Listen




Banner, 120 x 600, mit Claim


The Molotovs - Wasted on youth

The Molotovs- Wasted on youth

Marshall
VÖ: 30.01.2026

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

All killer

Werte Leser*innen, heute mal eine kleine Frage vorab: Was haben Sie so mit 14 beziehungsweise 16 Jahren gemacht? Unter der Dusche und in der Wanne die Lieblingsohrwürmer mitgeträllert? Klar doch. Mit der Luftgitarre im Jugendzimmer herumgesprungen? Wild! Mathew und Issey Cartlidge, gerade mal zarte 17 und 19 Lenze alt, spielten mal eben im Vorprogramm von Blondie, The Libertines und Iggy Pop. Was nach absolutem Wahnsinn klingt, muss sich nach mehr als jenem anfühlen. So jung und schon so hyped. Doch von Beginn an. Wie kommt man denn auf die Idee, mit seinem kleinen Bruder Musik zu machen? Nun ja, die Pandemie ... "Weil wir niemand anderen treffen konnten und Matt eben auch Musik machte, jammten wir", gibt Issey zu Protokoll und lacht: "Niemals hätte ich ihn sonst ausgewählt!" Das geschwisterliche Rock'n'Roll-Märchen nahm umgehend seinen Lauf. Im Raum London, wo die beiden unmittelbar nach Corona immer wieder Gigs auf der Straße und in Bars spielten, verbreitete sich die neue Indie-Punk-Sensation wie ein Lauffeuer. Nun der Deal mit Marshall Records und ihre teils bereits bekannten, kleinen und größeren Hits auf einer Scheibe. Da hypen wir von Plattentests.de doch mal mit, oder?

Gerne, gerne! Zumindest im Namen derer, die diesem Sound ohnehin verfallen sind. Denn welches diesem Genre zugeneigte Bein könnte dem tanzbaren Punkrock-Charme des großartigen "Rhythm of yourself" widerstehen? Iggy-Tribute in den Strophen und im Refrain, fühlen sich Genre-Nerds sogar kurz an die Australier The Living End erinnert. Was aber wirklich heraussticht, ist die Selbstverständlichkeit in jener Komposition, denn The Molotovs treffen den schmalen Grat zwischen Eingängigkeit, Wucht und Anspruch auf den Punkt. Wenn Gitarrenrock 2026 so klingen darf, entstaubt die Schublade von alleine. Kompromisse oder Längen gibt's auf dieser Platte ohnehin nur wenige. "Get a life" geht gleich zum Auftakt mit Stakkato in die Vollen, auf kaum drei Akkorden schrubben sich The Molotovs noch eben gerade bis zu Minute 1:52. "Come on now" traut sich das Riff-Feuerwerk zu, während das eingängige, etwas zahmere "Daydreamer" ob seiner besessen-monotonen Akkord- und Gesangsfolge den frisch versöhnten Herren Gallagher vermutlich ein breites Grinsen entlockt. Das melodietrunkene "More more more" huldigt Indie-Rock irgendwo kurz nach Class of 2005 und hat dennoch das Potenzial, den staubigen Pogo-Pit loszutreten, blaue Flecken incoming.

Der ebenfalls tolle Titeltrack täuscht erst die Akustische vor, bevor das Stück die Zähne fletscht und dreckige Gitarren das Zepter übernehmen. Und dort, wo es bei vielen Genre-Kollegen etwas vorsichtiger ausfadet, positionieren The Molotovs mit "Today's gonna be our day" einen echten The-Libertines-Tribute-Brecher zum Abschiedwinken. Klar lässt sich ein smartes Geschwister-Duo mit den heutigen Marketing-Tools und -Plattformen auch super schick vermarkten. Und ja, viel Neues im musikalischen Sinne gibt es auf "Wasted on youth" eher nicht zu entdecken. Den UK-Rock der Siebziger und Achtziger im Nacken, dazu eine Prise rotzig-frühe Arctic Monkeys, ein wenig Green-Day-Stadionpunk, denn all dem lauschten die Cartlidges in jungen Jahren – fertig ist die kaum überraschende, aber kernig-explosive Tüte frischen Punk'n'Rolls. "Wasted on youth", das Debüt von The Molotovs, diese halbe Stunde voller Mitsingmomente, diese elf astreinen Hits, wird vermutlich kaum Halbwertszeit haben. Aber, liebe Leser*innen, zeigen Sie mir ein Album, das eben genau das, was es verspricht, treffsicherer hinbekommt. 2026, Du hast eine Aufgabe!

(Eric Meyer)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen bei Amazon / JPC

Highlights

  • Get a life
  • Daydreaming
  • Wasted on youth
  • Rhythm of yourself

Tracklist

  1. Get a life
  2. Daydreaming
  3. More more more
  4. Come on now
  5. Nothing keeps her away
  6. Wasted on youth
  7. Geraldine
  8. Newsflash
  9. Rhythm of yourself
  10. Popstar
  11. Today's gonna be our day

Gesamtspielzeit: 32:22 min.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify