Megadeth - Megadeth
BLKIIBLK / Membran
VÖ: 23.01.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 3/10
Atemlos durch den Pit
Dave Mustaine als streitbar zu bezeichnen, darf man wohl mit Fug und Recht als bodenlose Untertreibung bezeichnen. Höchst fragwürdige Verschwörungstheorien und radikalevangelikale Thesen haben es zeitweise verdammt schwer gemacht, Kunst vom Künstler zu trennen. Die ellenlange Liste der Musiker, die sich nach einem Disput mit dem Frontmann umgehend nur noch Ex-Mitglieder von Megadeth nennen durften, ist berühmt-berüchtigt, und natürlich darf man nicht vergessen, dass der Faustschlag in Richtung James Hetfield, der das Aus des Gitarristen bei Metallica bedeutete, mittlerweile zur Folklore des Heavy Metal gehört. Doch genau deshalb war Mustaine immer ein Getriebener, der nicht nur ein ums andere Mal gegen seine Süchte kämpfte, sondern auch mit seinem überbordenden Ehrgeiz, es Metallica so richtig zu zeigen. Insofern war dann doch – unabhängig vom menschlichen Aspekt – ein Stückchen Wehmut dabei, als der 64-Jährige bekanntgab, dass das Album "Megadeth" das letzte sein sollte. Die Krebsdiagnose vor ein paar Jahren war einer der Gründe, zudem leidet der wieselflinke Gitarrist an Arthritis in den Händen.
Ein Schwanengesang soll dieses letzte, passenderweise selbstbetitelte Album also sein, und angesichts der schwankenden Qualität mancher Platten muss die Frage erlaubt sein: Haut Mustaine noch mal richtig einen raus oder handelt es sich eher um einen traurigen Abgesang? Die Antwort gibt direkt der Opener "Tipping point": Erstertes. Ein griffiges Gitarrenlick, kurze Pause, dann rattert die Riffmaschine wie in den besten Tagen, unterstützt durch die präzise Arbeit des gerade erst zur Band gestoßenen finnischen Gitarristen Teemu Mäntysaari. "I don't care" verrät schon im Titel seine Punk-Attitüde, verneigt sich dabei tief vor Suicidal Tendencies, während "Hey God!" eine eher seltene Seite von Mustaine zeigt: Nachdenklichkeit. "Sometimes I feel so insecure / As I walk these streets alone." Ungewohnte Töne, aber nicht unpassend.
"Let there be shred" hingegen mag eher primitiv betitelt sein, ist aber ebenso wie "Made to kill" ein brettharter Thrasher, bei dem noch einmal die alte Rotzigkeit aufblitzt, während sich "Puppet parade" anschickt, durch seinen wunderbaren Refrain in der kommerziell erfolgreichen Zeit Anfang der Neunziger zu wildern. Die größte Überraschung allerdings wartet als Bonustrack sogar noch hinter dem eigentlichen, ähnlich wie zuvor "Another bad day" etwas pathetisch geratenen Abgesang "The last note": Megadeth covern Metallicas "Ride the lightning" – ein schöner Gruß an die früheren Kollegen, mit denen sich Mustaine schon vor etlichen Jahren versöhnt hatte. Ein Genre-Klassiker vom gleichnamigen 1984-Album, für den der Gitarrist sogar noch Songwriting-Credits erhalten hatte. Der aber auch zeigt, dass sein Stimmumfang dann doch eher limitiert ist.
"Megadeth" mag vielleicht nicht das größte Highlight der Diskografie sein, und auch, ob noch einmal ein Grammy herauskommt wie vor zehn Jahren bei "Dystopia", ist eher ungewiss. Doch die Platte ist ein würdiger Abschluss einer Karriere, die von Aufs und Abs geprägt war, die aber trotz aller drogenbedingter Ausfälle und eines zu oft zu erratisch agierenden Frontmanns einem Genre ihren Stempel aufdrückte. Auch wenn das Album vielleicht doch nicht ganz zur musikalischen Früherziehung taugt, wie eigentlich vom geschätzten Kollegen Gerrit Phil Abel in einer phänomenalen Volte anlässlich des letzten "Kinderlieder-Albums" von Metal-Röhre Helene Fischer erhofft. Dazu zieht man wohl doch besser Meisterwerke wie "Rust in peace" heran. Doch egal, welcher Megadeth-Song vielleicht einmal von den großartigen Heavysaurus gecovert werden wird – sie werden fehlen. Und ja, selbst der Grantler am Mikro. Macht's gut.
Highlights
- Tipping point
- Let there be shred
- The last note
Tracklist
- Tipping point
- I don't care
- Hey God!
- Let there be shred
- Puppet parade
- Another bad day
- Made to kill
- Obey the call
- I am war
- The last note
- Ride the lightning (Bonus track)
Gesamtspielzeit: 47:13 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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tjsifi Postings: 931 Registriert seit 22.09.2015 |
2026-01-26 13:07:49 Uhr
Für mich ist das Album ganz ohne Frage ein sehr guter und würdevoller Abschluss mit einigen wirklich grossartigen Highlights.Passt perfekt zum Verlauf der Karriere. Das Ride The Lightning Cover war vielleicht nicht zwingend notwendig aber das schmälert die Qualität der Platte imo überhaupt nicht. |
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Affengitarre User und News-Scout Postings: 11700 Registriert seit 23.07.2014 |
2026-01-23 15:23:35 Uhr
Puh, das Cover ist wirklich schrecklich. Ich verstehe schon ein wenig die Idee dahinter, ein wenig den Bogen zu seinen und Metallicas Anfängen zu schlagen, aber es fällt im Vergleich zum Original schon enorm ab. Alleine die „please god help me“ Stelle. Hetfield kreischt sie heraus, Mustaine wirkt komplett gelangweilt. Da hilft die saftlose Produktion auch nicht.„Peace sells…“ als Album mochte ich neben „Rust in peace“ auch noch sehr. |
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fakeboy Postings: 6449 Registriert seit 21.08.2019 |
2026-01-23 14:33:49 Uhr
Mit dem Ride The Lightning-Cover haben sie sich keinen Gefallen gemacht. Ich habe mir am heutigen Release-Tag als erstes dieses angehört - und das Interesse am Album (das sowieso gering war) dann komplett verloren. Das Cover ist blutarm und schlicht unnötig. Die eigene Karriere mit diesem Cover abzuschliessen (es ist der letzte Song auf dem Album) ist einfach nur schwach. Megadeth waren immer die Band "des Gitarristen der bei Metallica rausgeschmissen wurde" - aber die Band hat doch auch einige Klassiker zu verzeichnen, für mich allen voran das Rust in Peace-Album sowie als herausstechender Einzeltrack Symphony of Destruction. Sich zum Karriereende nochmals so in den Schatten von Metallica zu stellen ist irgendwie ziemlich traurig... |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30004 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-01-22 20:29:13 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Affengitarre User und News-Scout Postings: 11700 Registriert seit 23.07.2014 |
2025-12-20 11:36:34 Uhr - Newsbeitrag
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