Dirt Buyer - Dirt Buyer III
Bayonet / Cargo
VÖ: 06.02.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
Der Struggle ist real
Schlicht als "emo-folk band hailing from the Western hemisphere" bezeichnet Joe Sutkowski sein Projekt Dirt Buyer, und mehr Worte braucht es eigentlich auch gar nicht. Mit einem Rockstar hat der US-Ostküstler absolut nichts gemein, selbst wenn er sich den Kniff, seine Alben stur durchzunummerieren, von Billy Talent abgeschaut hat: Auf "Dirt Buyer III" versammelt seine live als Trio oder Quartett agierende Gruppe abermals elf hochmelancholische Kleinode zwischen Songwriter-Skizzen und noisigem Getöse. Ein bisschen wirkt das so, als sei Conor Oberst als Kind in das Fass mit den Bratgitarren gefallen beziehungsweise hätte sich nie von der Teenage Angst des Bright-Eyes-Frühwerks erholen können. Gleichzeitig zeichnet sich das neue Album durch einen ausgewachsenen Sound aus, der mehr nach voller Band klingt als bloß nach Sutkowski, wie er allein mit seiner Klampfe auf der Bettkante sitzt. Auch die Kompositionen sind runder geworden und bügeln damit ein Defizit des Vorgängers "Dirt Buyer II" aus, der ein wenig daran krankte, dass seine Songs einander sehr ähnelten und mehr wie eine Ideensammlung denn wie auskomponierte Gesamtwerke erschienen.
Dass sich die Amerikaner*innen hin und wieder auch als "weird folk" ausweisen, ist bei der Geradlinigkeit der Stücke nunmehr obsolet. Die Formel ist so eindeutig wie effektiv: Sutkowski bearbeitet seine Gitarre eher grob, leidet sich in Rage, und ab und zu knallt's. Die Inhalte bleiben dabei introspektiv und mitunter fragmentarisch, also fest im Emo-Kosmos verankert. Da fühlt man ehrlich mit, wenn der 32-Jährige traurig zugibt, dass er "Baseball" nicht versteht – schließlich erwartet man es doch von ihm. Die gazy Riffs dazu sind dreckig, einsame Piano-Tupfer vervollständigen das verwaschene, jedoch äußerst elegante Bild. Im sehr direkt benannten "Bullshit fuck" versucht sich die Band noch einmal an schwerem Shoegaze, ansonsten aber bleibt sie weitestgehend im nackten, aufs Nötigste heruntergebrochenen und semi-akustischen Folk verhaftet, der im Falle von "Halfway" wirklich riesiges Drama heraufbeschwört: "My life is difficult for everyone." Auch das gediegene "Wait on the world" zeigt den Sänger einsam und geerdet, wenn auch recht giftig: "Heard through the wall when your tears hit the ground / Such a beautiful sound."
Die größte Überraschung haben Dirt Buyer für alle erkennbar in der Mitte platziert: Mit dem ultra-eingängigen "Get to choose" knallen sie einfach einen Indie-Banger erster Güteklasse aufs Parkett, dessen Refrain dermaßen die Sonne aus dem Hintern scheint, dass es den gesamten Rest des Albums überstrahlt. Wir sehen uns in den Jahreslisten! Ihr Debüt hatte die Band, damals nur bestehend aus Sutkowski und Drummer Ruben Radlauer (der heute auch bei Model/Actriz beschäftigt ist), lediglich mithilfe eines iPhones aufgenommen. Das Upgrade zu "Dirt Buyer III" ist demnach enorm – man wünscht den Musiker*innen beinahe, dass sie weiter mit bescheidenen Mitteln handwerken wollen und nicht etwa auf die großen Bühnen schielen, wie es nun bestimmt nicht unmöglich wäre. Ob solche enormen Träume allerdings dem Naturell Sutkowskis entsprächen? "When I was a kid" windet sich noch ein letztes Mal in aufrichtigem Schmerz, bevor es den endgültigen Sturm aus Krachgitarren herbeiruft. Vielleicht muss die kleine Emo-Katharsis doch erst einmal reichen.
Highlights
- Baseball
- Get to choose
- Wait on the world
- When you were a kid
Tracklist
- Baseball
- For me
- Halfway
- Bullshit fuck
- Betchu won't
- Get to choose
- Wait on the world
- Multizeal
- Me before you
- Old as sin
- When you were a kid
Gesamtspielzeit: 31:05 min.
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Referenzen
Kevin Devine; Conor Oberst; Bright Eyes; Pinegrove; Into It. Over It.; Crywank; Elliott Smith; Modern Baseball; Rocky Votolato; MJ Lenderman; Sparklehorse; Horse Jumper Of Love; Spirit Of The Beehive; Home Is Where; Panchiko; Julien Baker; Better Oblivion Community Center; Foxing; Brand New; The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die; Hotline TNT; Alex G; Tigers Jaw; Awakebutstillinbed; Adjy; Manchester Orchestra; Nothing; Weezer; Parannoul; Guided By Voices; Jeff Rosenstock; Lovedrug; Neutral Milk Hotel; The Lemonheads; Evan Dando; Nada Surf; Death Cab For Cutie; Sebadoh; Pavement; Frightened Rabbit; The Mountain Goats; The Weakerthans; Sufjan Stevens
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- Dirt Buyer - Dirt Buyer III (2 Beiträge / Letzter am 06.02.2026 - 10:05 Uhr)



