Lucinda Williams - World's gone wrong
Highway 20 / SPV
VÖ: 23.01.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 3/10
Gegen das Schweigen
Lucinda Williams ist auch in ihrem Spätwerk nicht dafür bekannt, Kompromisse einzugehen. "Down where the spirit meets the bone" und "The ghosts of Highway 20" waren mit ihren Spielzeiten von 103 respektive 86 Minuten selbst für gehobene Aufmerksamkeitsspannen eine Herausforderung. Auf den folgenden Platten normalisierte sich dieser Aspekt, doch überraschte gerade "Good souls better angels" mit einer ungewohnten Giftigkeit. In eine ähnliche Kerbe schlägt Williams' nunmehr 16. Studioalbum "World's gone wrong" – allerdings mit einer expliziteren politischen Schlagseite. In Zeiten, in denen sich der US-Mainstream alles andere als lautstark gegen Trumps faschistoide Regierung positioniert, ist es durchaus bemerkenswert, dass eine so renommierte Songwriterin ein klares Protestalbum veröffentlicht. Musikalisch schiebt die 72-Jährige dabei den Country und Folk erstmal wieder zur Seite, um ihrem Ärger mit Blues-, Soul- und Classic-Rock Luft zu verschaffen.
Dass die Platte weniger Dreck aufwirbelt als etwa das besagte "Good souls better angels", ist ihr nicht negativ auszulegen – die bekömmlichere Textur sollte vielmehr dafür sorgen, dass Williams' Worte ein breiteres Publikum erreichen. Der Titeltrack ist ein an Springsteen geschulter Heartland-Rocker, der mit beschwingter Orgel und aufbrausendem Refrain trotz seiner Lyrics Optimismus vermittelt. Die junge Country-Musikerin Brittney Spencer steuert hier Gesangsharmonien bei, ebenso wie im harscheren "Something's gotta give", das sich in seiner hypnotischen Schwere die knapp sechs Minuten Laufzeit voll verdient. Williams mag auf dem Albumcover in einer grauen Großstadt posieren, doch strömt "World's gone wrong" wieder einmal die sengende Südstaaten-Hitze aus den Poren. Das im Eröffnungs-Riff an ZZ Top erinnernde "Sing unburied sing" verweist nicht nur auf den gleichnamigen – großartigen – Roman von Jesmyn Ward, sondern bearbeitet die Instrumente im Finale so intensiv, als stünden sie kurz vorm Verglühen.
In diesem Sinne prägt das Album eine dichte, stimmungsvolle Geschlossenheit. "Black tears" müsste den Mississippi gar nicht ausdrücklich erwähnen, da sein versumpfter Blues die Verortung schon selbst übernimmt. "How much did you get for your soul" münzt mit knarzigen Surf-Gitarren und slackeriger Coolness den mythischen Teufelsdeal von Robert Johnson auf seelenlose Machtgier um. Es ist nicht die einzige Variation innerhalb des kohärenten Soundbilds der Platte. "Low life" bringt mit Akustikgitarre und Mundharmonika zumindest einen Song lang den Folk zurück und ringt Williams' dylaneskem Genuschel eine besonders hingebungsvolle Performance ab. In Bob Marleys "So much trouble in the world", dem einzigen Cover des Albums, bleibt die namhafte Gästin Mavis Staples zwar etwas blass, doch formen Djembe-Trommeln, Wah-Wah-Gitarre und Steh-Bass eine stilsichere Textur, die "World's gone wrong" eine neue Facette hinzufügt.
Das Highlight der zweiten Albumhälfte ist das unheimlich atmosphärische "Punchline", das zwischen ernster Anklage und augenzwinkernder Hook den Glauben im Angesicht einer kollabierenden Welt in Frage stellt: "Did God forget the punchline?" "Freedom speaks" schließt mit mehr Schwung an, bevor "We've come too far to turn around" schon im Titel ein hoffnungsvolles Schluss-Statement formuliert. Norah Jones liefert in dieser Slide-Gitarren-geschmückten Ballade Unterstützung am Piano und in den Vocals, während Williams einen persönlichen Triumph feiert: Nachdem sie im Zuge eines Schlaganfalls das Gitarrenspiel eingebüßt hat, ist sie in diesem Stück wieder an der Akustischen zu hören. "World's gone wrong" ist nicht ihr bestes Album, aber ein weiteres eindrucksvolles Zeugnis für die private und gesellschaftliche Widerstandskraft einer Künstlerin, die auch fast 50 Jahre nach ihrem Debüt noch lange nicht verstummt ist.
Highlights
- Something's gotta give (feat. Brittney Spencer)
- How much did you get for your soul
- Punchline
Tracklist
- The world's gone wrong (feat. Brittney Spencer)
- Something's gotta give (feat. Brittney Spencer)
- Low life
- How much did you get for your soul
- So much trouble in the world (feat. Mavis Staples)
- Sing unburied sing
- Black tears
- Punchline
- Freedom speaks
- We've come too far to turn around (feat. Norah Jones)
Gesamtspielzeit: 47:41 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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MickHead Postings: 9591 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-01-23 09:45:44 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_k6VKwWexYJaTVCXbJVa-20Q1x5mXf5v1M&si=Mjn91xMpNXiNS9mX Musikexpress 4.5/6 https://www.musikexpress.de/reviews/lucinda-williams-worlds-gone-wrong/ Rolling Stone 3/5 https://www.rollingstone.de/reviews/lucinda-williams-worlds-gone-wrong/ Gaesteliste.de https://gaesteliste.de/2026/01/22/review/lucinda-williams-worlds-gone-wrong/ |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30004 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-01-22 20:30:06 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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MickHead Postings: 9591 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-12-12 13:18:46 Uhr
3. Song "So Much Trouble In The World (Feat. Mavis Staples)"https://youtu.be/2nglNaJds1U?si=OBEnVfcudifp1Wxf |
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MickHead Postings: 9591 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-11-21 17:47:22 Uhr
2. Song "We've Come Too Far To Turn Around (Feat. Norah Jones)"https://youtu.be/o9PHEmvua9E?si=71OsgoerZ3vh5zS7 |
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MickHead Postings: 9591 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-10-30 23:36:33 Uhr
Die amerikanische Singer-Songwriterin, Solo-Gitarristin und Alt-Country Musikerin "Lucinda Williams" aus Lake Charles, Louisiana, kündigt für den 23.01. das 16. Studioalbum "World's Gone Wrong" an. Es folgt auf "Stories From A Rock N Roll Heart" von 2023.Lucinda Williams hat sich in ihrer langen Karriere nie gescheut, schwierige, aber reale Themen anzusprechen. „Change The Locks“ könnte man durchaus als einen Song bezeichnen, der seiner Zeit voraus war. Auf ihrem Album „Good Souls Better Angels“ fanden sich mehrere bissige und mutige Lieder, ebenso wie das post-Covid-Meisterwerk „Stories From A Rock N Roll Heart“. Mit „World’s Gone Wrong“ setzt Lucinda Williams in Sachen aktueller Musik noch einen drauf. Es ist ein authentisches Spiegelbild unserer turbulenten Zeit – intensiv und musikalisch kraftvoll. Erster Song "The World's Gone Wrong (Feat. Brittney Spencer)" https://youtu.be/ZzNBW_4wfO4?si=5BiFoMcXuB-qeMkW Tracklist: 01 The World's Gone Wrong (feat. Brittney Spencer) 02 Something's Gotta Give (feat. Brittney Spencer) 03 Low Life 04 How Much Did You Get For Your Soul 05 So Much Trouble In The World (feat. Mavis Staples) 06 Sing Unburied Sing 07 Black Tears 08 Punchline 09 Freedom Speaks 10 We've Come Too Far To Turn Around (feat. Norah Jones) |
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Referenzen
Rickie Lee Jones; Bob Dylan; Neil Young; Emmylou Harris; Bruce Springsteen; Bonnie Raitt; Van Morrison; Steve Earle; Justin Townes Earle; John Hiatt; Drive-By Truckers; Son Volt; The Jayhawks; Fantastic Negrito; Neko Case; Kathleen Edwards; Jess Williamson; Gillian Welch; Cowboy Junkies; Waxahatchee; Jenny Lewis; Courtney Marie Andrews; Wilco; Jeff Tweedy; Uncle Tupelo; Jason Isbell; Dawes; The Avett Brothers; Alejandro Escovedo; Bonnie 'Prince' Billy; Bill Callahan; MJ Lenderman; Creedence Clearwater Revival; The Black Crowes; ZZ Top
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