Sleaford Mods - The demise of planet X
Rough Trade / Beggars / Indigo
VÖ: 16.01.2026
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 5/10
Hinter dem Weltuntergang geht's weiter
Es beginnt mit einem Lachen. Hysterisch, ein bisschen irre, spektakulär. Allein dafür hat sich der Gastauftritt von Gwendoline Christie gelohnt, den meisten sicher am besten bekannt durch ihre Rolle als Brienne von Tarth in "Game of thrones". Doch sie kommt noch einmal zum Einsatz in "The good life": als innere Stimme von Jason Williamson, der hier einen inneren Dialog darüber führt, was ihn wohl dazu reizt, immer wieder über andere Bands herzuziehen. Lustigerweise gibt es auf diesem Track gleich noch einen Gastauftritt – von einer Band: Die Birminghamer Burschen von Big Special – manche würden sie als Sleaford Mods mit Gesang bezeichnen – sorgen mit einem unwiderstehlichen Refrain für einen echten Ohrwurm.
Ja, auf Album Nummer 13 (wenn man die Diskografie ab 2007 komplett einbezieht) gehen die Nörgler aus Nottingham nach stetig stabilem Wachstum in den letzten Jahren den nächsten Schritt. Und mischen als gestylte Boyband die Charts mit klebrigem Pop auf. Hahaha. Natürlich nicht. Selbstverständlich gibt es auch auf "The demise of planet X" die gewohnt minimalistischen Soundbasteleien und Beats von Background-Herumhüpfer Andrew Fearn, über die Jason Williamson seine unendlichen Tiraden spuckt. Aber es ist doch hörbar einiges anders. Die Aufnahmen fanden nicht nur im Studio in ihrer Heimat statt, sondern auch in Bristol und sogar zum Teil in der berühmten Abbey Road. Mit Studiomitarbeitern, die Fearn Teile der Arbeit abnahmen, sodass er Zeit hatte, neue Soundideen auszuprobieren. Wodurch das Album am Ende im Vergleich zu früheren Werken des Duos einen breiteren, vielschichtigeren Klang bekommen hat. Ohne an Punch zu verlieren.
Dann wären da noch die zahlreichen Features, die weitere Klangfarben addieren. "Elitest G.O.A.T." war ursprünglich eine einfache Idee Williamsons auf der Akustikgitarre, doch nun klingt eine warme Pianomelodie durch – und Aldous Harding singt zuckersüße Zeilen über die knorrigen Basslinien. Eine andere Stimme wurde von Jeanette Lee und Geoff Travis, den Köpfen von Rough Trade, persönlich empfohlen: Sue Tompkins von Life Without Buildings verleiht "No touch" eine angenehm kratzige Note. "Flood the zone", eine von den Specials inspirierte Abrechnung mit der MAGA-Idiotie, bekommt durch die Stimme Liam Baileys eine soulige Note, und Snowy verleiht "Kill list" zu Sounds, die auch vom letzten Depeche-Mode-Album stammen könnten, noch mehr rappende Wortgewalt.
Denn der Worte sind viele, und sie sind wie immer ungefiltert und wütend. Der untergehende Planet X sind wir, "Megaton" um Megatonne an Zerstörung, Gewalt und Verzweiflung wird abgeworfen, und direkt nach dem Untergang wartet einfach nur noch mehr von der gleichen Scheiße. So könnte eine leicht vereinfachte und stark verkürzte Zusammenfassung lauten. Aber selten klangen Sleaford Mods dabei so fröhlich. Durch "Bad Santa", eine direkte Mittelfingergeste an Trump, Tate und die ganzen Alpha-Mann-Deppen, irren gar Enigma-Sounds. "Gina was" erzählt zwar von unschönen Kindheitserinnerungen, aber die Synthies klingen happy – und sind das etwa Streicher am Schluss von "Double diamond"? Und am Ende sitzen wir doch nur faul zu "The unwrap" auf der Couch und warten zwischen dem Ende der einen Welt und dem Zerbröseln der nächsten auf die Lieferung des Paketboten. Dingdong.
Highlights
- The good life (feat. Gwendoline Christie & Big Special)
- Elitest G.O.A.T. (feat. Aldous Harding)
- Megaton
- The unwrap
Tracklist
- The good life (feat. Gwendoline Christie & Big Special)
- Double diamond
- Elitest G.O.A.T. (feat. Aldous Harding)
- Megaton
- No touch (feat. Sue Tompkins)
- Bad Santa
- The demise of planet X
- Don Draper
- Gina was
- Shoving the images
- Flood the zone (feat. Liam Bailey)
- Kill list (feat. Snowy)
- The unwrap
Gesamtspielzeit: 41:29 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
| User | Beitrag |
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MickHead Postings: 9591 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-01-19 09:36:45 Uhr
Laut.de mit voller Punktzahl 5/5https://laut.de/Sleaford-Mods/Alben/The-Demise-Of-Planet-X-126368 |
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Rote Arme Fraktion Postings: 4539 Registriert seit 13.06.2013 |
2026-01-18 19:14:13 Uhr
Bei mir hat The Good Life richtig gezündet. Der Groove und der Refrain sind mega. |
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myx Postings: 6287 Registriert seit 16.10.2016 |
2026-01-18 17:10:02 Uhr
Finde den Song auch genial. Aldous Harding sowieso eine meiner allerliebsten Künstlerinnen, unbedingt entdeckenswert. |
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kingsuede Postings: 5228 Registriert seit 15.05.2013 |
2026-01-18 16:31:43 Uhr
Elitest G.O.A.T. (feat. Aldous Harding) könnte am Ende des Jahres in die Liste der besten fünf Songs aus 2026 Einzug halten. Ein Highlight gleich so früh im Jahr.In Aldous Harding könnte ich auch einmal hineinhören. Die Neuseeländerin ist bislang nahezu unbemerkt an mir vorbeigeflogen. |
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kingsuede Postings: 5228 Registriert seit 15.05.2013 |
2026-01-17 11:20:01 Uhr
Puh, starkes Album nach den ersten digitalen Hördurchgängen. |
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Referenzen
Big Special; Benefits; Dry Cleaning; Billy Nomates; Kae Tempest; Farai; Von Südenfed; The Fall; The Streets; Dan Le Sac Vs. Scroobius Pip; Idles; Shame; King Krule; Archy Marshall; Fontaines D.C.; For Those I Love; Billy Woods; Art Brut; Jamie T; The D.O.T.; The Prodigy; Audio Bullys; As A New Revolt; Mark Stewart; Roots Manuva; Loyle Carner; Happy Mondays; Baxter Dury; John Cooper Clarke; Big Black; Saul Williams; Gil Scott-Heron; Blurt; The Pop Group; The Ex; Crass; Prinzhorn Dance School; Shopping; Bush Tetras; ESG; Delta 5; Sneaks; Deutsch Amerikanische Freundschaft; Escape-ism; Fat White Family; Warmduscher; The Moonlandingz; Sudden Infant; Gang Of Four; Public Image Limited; Wire; Pere Ubu; Swell Maps; Soft Play; Big Flame; The Great Leap Forward; Half Man Half Biscuit; Bogshed; Head; Rip Rig & Panic; Float Up CP; Young Fathers; Dizzee Rascal; Stormzy; Wiley; B. Dolan; Sage Francis; Aesop Rock; Kano; Gwendoline Christie; Aldous Harding; Sue Tompkins; Liam Bailey; Snowy
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