Listen




Banner, 120 x 600, mit Claim


Zu - Ferrum sidereum

Zu- Ferrum sidereum

House of Mythology
VÖ: 09.01.2026

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Was passiert hier?

Es kommt selten vor, dass an einem Ort, an dem Mike Patton spielt, die merkwürdigsten Töne nicht von ihm stammen. Und dennoch: 2009 war es so weit, Faith No More spielten eine Reunion-Tour ihrer großen Hits, davor gab sich ein Trio von Pattons Label Ipecac die Ehre und erschreckte eben jene Besucher, die den eingängigen Rock der Altstars abfeiern wollten. "Zu" nennt sich diese italienische Band, komplett instrumental unterwegs, als markanter Hauptdarsteller: ein riesiges Baritonsaxofon. Die Geräusche daraus infernalisch, dazu Bass und Schlagzeug, kein Gesang. Lediglich auf dem damals aktuellen Album "Carboniferous", so massiv wie der Berg auf dem Cover, gab es einige gesungene Zeilen, vom Labelchef persönlich.

Einiges hat sich seit 2009 getan: Zu sind nun auf einem anderen Label und haben in der Zwischenzeit eine Handvoll teils wilder Veröffentlichungen herausgebracht wie das von Pink Floyd inspirierte "Jhator", "The left hand path" zusammen mit Eugene Robinson oder "Terminalia Amazonia" mit südamerikanischen Field Recordings. 2026 nun widmet sich das Trio wieder den Steinen, genauer dem, was mit Meteoren so auf die Welt einprasselt. "Ferrum sidereum" ist das "Eisen der Sterne". Ein Material, aus dem legendäre Objekte sind, wie Tutanchamuns spezieller Dolch. Stilistisch knüpfen Zu ebenfalls an "Carboniferous" an, die elf neuen Tracks suchen im Backkatalog durchaus die Nähe zu dem Werk von 2009.

Knapp 80 Minuten liefern Zu hier einen krassen Ritt, der mit Genrebegriffen nur grob umrissen werden kann. Instrumentaler Progressive-Metal trifft Jazz. Tiefstmöglich gestimmter Bass trifft auf ein Saxofon–Pendant. Alles fließt und ist eingängig, und doch ist alles ein zäher, harter Brocken. Der Opener "Charagna" ist vertonte Lava, aus der Flammen schießen. Es ist nicht ganz klar, wie diese Geräusche entstehen, die sich hier in die Gehörgänge bohren, aber sie gehen so leicht nicht mehr weg. "Golgotha" setzt nahtlos an, liefert noch zig weitere Soundschichten mit, die über das übliche Maß der Band hinausgehen. Nach etwa drei, vier Minuten setzt ein Tribaldrumming ein, wie es Tool in "Pushit" bereits einmal perfekt in den Prog gebracht haben, und gen Ende stoßen noch Synthies dazu, die einem kosmischen Chor nahekommen – vielleicht ist es auch ein solcher. Tatsächlich ist bei vielen der Sounds unklar, "was" genau hier gerade passiert. Auch bekannte Melodien anzuteasern wie in "Kether", dessen Anfangsriff an Led Zeppelin erinnert, haben Zu im Repertoire.

Es sind immer mal kleine Soundfetzen, die Déjà-vu-artig an anderer Stelle wieder auftauchen. Die besagten Tribal-Drums, das tiefe Röhren des Saxofons, die Pink–Floyd-artigen Ausflüge. Und das 80 Minuten lang. Wie viel Zeit in so einer Zeit vergehen kann. Schon 30 davon überfordern völlig, daher ist "Ferrum sidereum" auch vom Grunde her als Doppelalbum konzipiert, wobei die Aufteilung nicht ganz klar kommuniziert wird. Ob nun schon nach dem fordernden "A.I. hive mind" oder dem knapp 10–minütigen "La donna vestita di sole", welches einen recht entspannten Einstieg auffährt, ehe es zum Doom–artigen Monster wird: Eine zwischenzeitliche Pause ist dringend angeraten, nach der es so oder so nahtlos fantastisch weitergeht wie im psychedelischen "The celestial bull and the white lady" oder dem sehr proggigen "Hymn of the pearl". Es ist eine Großtat, die auf dem Papier zwei Alben vereint, in der Realität Ideen und Anspruch für ein ganzes Dutzend beinhaltet. Nach mittlerweile 30 Jahren Bandgeschichte ist das hier das Meisterstück, das dem gesamten Werk die Krone aufsetzt.

(Klaus Porst)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen bei Amazon / JPC

Highlights

  • Charagma
  • Kether
  • The celestial bull and the white lady
  • Hymn of the pearl

Tracklist

  1. Charagma
  2. Golgotha
  3. Kether
  4. A.I. hive mind
  5. La donna vestita di sole
  6. Pleroma
  7. Fuoco saturnio
  8. The celestial bull and the white lady
  9. Hymn of the pearl
  10. Perseidi
  11. Ferrum sidereum

Gesamtspielzeit: 79:53 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

fuzzmyass

Postings: 20781

Registriert seit 21.08.2019

2026-02-08 22:33:03 Uhr
Fantastisches Album, heute 2 mal gehört!

Hierkannmanparken

Postings: 2864

Registriert seit 22.10.2021

2026-01-21 20:18:57 Uhr
Ich muss gestehen, dass es für mich noch ein ziemlich monotoner Brocken ist. Aber der Abschluss von Hymn of the Pearl: pay off to the max!

Hierkannmanparken

Postings: 2864

Registriert seit 22.10.2021

2026-01-16 16:33:00 Uhr
Das wird mein erstes Highlight dieses Jahr. Sehr cooler Sound, gut dosierte Free Jazz-Elemente, und die Unheilvollen Streicher, die im zweiten Song ganz weit im Hintergrund zu vernehmen sind. Geil!

Klaus

Postings: 12717

Registriert seit 22.08.2019

2026-01-16 10:45:45 Uhr
War da 2025 auch die ersten Male (und nächste Woche bei einer Hardcore-Show wieder). Nette Location, für mich leider anderthalb Stunden Fahrt, aber durchweg gutes Programm. Sound auch echt okay.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 36291

Registriert seit 07.06.2013

2026-01-16 10:42:14 Uhr
Ah danke, kannte ich gar nicht. Sieht ja süß aus.
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

  • Zu (36 Beiträge / Letzter am 16.03.2015 - 23:49 Uhr)

Anhören bei Spotify