Kula Shaker - Wormslayer
Strangefolk / H'Art
VÖ: 30.01.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Geschüttelt, nicht gerührt
Ob man einen Cocktail bei der Zubereitung schüttelt oder rührt: Das ist, anders als die berühmte James-Bond-Filmszene weismachen will, eben keine reine Frage der Distinktion, sondern der Lebensmittelphysik beziehungsweise -chemie: Gerührt wird immer dann, wenn die zu vermählenden Ingredienzien klar wie Schnaps sind oder wenn sie sich sowieso leicht mit einem Barlöffel vermischen lassen. Anders sieht es aus, wenn zum Hochprozentigen auch Säfte, Sahne oder Eiweiß mit ins Spiel kommen. Wer da bloß ein wenig rührt, erzeugt bestenfalls eine hässliche Plempe, schlimmstenfalls flocken manche Bestandteile sogar aus. Je unterschiedlicher die einzelnen Zutaten, desto mehr Kraftaufwand ist vonnöten, es muss also geschüttelt werden. Genauso verhält es sich mit dem neuen Album von Kula Shaker: Hier sind so vielfältige Stilrichtungen an Bord, dass man schon reichlich schütteln und rütteln muss, damit das alles zusammen funktioniert – aus diesem Grund heißt die Band wohl auch Kula Shaker und nicht Kula Stirrer. So, einen 10-Euro-Schein ins Metaphernsparschwein und auf ins Getümmel!
"Wormslayer" ist, so viel darf bereits vorab verraten werden, ein vortreffliches Gemisch aus allerlei Musikstilen – und das Resultat schmeckt ganz ausgezeichnet. Am schwächsten ist ausgerechnet der Opener: Von einem psychedelisch-flirrenden Intro abgesehen, gibt es hier eine leicht in Richtung Schweinerock driftende Nummer ohne echte Höhepunkte, auch das überlange Gitarrensolo hat keine exorbitante Schöpfungshöhe. Danach indes hat sich die Band warmgespielt, und dann wird's mit jedem Track besser. "Good money" macht Spaß mit Vocals, die durch einen Flanger gedreht werden, entspanntem Groove und bestgelauntem La-la-la-Refrain. "Charge of the light brigade" wiederum überzeugt durch schlampig-entspanntes Schlagzeugspiel und eingängige Hooklines. Der erste goldene Nugget ist dann "Little darling", wo herrlich saumselige Sixties-Psychedelic-Stimmungen im wiegenden Sechsachteltakt evoziert werden. Orgel und Tremologitarren lassen Erinnerungen an die Doors aufscheinen – und wie die melancholischen Strophen von strahlenden Dur-Refrains abgelöst werden: Ja, das ist wirklich kunstvoll. Und dann schieben Kula Shaker mit "Broke as folk" noch einen echten Knaller hinterher. Mysteriöses Intro, versponnene Gitarrensounds à la Vietnam Veterans, sorgfältiger Aufbau des Spannungsbogens – und immer wieder kurzes Innehalten, Verschnaufen, bevor sich der Song wieder neu aufschwingt.
Mehr als einmal denkt man beim Hören an Oasis, in deren Œuvre sich bekanntermaßen eher stumpfe Haudrauf-Nummern mit echten Kunstwerken abwechselten: Und ebenso sind Kula Shaker immer dann besonders überzeugend, wenn sie nicht einfach alle Regler nach rechts drehen, sondern sich stille, elegische Passagen wie in "Be merciful" erlauben – oder countryeske Anklänge in "Day for night". Und in "Wormslayer" gehen sie dann all-in: Das ist nämlich ein Song, den Anton Newcombe (The Brian Jonestown Massacre) nicht besser hätte schreiben können. Da gibt es schön bekiffte Phasen mit prominentem Schellentamburin, aber auch gewaltige Ausbrüche mit grell leuchtender Hammondorgel und niedergetretenen Gitarren-Fuzzpedalen. Ja, diese siebeneinhalb Minuten strotzen nur so vor Energie und vergehen wie im Flug. Wichtig wäre auch noch zu erwähnen: Dieses Album ist ein Grower, wie er im Buche steht, es braucht definitiv ein paar Hördurchläufe. Manches mag beim Erstkontakt ein wenig beliebig klingen, aber am Ende zieht man die elf Tracks doch immer wieder hervor, weil sich beim weiteren Hören immer wieder neue Details offenbaren. Wirft man dann noch in die Waagschale, dass Kula Shaker bereits seit 30 Jahren am Start sind und regelmäßig flotte Alben abliefern, bleibt am Ende nur ein geziemendes: Wohlsein!
Highlights
- Little darling
- Be merciful
- Wormslayer
Tracklist
- Lucky number
- Good money
- Charge of the light brigade
- Little darling
- Broke as folk
- Be merciful
- Shaunie
- The winged boy
- Day for night
- Wormslayer
- The dust beneath our feet
Gesamtspielzeit: 46:33 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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The MACHINA of God User und Moderator Postings: 36291 Registriert seit 07.06.2013 |
2026-02-12 14:23:39 Uhr
"Good money" groovt auch eigentlich ganz gut, wenn auch sonst kein so doller Song. Aber doch, das Album hat was. |
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Telecaster Postings: 1417 Registriert seit 14.06.2013 |
2026-02-12 13:04:38 Uhr
Ja, der Basslauf hat mich auch total an die Doors erinnert.Tolles Album, läuft gerade täglich bei mir. So gut waren sie seit den 90ern nicht mehr finde ich. Die Alben dazwischen hatten ja auch ihre Hits, aber die läuft echt ohne Durchhänger. |
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Sick Postings: 337 Registriert seit 14.06.2013 |
2026-01-31 18:59:27 Uhr
Bei "Broke As Folk" wurde aber fett bei den Doors gewildert. "The End", oder? Aber sowas von... |
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The MACHINA of God User und Moderator Postings: 36291 Registriert seit 07.06.2013 |
2026-01-30 19:13:52 Uhr
Also der Beginn bekommt mich nicht so, aber "Broke as folk" und "Merciful" gefallen mir ausgesprochen gut. Ich mag sie ja groovy und psychedelisch (und gern auch indisch). |
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oldschool Postings: 1026 Registriert seit 27.04.2015 |
2026-01-30 18:46:15 Uhr
bin bis jetzt bei 6-7/10Bis auf "good money" für mich eigentlich keine wirklichen Ausfälle. Ich stimme dem zu, was sagitterius schreibt. Für mich jedoch die ebssere option. Ein gutes A-Z Album macht mir immer mehr Spaß und ist für mich langlebiger, als etliche up and downs in der Qualität |
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Referenzen
The Jeevas; The Charlatans; Supergrass; The Brian Jonestown Massacre; The Coral; Ocean Colour Scene; Allah-Las; The La's; The Stone Roses; Inspiral Carpets; Vietnam Veterans; Pulp; Super Furry Animals; Gorky's Zygotic Mynci; Gomez; The Kinks; The Beatles; The Byrds; Grateful Dead; Dodgy; The Seahorses; Manic Street Preachers; Ride; Oasis; Noel Gallagher's High Flying Birds; The Lightning Seeds; The Verve; Travis; Suede; Shed Seven; Starsailor; Doves; Paul Weller; Bob Dylan; Calexico; The Last Shadow Puppets; Ennio Morricone
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