Iron & Wine - Our endless numbered days

Iron & Wine- Our endless numbered days

Sub Pop / Cargo
VÖ: 19.04.2004

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Fänger im Roggen

Mal angenommen, Sam Beam käme nicht aus Miami, sondern aus irgendeinem staubigen Ort in der amerikanischen Einöde. Und er hieße gar nicht Sam Beam, sondern Olaf Rzyczek. Dann, Freunde, dann hätten die Wüstensöhne der Giant-Sand-Clique ihn längst zu ihrem Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit erklärt. In Tuscon, Arizona stünde eine Iron-&-Wine-Statur auf dem Markplatz. Und Howe Gelb wäre froh, wenn er bei Olaf hinten im Auto sitzen dürfte. Die Realität, der alte Spielverderber, sieht aber wieder mal anders aus. Olaf ist ein Sam, lebt zwischen Rettungsschwimmern und Gehwagen im Rentnerparadies der Ostküste und fühlt sich dort ziemlich allein gelassen. Da kann man schon mal anfangen, die Tage bis zum Tod zu zählen.

Was allerdings nur eine von vielen Schrullen des sympathischen Mannes ist, den wir Iron & Wine nennen wollen. Im launischen Pressetext zur Platte, um die es hier längst gehen sollte, läßt er gekonnt den Zyniker raushängen. Und als das Sub-Pop-Label auf ihn aufmerksam wurde, schickte er ihnen zwei CD-Rs voll Songs nach Seattle rüber, mit denen sie halt machen sollten, was sie wollten. Wobei "The creek drank the cradle" rauskam, das mutmaßlich beste Dutzend dieser Lieder, vom Label kompiliert. Zwölfmal One-man-and-his-Vierspurgerät, zwölf außerordentlich trocken gezeichnete Stimmungsbilder und zwölf tragische bis bizarre Geschichten. Mitten aus dem Leben in Miami, Florida.

Seitdem hat sich nicht viel, aber Entscheidendes getan. Sam hat sein Vierspurgerät eingetonnt, einen Computer gekauft und prompt ein Album gemacht, das sich zwar immer noch fern hält von jeglicher Opulenz, aber auch keine lose Sammlung beliebiger LoFi-Outtakes mehr ist. Wenn Beams Finger zu Beginn in "On your wings" über die Gitarre kreisen, plötzlich einer dieser Ratschefische einsetzt, die im Musikunterricht immer von denen gespielt werden mußten, die kein Instrument konnten. Und erst recht wenn schließlich das Schlagzeug entschlossen dazwischen scheppert, dann wird klar, daß diesmal getüftelt, durchgedacht und arrangiert wurde. Und außerdem eine ganze Menge dabei rumgekommen ist.

Beam, eigentlich überzeugter Eigenbrötler, läßt diesmal sogar etwas Licht und Besuch in die gute Stube. Gleich nach dem Auftakt darf eine Gastsängerin in "Naked as we came" ihre klare Stimme unter sein Flüstern legen. Was sie so gut macht, daß sie wenig später gleich nochmal zum Duett gebeten wird. Und dazwischen steht im ohnehin glänzenden "Cider and smoke" der vielleicht pointierteste Background-Gesang, der möglich ist. Nur bei den Instrumenten soll Beam bitte keiner reinreden. Gitarre, Baß, Schlagzeug, Klavier, Banjo, Ratschefisch - alles selbst gespielt. Sparsam zwar, aber doch ausreichend, um den eng abgesteckten Rahmen für seine angenehm altmodischen, unbequem traurigen und wohltuend wahrhaftigen Geschichten von Frauen, Menschen und einem Florida ohne Spring Break zu schaffen. Beim Barte des Will Oldham.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • On your wings
  • Cinder and smoke
  • Teeth in the glass
  • Free until they cut me down

Tracklist

  1. On your wings
  2. Naked as we came
  3. Cinder and smoke
  4. Sunset soon forgotten
  5. Teeth in the glass
  6. Love and some verses
  7. Radio war
  8. Each coming night
  9. Free until they cut me down
  10. Fever dream
  11. Sodom, South Georgia
  12. Passing afternoon

Gesamtspielzeit: 44:49 min.

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Mr Oh so

Postings: 1208

Registriert seit 13.06.2013

2013-11-13 13:35:33 Uhr
Eines der großartigsten Singer-songwriter-Alben aller Zeiten.
Unglaublich
2013-11-13 13:12:05 Uhr
das debut fand ich ähnlich langweilig wie das album von diesem tears for fears coverdingstypen. oder so. elliot smith ohne klasse. obwohl, eigentlich hatte der gute elliot ja auch nur ein okayes album... und iron&wine klingen dazu noch sehr nach simon&garfunkel. lieber holopaw hören.

Unglaublich. captain kidd war vor fast 10 Jahren schon genau so unterwegs wie heute.
hermit
2008-07-27 21:59:25 Uhr
Durch den Thread inspiriert gerade mal nach langer zeit wieder aufgelegt. Wirklich wunderbar, dieses Album. Ist mit der Zeit immer mehr gewachsen, die fein eingewobenen Melodien brauchen einfach etwas länger, um sich zu entfalten. Pendelt sich momentan bei 8,5/10 ein.
Piepi
2008-07-27 21:30:56 Uhr
10/10

"Fever Dream" und "Cinder And Smoke" sind in ihrer intimen Schönheit fast unerreichbar. Grandioses Album grade jetzt für die Sommernächte.
Stillwater
2006-09-09 17:38:39 Uhr
Wäre ja eigentlich angebracht hier eine Homage an Sam Beam zu schreiben. Verdient hätte er es auf jeden Fall! Hm, vielleicht ein anderes mal... Iron & Wine ist einfach wunderschöne Musik. Punkt, Schluss...
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