A$AP Rocky - Don't be dumb
AWGE / A$AP Worldwide / RCA / Sony
VÖ: 16.01.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
Perspektivwechsel
Fast acht Jahre nach "Testing" gibt A$AP Rocky endlich mal wieder ein musikalisches (Solo-)Lebenszeichen von sich. Sein tatsächlich erst viertes Album bringt zwangsläufig eine außergewöhnliche Vorgeschichte mit sich, die hier auch angemessen verarbeitet wird. Lange vorbei sind die frühen 2010er-Jahre, in denen Rakim Mayers zeitweise der stilprägendste Rapper der Welt gewesen sein könnte. "Don’t be dumb" kommt aus einer völlig anderen Perspektive – immerhin ist es die erste Platte nach vielen einschneidenden Erlebnissen: Inhaftierung nach einer Schlägerei in Schweden, Hochzeit und Kinder mit Rihanna, erst 2025 der Freispruch nach Vorwürfen der Körperverletzung mit einer Schusswaffe und relativ zeitgleich der endgültige Bruch des inzwischen schon legendären Kollektivs A$AP Mob. Das alles wäre schon genug Stoff für eine bedeutsame Platte, doch Rocky bleibt sich angenehmerweise insofern treu, als er zuallererst die Musik für sich sprechen lassen will. Wirklich weg war er ja nie, einzelne Singles oder Gastbeiträge gab es immer wieder, und dass der Nachfolger zu "Testing" mindestens genauso experimentierfreudig wird, ließ sich früh erahnen.
Gleichzeitig ist das ein Album, das sich punktgenau zwischen bekannten Qualitäten und Spieltrieb bewegt. Inhaltlich wird es dort am spannendsten, wo Rocky die eigene Situation nicht mehr nur umkreist, sondern ganz konkret anspricht. Überraschend klar klingt das in "Stop snitching", wenn er juristische Grauzonen, Loyalitätsfragen und zwischen den Zeilen auch recht deutlich den Split des Mobs verarbeitet. Dann gibt es Tracks wie "Playa", das herrlich wolkig an den Sound seiner frühen Songs erinnert und Rocky genau aus der Perspektive rappen lässt, die der Titel suggeriert. Um anschließend auf "Don’t be dumb / Trip baby" den aufopferungsvollen Ehemann zu unterstreichen – beide Welten funktionieren hier gleichermaßen gut. Selbst die ausgefalleneren Momente wie "STFU" oder "Robbery", das Doechii viel Raum gibt, gehen vollends auf. Gerade diese Vielschichtigkeit sorgt dafür, dass die Platte trotz ihrer Länge und der vielen Features gekonnt kurzweilig bleibt.
Die Lead-Single "Punk Rocky" fasst das ganz gut zusammen: stilistisch näher an rund ein bis zwei Jahrzehnte altem Ostküsten-Indie als an Punk-Rock oder dem klassischen A$AP-Sound, aber trotzdem extrem unterhaltsam. Es ist eines von vielen geglückten Experimenten, die wie selbstverständlich gutgehen, weil Rocky sehr genau weiß, wie seine Kunst klingen soll. Der musikalisch vielleicht nicht stärkste, insgesamt aber interessanteste Track "Stole ya flow" ist aus mehreren Gründen bedeutsam. Er knüpft thematisch an die Singles "Highjack" und "Ruby Rosary" an, indem Drake gedisst wird – und das durchaus mit einer Wucht und Aura, die an "Not like us" von Kendrick Lamar herankommt. Hier wird Rihanna auch namentlich genannt, der Kontext erschließt sich spätestens über die Hook: "First you stole my flow, so I stole yo’ bitch / I can’t trust a soul, just my pole and my kid".
Und wo wir schon bei großen Namen sind: Die Riege der Feature-Gäste hätte Gerüchten zufolge sogar noch länger ausfallen können, etwa mit Namen wie Taylor Swift oder Morrissey. Dass es dazu nicht gekommen ist, spricht eher für Mayers detailverliebtes Verständnis von Akzenten und Dramaturgie.. Offen bleiben dennoch einige Fragen: ob dieser immer extravagantere Stil weiterhin so funktioniert oder sich irgendwann abnutzt, ob stärker Rap-lastige Tracks wie "Helicopter" oder "Air Force" zwar bewährte Qualität liefern, aber langsam etwas deplatziert wirken – oder in welcher Form wir überhaupt noch einmal Musik des vereinten A$AP Mob hören werden. Oder, noch verrückter: wann Rockys Ehefrau mal wieder ein Album veröffentlicht.
Highlights
- Stole ya flow
- Stop snitching (feat. BossMan Dlow & Sauce Walka)
- Punk Rocky
- Robbery (feat. Doechii)
- Don't be dumb / Trip baby
Tracklist
- Order of protection
- Helicopter
- Interrogation (Skit)
- Stole ya flow
- Stay here 4 life (feat. Brent Faiyaz)
- Playa
- No trespassing
- Stop snitching (feat. BossMan Dlow & Sauce Walka)
- STFU (feat. Slay Squad)
- Punk Rocky
- Air force (Black DeMarco)
- Whiskey (Release me) (feat. Gorillaz & Westside Gunn)
- Robbery (feat. Doechii)
- Don't be dumb / Trip baby
- The end (feat. Jessica Pratt & Will.I.Am)
- Swat team
- Fish n steak (What it is) (feat. Jozzy & Tyler, The Creator)
- Flackito jodye (feat. Tokischa)
- I smoked away my brain (I'm God x Demons mashup) (feat. Imogen Heap & Clams Casino)
Gesamtspielzeit: 59:49 min.
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30004 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-01-30 20:30:47 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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MickHead Postings: 9591 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-01-16 09:33:09 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_kd9f7r6sY7b8j3l12hpy6EUJ3nW5roFgY&si=DznIQzLn_o_U2Cq2 |
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joseon Postings: 1484 Registriert seit 04.09.2023 |
2026-01-12 21:24:27 Uhr
Gefällt mir auch besser als die Nullnummer davor. |
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Arne L. Postings: 2726 Registriert seit 27.09.2021 |
2026-01-12 18:44:38 Uhr
Zweite Single "Helicopter$" find ich schon deutlich besser zum Glück:https://youtu.be/g1-46Nu3HxQ?si=wODAM_Eit51zGN6r |
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Arne L. Postings: 2726 Registriert seit 27.09.2021 |
2026-01-09 03:25:59 Uhr
Also der Song ist jetzt nicht sonderlich schlecht, aber wenn das nicht Asap Rocky wäre, würde das nicht viele Leute interessieren, glaube ich. Find daran nichts spannend. |
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Referenzen
A$AP Mob; A$AP Ferg; A$AP Twelvyy; Schoolboy Q; Danny Brown; Ab-Soul; Jay Rock; Kendrick Lamar; Curren$y; Travis Scott; Joey Bada$$; Black Hippy; Isaiah Rashad; Flatbush Zombies; Mekk Mill; Chief Keef; Pusha T; Future; Kanye West; Freddie Gibbs; Action Bronson; Chance The Rapper; Drake; Juicy J; Run The Jewels; Killer Mike; El-P; Earl Sweatshirt; Tyler, The Creator; Young Thug; Childish Gambino; Lupe Fiasco; J. Cole; Wiz Khalifa; Mac Miller; Lil Wayne; Rick Ross; Kid Cudi; Mos Def; Talib Kweli; Black Star; 2 Chainz; Bg Sean; Big K.R.I.T.; Logic; Denzel Curry; Vince Staples; Frank Ocean; Miguel; The Weeknd; Blood Orange
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