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Tsar B - The writer

Tsar B- The writer

Tsar B / Music Mania
VÖ: 30.01.2026

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Aus Liebe

Justine Bourgeus besitzt einen Kopf. An sich nichts Ungewöhnliches für ein Lebewesen, aber doch eine wichtige Information, um ihre Kunst verstehen zu können. Unter dem Pseudonym Tsar B veröffentlicht die Belgierin seit gut einer Dekade Alben, die zwar von der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden, unter Eingeweihten jedoch wie kleine Schätze herumgereicht werden. Der Grund dafür? Bourgeus ist verdammt talentiert. Ihre Musik verbindet intellektuelles Streben mit emotionaler Tiefe, sie ist im positiven Sinne verkopft. Ihr Schaffen durchzieht nicht nur ein hoher Anspruch, sondern auch ein gewisser Hang zum Perfektionismus. Auch ihr neues Album "The writer" folgt diesem Muster. Perfekt austarierte Kompositionen treffen auf eine ausgefuchste Produktion, zusammengehalten wird das Resultat von einem beseelten Gesangsvortrag der Künstlerin. Thematisch geht es, wie so oft, um die Liebe und ihre Abgründe. Der Kitsch muss freilich draußen bleiben, im Hause Bourgeus liebt man verzweifelt.

Schon die ersten Takte von "Opening scene" lassen Großes erahnen. Die finsteren, sphärischen Klänge bereiten das Feld, das im Laufe des Albums mit zahlreichen wundersamen Gewächsen bepflanzt wird. Es fällt schwer, die Musik einem eindeutigen Genre zuzuordnen. So finden sich Einflüsse aus dem Trip-Hop, aber auch kontemporäre Klassik, Two-Step und House lugen zwischen den Takten hervor. Immer wieder kämpfen sich Chöre ans diesige Tageslicht, was beispielsweise dem schüchternen "Fanatical radical" eine betörende Abseitigkeit verleiht. Bourgeus' Melodien sind minimalistisch, ohne simpel zu sein, sie setzt geschickt Akzente, die dann mit chirurgischer Präzision ausgearbeitet werden. So kreist die erste Single "Amor" um ein bedrohliches Stakkato-Motiv, der Song steigert sich fast unmerklich, bis er in einem fiebrigen Zwischenzustand in seine Einzelteile zerfällt.

Dieser Hang zum Ungefähren, zum Liminalen ist die größte Stärke von "The writer". Die Streicher befinden sich in einer konstanten Schieflage, während ringsum die Synthesizer gegen das Ertrinken ankämpfen. Die äußerst geschmackvollen Beats sorgen zudem dafür, dass man es sich in den Songs regelrecht gemütlich machen kann. Alles hat Raum, alles ergibt Sinn. Selbst in wütenden Momenten wie "Mrs. Impatience", das gegen Ende in einem Inferno aus Breakbeats und verfremdeten Schreien verglüht, bleibt genug Platz für Zwischentöne, für Subtiles. Das Herz ist ein finsterer Ort. "Symphony" liefert den perfekten Soundtrack für das konstante Pochen, das uns an die eigene Vergänglichkeit erinnert. Das Wissen um die Stille, die auf alles folgt, ist letztlich auch beruhigend. In einem Universum, in dem Stürzen Naturgesetz ist, muss Liebe in der Schwärze enden.

Vielleicht gelingt Bourgeus auch deshalb ein Ding der Unmöglichkeit: Sie covert "Heaven". Ja, das von Bryan Adams. Was im Original noch ein Mahnmal allumfassender Seifigkeit ist, wird in der Tsar-B-Version zu einer unheilvollen Beschwörung, einer Umklammerung zwischen unausgesprochenen Wünschen und durch den Alltag begrabenen Hoffnungen. Liebe ist letztlich auch der Versuch, einer biologischen Notwendigkeit Ästhetik abzuringen. Gleichzeitig bleibt uns als Spezies nichts anderes übrig. Vielleicht ist die Evolution auch einfach nur zynisch, derlei Überlegungen sind letztlich auch nichts anderes als Onanie des Universums im Angesicht der eigenen Allgegenwärtigkeit. Am Ende singt man dann einfach vor sich hin, so wie Tsar B in "These boots". Die Drum-Machine hat Keuchhusten, der Chor eine Sinnkrise. Ein bisschen Schönheit hat noch niemandem geschadet. Man lebt, man liebt sich aus.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Symphony
  • Amor
  • Fanatical radical
  • Mrs. Impatience

Tracklist

  1. Opening scene
  2. Symphony
  3. I wanna love you
  4. Amor
  5. Fanatical radical
  6. Song by the sea
  7. Forever
  8. Into you
  9. Heaven
  10. These boots
  11. Mrs. Impatience

Gesamtspielzeit: 36:41 min.

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User Beitrag

Cayit

Postings: 310

Registriert seit 05.05.2014

2026-01-31 09:53:00 Uhr
Dank PT höre ich zum erstenmal Tsar B, wirklich aussergewöhnliche Küsntlerin.
Das Album ist Melancholich und Düster aber nicht Depri.
Sehr Starkes Album ohne ausfälle...

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 29984

Registriert seit 08.01.2012

2026-01-30 20:31:19 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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