JB Dunckel - Paranormal music chamber
PLG Classics / Warner
VÖ: 23.01.2026
Unsere Bewertung: 5/10
Eure Ø-Bewertung: 3/10
Die Grenzen des Minimalismus
Konzeptalben wie dieses hier sind für eingefleischte Fans natürlich ein Highlight. Wer aber relativ unvoreingenommen reinhört, bekommt zwar durchaus hochwertigere Hintergrundmusik geboten, die aber auch recht schnell vorübergeht und dabei die Limits aufzeigt. Das liegt in der Natur der Sache, trotzdem entscheidet sich Air-Mitglied Jean-Benoît Dunckel-Barbier alias JB Dunckel auf seinem sechsten Solo-Album "Paranormal music chamber" selbstbewusst für ausgeprägten Minimalismus. Gleichzeitig ist es als Fortsetzung des 2024 erschienenen "Paranormal musicality" zu verstehen, geht im Vergleich dazu aber nicht unbedingt einen Schritt weiter. Wer es jedoch genießt, wenn Piano-Tracks mit viel Detailliebe in Kammermusik übertragen werden, dürfte hiermit viel Freude haben.
Am besten funktioniert diese Platte, wenn sie melodisch mal mehr ausufert oder mit dem Tempo spielt. "Désintégration" etwa profitiert spürbar von der kammermusikalischen Übersetzung: Die Streicher verleihen Tiefe, während sich aus dem Hintergrund heraus eine spannende Komposition entwickelt. Auch "Shine" geht gut ins Ohr und vermittelt am ehesten jene Leichtigkeit, die anderen Tracks nicht minder gut gestanden hätte. Es steckt absolut Potenzial in der Idee, die ursprünglich reduzierten Piano-Skizzen direkt weiterzudenken und ihnen neue Facetten zu verleihen, nur leider ist das nicht überall optimal umgesetzt. Soll heißen: "Paranormal music chamber" kippt immer wieder in eine Zurückhaltung, die auf Dauer zu viel wegnimmt. Das unterstreicht direkt der Opener "Melo walk", der zudem eine in die Bauchgrube schlagende Trauerstimmung vermittelt, die so später nie wirklich wieder aufgegriffen wird. Dann ist da noch der Einsatz von Flöten, der etwa in "Ballade oiseau" leider weniger ergänzend als vielmehr irritierend wirkt. Fast so, als würde dem Stück eine zusätzliche Ebene aufgezwungen, die es gar nicht braucht.
"Golden king" wiederum schwebt lange in einem diffusen Raum, ohne wirklich auf den Punkt zu kommen – durchaus angenehm, aber auch seltsam distanziert. Im Gegensatz zum Opener allerdings läuft beim Closer "Yokai" vieles richtig. Selbst wenn man sich hier ein epischeres Finale gewünscht hätte, geht der Ansatz zumindest als Schlusspunkt auf. Das passt auch zum Gesamteindruck, denn so bleibt am Ende ein Album, das handwerklich überzeugt und klanglich nie unangenehm wird – "Melo walk" vielleicht einmal ausgenommen –, aber letztlich an seinen eigenen, bewusst gesetzten Grenzen scheitert. Das gilt sowohl hinsichtlich der Länge als auch der eingesetzten Instrumente. Wer die Originalstücke bereits schätzt, dürfte diese kammermusikalische Variante mit Recht feiern – alle anderen bekommen hochwertige, aber auch schnell entgleitende Musik geboten, die eher Atmosphäre liefert als nachhaltigen Eindruck. Was nun auch nicht unbedingt schlecht ist.
Highlights
- Shine (Version for string quintet)
- Désintegration (Version for flute and string quintet)
- Yokai (Version for string quintet)
Tracklist
- Melo walk (Version for string quintet)
- Shine (Version for string quintet)
- Ballade oiseau (Version for flute and string quintet)
- Dolphin (Version for string quintet)
- Désintegration (Version for flute and string quintet)
- Prélude marin (Version for string quintet)
- Golden king (Version for string quintet)
- Key games (Version for string quintet)
- Ègérie (Version for flute and string quintet)
- Yokai (Version for string quintet)
Gesamtspielzeit: 36:07 min.
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