Puscifer - Normal isn't
BMG / Universal
VÖ: 06.02.2026
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Misanthropisches Klima
Sind Puscifer noch eine lustige Band? Maynard James Keenans ehemaliges Neben-, nun vermutliches Hauptprojekt stellt mit jedem Album wieder die Frage, wie viel Comedy im einst so bezeichneten Comedy-Rock überhaupt noch übriggeblieben ist. Das fünfte Studioalbum "Normal isn't" scheint nun endgültig Schluss mit lustig zu machen. Artwork, Texte, Musik – alles ist in einem düsteren Ton gehalten, das Wort "Humor" passt meistens nur mit dem Präfix "Galgen-" noch ins Gesamtbild. Die Zähne bleiben zusammengebissen, Keenan und Co-Vokalistin Carina Round giften um die Wette, dahinter verdingen die beiden sich mit dem dritten konstanten Bandmember Mat Mitchell als Multi-Instrumentalisten: In Form der fluiden Rhythmussektion liefern sie punchige Begleitung, Gitarrenriffs sägen drüber und man hört nur wenig, dass vor allem Keenan diesmal mehr mit Pro Tools und Co. experimentiert hat. "Wear the grudge like a crown of negativity" – so eröffnete er ein Vierteljahrhundert zuvor Tools "Lateralus". Hier wird der Satz zum Motto. "Trying not to murder is a daily fucking battle", verlautet der Opener "Thrust" als Auftakt über die Idioten, die einem "every fucking day" begegnen, irgendwo zwischen Keyboard Warrior und echtem Psychopath. Herzlos willkommen.
"Normal isn't" braucht wenig aufmerksamkeitsheischende Ausbrüche, um zu fesseln. Es lebt von einer hohen Grundspannung, die kaum nachlässt und die Platte als geschlossenes Werk zementiert. Wo sich damals "Conditions of my parole" meisterhaft zwischen melancholischem Schwelgen und zündelnder Aggression platzierte, setzt "Normal isn't" auf Letzteres und spielt damit den größtenteils lethargischen Vorgänger "Existential reckoning" glatt an die Wand. Es wäre jedoch nicht Puscifer ohne mindestens eine weirde Entscheidung. Als Closer fungiert nämlich das bereits 2024 auf dem Soundtrack zu den "American psycho"-Comics enthaltene "The algorithm" – allerdings in einer Konzertaufnahme, gekennzeichnet mit dem Zusatz "Sessanta live mix". Es passt in dieser Form wenig zum Sound des Albums und Keenan gegen "social mediots" wettern zu hören, hat auch keinen Reiz mehr. "Doom scroll junkies / We're ravenous / Devour all that we are fed by / Our god, the algorithm." Etwas schade um den eigentlich guten Song, den man hier wohl als eine Art Bonustrack betrachten muss, nachdem das außergewöhnliche "Seven one" mit Spoken-Word-Monologen über die Zahl Sieben bereits ein Zeichen gesetzt hat. Der Rest steht bis dahin nämlich bockstark zusammen.
Spätestens, wenn der Titeltrack mit Wut über die eigenen Füße start-stolpert, um in einem feisten Disco-Groove zu landen, ist man drin in dieser unwirtlichen Spiegelung der Realität. "The pigs have obscured the view", klagt Keenan, während sich "Bad wolf" durch das Dickicht schleicht. Mollige Kälte umgibt die Songs. "Swing, swing, oh, pendulum / Raze hamartia and hubris / Swing, swing, oh, pendulum / Bring the balance and our terminus." Die Apokalypse ist nicht nur greifbar, sie wird regelrecht herbeigesehnt. Die Ausnahme bleibt ein konkreter, schlagfertiger Ausbruch wie in "Self evident", in dem Keenan und Round über grollenden Gitarrenklängen einen Opponenten wechselweise bearbeiten: "Concrete evidence / Minimal due diligence / We've concluded what is obvious / You're a bunghole." Bad cop, bad cop, sozusagen. Im wundervollen "The quiet parts" dringt dagegen trotz knurrendem Synth ein seltener Moment der Melancholie durch. "Listen, they said it before / Loud as a whale / Clear as a siren / Blunt as a cannonball / We should have listened then / We should have believed them." Natürlich, die Menschheit geht unter. News at eleven.
Selten klingt das aber so gut wie im Kernstück, dem siebenminütigen "A public stoning". Nach einem ausreichenden Spannungsaufbau wird der Song zum unberechenbaren teilzeit-cholerischen Trip, mit Drums, welche die titelgebenden Steine mit Wucht durch die Boxen werfen und erst in der elektrisch buzzenden Coda wieder ablassen. Kaum minder großartig gerät "ImpetuoUs", in dem ein Synthton wie ein Alarm durchgehend blökt und die Nervosität unterstreicht. "They're always afraid of what they don't understand / We'll ever be how they would have us / We're not insane / This is a good thing." Natürlich. "Few if anyone will ever see the world through our eyes" ist nicht umsonst das ausleitende Mantra. Wenn Puscifer wollen, können sie transzendentale Wirkung erzeugen und "Normal isn't" hält so viel davon bereit wie seit "Conditions of my parole" nicht mehr. Seitdem ist die Welt düsterer geworden und Puscifer mit ihr. Das "V" steht 2026 offenbar wieder für "Vendetta".
Highlights
- Normal isn't
- A public stoning
- The quiet parts
- ImpetuoUs
Tracklist
- Thrust
- Normal isn't
- Bad wolf
- Self evident
- A public stoning
- The quiet parts
- Mantastic
- Pendulum
- ImpetuoUs
- Seven one
- The algorithm (Sessanta live mix)
Gesamtspielzeit: 55:23 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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keenan Postings: 5440 Registriert seit 14.06.2013 |
2026-02-14 08:23:13 Uhr
Ehrlich? als bei den Gastspielern Danny gelistet war und ich das Album erstmals gehört habe, sofortige gedanke dass es bei seven one ist 🤪Finde das hört man direkt raus |
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Unangemeldeter Postings: 2340 Registriert seit 15.06.2014 |
2026-02-13 21:11:00 Uhr
Tatsächlich, steht im Booklet der CD. Aber auch nur bei Seven One.Ansonsten noch interessant: "I would like to dedicate this album to my late father, coach, and mentor, Michael Keenan. Gone too soon - MJK" |
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The MACHINA of God User und Moderator Postings: 36273 Registriert seit 07.06.2013 |
2026-02-13 19:01:15 Uhr
Und bei "Seven One" klöppelt Danny Darey oder wie? Album wächst und wächst wie erwartet. Mal guggn bis wohin. :) |
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The MACHINA of God User und Moderator Postings: 36273 Registriert seit 07.06.2013 |
2026-02-10 11:01:17 Uhr
Hast du den Interview-Link noch einmal? Der ist irgendwie nicht durchgekommen.Das liegt an deinem Umgang mit Keksen. :) |
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afromme Postings: 651 Registriert seit 17.06.2013 |
2026-02-09 23:58:34 Uhr
Danke für den Hinweis - eins der gefühlt seltenen direkten und wenig verklausulierten Statements zum Thema Politik von Keenan.Hast du den Interview-Link noch einmal? Der ist irgendwie nicht durchgekommen. Erster Durchgang gerade.. äh.. durch. Japp, sehr humorlose Platte, aber das ist vielleicht auch mal nötig. |
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Referenzen
A Perfect Circle; Tweaker; Recoil; Danny Lohner; Peeping Tom; Deftones; † † †(Crosses); Team Sleep; Nine Inch Nails; Trent Reznor & Atticus Ross; DJ Shadow; Tricky; Unkle; Lunatic Soul; Zion Train; Dälek; Indukti; Cire; How To Destroy Angels; Filter; Stabbing Westward; Orgy; VAST; Vowws; Peach; Depeche Mode; One Inch Punch; Porcupine Tree; Steven Wilson; Death In Vegas; Godhead; KMFDM; Soulsavers; Attica Blues; Alias; The Dismemberment Plan; TV On The Radio; Incubus; Saul Williams; Liars; Sister Machine Gun; Marbleheroes; Tool
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