beim Kartoffelschälen für den Abendbrottisch hören kann. Dann wäre das alles ja sehr apart.

MickHead

Postings: 10015

Registriert seit 21.01.2024

2026-02-12 18:50:51 Uhr
Laut.de 4/5

https://laut.de/Mandy,-Indiana/Alben/URGH-126445

saihttam

Postings: 2881

Registriert seit 15.06.2013

2026-02-10 00:07:19 Uhr
Ich finds bisher auch in vielen Momenten richtig stark, aber insgesamt etwas zerfahren, was natürlich auch Teil der Experience ist. Mal schauen, wo es sich hinentwickelt.

myx

Postings: 6324

Registriert seit 16.10.2016

2026-02-09 19:59:46 Uhr
Mich beeindruckt es teilweise schon, aber es ist kein Album, das mich durchwegs begeistert. Wird am Ende nicht bei meinen Lieblingsalben landen.

Gomes21

Postings: 6040

Registriert seit 20.06.2013

2026-02-09 19:46:56 Uhr
Erster Durchgang und der Titel passt für mich :-D
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