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Elwood Stray - Descending

Elwood Stray- Descending

Out Of Line
VÖ: 23.01.2026

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Screams are my reality

Essen. Perle des Ruhrgebiets, Zentrum der Zivilisation, place to be. Im Gegensatz zu einer Vielzahl der kleineren benachbarten Pott-Schwesterstädte hat man hier den ehemaligen Reichtum der längst stillgelegten Kohleflöze recht erfolgreich durch neue Formen von Reichtum ersetzt und erfreut sich zudem einer Kulturszene, welche sich klammheimlich eine europaweite Reputation erarbeitet hat. Die angedichteten Charakterzüge des hiesigen Menschenschlags – Direktheit, Unnachgiebigkeit und Hömmasagen – treffen in Großteilen auch auf die 2016 dort gegründeten Elwood Stray zu. Deren Debütalbum "Gone with the flow" aus 2023 ließ die Bühnen für ihre Auftritte seitdem nochmal ein Stückchen größer werden, und nun soll also "Descending" endgültig den Durchbruch bringen. Um also gleich das ganz große Fass aufzumachen: Aktuell dürften Elwood Stray zu den musikalisch versiertesten und schlicht qualitativ besten Post-Hardcore-Bands des Landes gehören. Und auch, wenn die "nur" zwei bisher veröffentlichten Alben solche Rückschlüsse nicht endgültig zulassen, so sind die musikalischen Parallelen zu den Frühwerken der Genregrößen wie Shellac oder Rites Of Spring schon erkennbar, ebenso wie die unvermeidliche Assoziation zu Linkin Park mit den prominent verwendeten Nu-Metal-Versatzstücken.

Nu Metal ist als Subgenre ja nochmal eine spezielle Angelegenheit und, vielleicht gerade wegen seines kommerziellen Erfolges, auch gelegentlich das schwarze Schaf der großen Metal-Familie. Ein Kollege meinerseits pflegte vor einigen Jahren, weit nach den großen Charterfolgen des Genres, mal zu sagen, dass Nu Metal gar nicht tot sein kann, weil das ja voraussetze, dass er mal gelebt haben müsse. Abseits dieser Missgunst lässt sich jedoch anerkennen, dass Elwood Stray hier ein Produktionsniveau zutage fördern, das für ein Indie-Label nahezu unfassbar wirkt. Nachdem Maik Nehrkorn in den ersten zwei Minuten des Albums zunächst sein Shouting-Repertoire präsentiert, setzt nach dem Intro Fabian Petz' Gesangsstimme ein, und bereits zu diesem frühen Zeitpunkt wird einem klar, dass hier internationales Format vorliegt. Stücke wie "Shattered" oder "Error" gehen angenehm unbarmherzig nach vorne – oder, wie man rund um die träge dahingleitende Ruhr so sprachgewandt zu sagen pflegt, geben dem Arsch Kirmes. Während der Platz des größten Essener Musikexports wohl noch auf absehbare Zeit für Kreator reserviert bleiben dürfte, bahnt sich hier zumindest ein großes Potenzial an, diesen künftig anzufechten.

Wenn eine Band schon knapp eine Dekade gemeinsam aktiv ist, dann ist es natürlich nicht allzu verwunderlich, dass das Zusammenspiel bereits deutlich souveräner klingt, als der Umstand des "erst zweiten Albums" vermuten lässt. Aber das Niveau, auf dem Niels Flor, Raphael Sinz und Raphael Kemmer die beiden Vokalisten immer wieder in Szene setzen und deren Stärken herausarbeiten, ist ohne Abstriche etwas für die großen Festival- und Konzertbühnen. Wenn man bei derartig geballtem Talent einen Kritikpunkt anbringen möchte, dann findet man ihn allenfalls darin, dass die hier zelebrierte Musikrichtung definitiv nicht neu erfunden wurde. Elwood Stray sind vielmehr als eine Art Genre-Essenz zu sehen, die es schaffen, der Tendenz zu glatteren Produktionen wie bei Enter Shikari ein funktionierendes Gegengewicht zu bieten, ohne dabei große melodische Abstriche zu machen. Und auch Puristen werden anerkennen müssen, dass Nu Metal nun wieder mindestens messbaren Puls hat.

(Gerrit Phil Abel)

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Highlights

  • Shattered
  • Error (feat. Our Mirage)
  • Detached

Tracklist

  1. Doom
  2. Evolve
  3. Shattered
  4. Crocodile tears
  5. Error (feat. Our Mirage)
  6. Nevermind
  7. Detached
  8. Ivory tower
  9. Neon fade
  10. Genesis

Gesamtspielzeit: 28:44 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Elwoodaholic

Postings: 1

Registriert seit 27.01.2026

2026-01-27 01:10:48 Uhr
Ich liebe diese Band über alles, das ist der geilste neue Scheiß und das aufregendste in der deutschen Post Hardcore Szene, die sind einfach genial und zum heulen gut, alles unter 10 Punkte ist was an den Ohren zu haben guys

Hierkannmanparken

Postings: 2855

Registriert seit 22.10.2021

2026-01-23 12:36:28 Uhr
Grundsätzlich ist das gar nicht meine Musik, aber die Breakdowns sind geil. Hab ehrlich gesagt auch nur wegen der Shellac-Referenz mal reingehört. :D

Mayakhedive

Postings: 2743

Registriert seit 16.08.2017

2026-01-23 10:24:27 Uhr
Hat mich zumindest dazu gebracht, mal wieder Shellac zu hören, und das kann niemals falsch sein ;)

Das hier hat mich auf Anhieb noch nicht so abgeholt, mag aber auch daran gelegen haben, dass ich mir was anderes vorgestellt habe.
Kriegt sicher noch 'ne Chance.

Kontermutter

Plattentests.de-Mitarbeiter (Gerrit Phil Abel)

Postings: 683

Registriert seit 04.03.2023

2026-01-23 09:23:35 Uhr
Fair. Ich komme mit etwas Abstand auch langsam zu der Erkenntnis, dass ein Vergleich mit Architects deutlich besser passen würde.

Mayakhedive

Postings: 2743

Registriert seit 16.08.2017

2026-01-23 05:24:29 Uhr
Nach einmaligem Konsum der beiden bei bandcamp verfügbaren Songs, finde ich die Entscheidung, Shellac sogar als erste Referenz zu nennen irgendwie seltsam.
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