Listen




Banner, 120 x 600, mit Claim


Melody's Echo Chamber - Unclouded

Melody's Echo Chamber- Unclouded

Domino
VÖ: 05.12.2025

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Unter dem Pastellhimmel

Wer ein Album nach einem Zitat Hayao Miyazakis benennt, kann kein schlechter Mensch sein. "You must see with eyes unclouded by hate", hat der japanische Filmemacher mal gefordert und damit unwissentlich ein Stichwort für "Unclouded" gegeben, die vierte Platte von Melody's Echo Chamber. Nun ist "Hass" allerdings seit jeher so ziemlich die letzte Assoziation, welche die Musik von Melody Prochet provoziert. Seit ihrem selbstbetitelten 2012er-Debüt steht die Französin für psychedelischen Dreampop, der einen Pastellfilter auf die ganze Welt legt. "Unclouded" verfolgt diese Vision weiterhin konsequent und fährt erneut ein Ensemble profilierter Mitmusiker*innen auf – unter anderem Gitarrist Reine Fiske von den schwedischen Prog-Rockern Dungen oder Drummer Malcolm Catto, der etwa für Madlib trommelte. Wer ein akustisches Refugium vor dauergrauen Winterhimmeln sucht, wird mit dieser guten halben Stunde nicht die schlechteste Wahl treffen.

Was Prochet dabei ausnehmend gut gelingt, ist die Verbindung ätherischer Diffusion mit erdennaher Dringlichkeit. Im eröffnenden "The house that doesn't exist" hebt ihre Stimme streicherbegleitet in die Stratosphäre ab, doch die auf dem ganzen Album dominanten Drums treiben stoisch nach vorn. Das sanft funkige "In the stars" wiederholt diesen Trick, hüllt seinen Kopfnicker-Beat in ein orchestrales Majestätsgewand. Abgesehen vom nur 90-sekündigen "Flowers turn into gold" – dem kürzesten Track von ausschließlich kurzen Tracks – besteht das erste Drittel von "Unclouded" nur aus Highlights. Im für die Verhältnisse des Albums aufgekratzten "Eyes closed" stottert der krautige Breakbeat am satten Bass und nuancierten Verzerrungen vorbei, die kurz vorm Psych-Rock-Ausbruch stehen. Der konstante Groove verleiht der Platte eine im Genre herausstechende Kurzweiligkeit: So wach zu klingen, ist im Dreampop keine Selbstverständlichkeit.

"Childhood dream" nimmt nach dem einnehmenden Start etwas Zug raus, um mit an Air erinnernder Leichtigkeit durchs Frühlingsgras zu zappeln. Auch in "Broken roses" ist natürlich überhaupt nichts kaputt: Stattdessen schlingen sich janglende Saiten und Streicher umeinander, als würden sie sich in die das Albumcover umrahmende Verzierung einfügen wollen. Zweifelsfrei ist "Unclouded" ein Vibe-Album, das den Gleichklang zur Tugend erklärt und in erster Linie eine jede Unruhe zur Seite schaffende Stimmung erzeugen will – im rein instrumentalen Titelstück gibt es neben meditativen Harfenklängen sogar tatsächliches Meeresrauschen zu hören. Der Rhythmusfokus und die Lebendigkeit der Platte können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Atmosphäre hier deutlich wichtiger ist als markantes Songwriting. Das fällt allerdings kaum negativ ins Gewicht, da Prochet ihr Metier so gut beherrscht und immer wieder dezente Reizpunkte wie die Tempowechsel in "Memory's underground" setzt.

In diese Kategorie fällt auch "Burning man", das jazzige Texturen auffährt und die Instrumentierung um Xylofon und Flöten erweitert. "Into shadows" ist der zwingendste Song des Albums und lässt als Surf-Rocker mit klapprigem Antrieb die Saiten knistern, während sich im finalen "Daisy" Leon Michels von El Michels Affair die Klampfe schnappt und ihr ein paar besonders wild sprießende Riffs entlockt. Kurz vor Schluss formuliert "How to leave misery behind" das Mission Statement schon im Titel und gibt darüber hinaus hoffnungsvolle Versprechen: "Life can see who you are / Life will take you where you belong." Was ohne Kontext schnell in esoterisches Selbsthilfe-Gewäsch kippen könnte, bekommt hier ein profundes Fundament, weil man Prochet inmitten all des stilsicheren Wohlklangs jedes Wort abkauft. Miyazaki freut sich: Unbefangen von Hass und allen anderen negativen Emotionen bleibt der Himmel wolkenlos.

(Marvin Tyczkowski)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen bei Amazon / JPC

Highlights

  • The house that doesn't exist
  • In the stars
  • Eyes closed

Tracklist

  1. The house that doesn't exist
  2. In the stars
  3. Flowers turn into gold
  4. Eyes closed
  5. Childhood dream
  6. Memory's underground
  7. Broken roses
  8. Burning man
  9. Into shadows
  10. How to leave misery behind
  11. Unclouded
  12. Daisy (feat. El Michels Affair)

Gesamtspielzeit: 30:06 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30002

Registriert seit 08.01.2012

2026-01-15 21:07:12 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Lucas mit K

Postings: 397

Registriert seit 19.07.2024

2025-12-12 07:02:56 Uhr
Es ist ein angenehmes Album, mehr irgendwie leider nicht. Das Schlagzeug ist toll. Die Songs aber sind zu simpel und zu kurz, als dass sie irgendeine nachhaltige Spannung erzeugen könnten. Überraschungen gibt’s keine, außer vielleicht die Flöte in dem einen Song. Und ja – auch die falsche Jahreszeit für die VÖ.

Hierkannmanparken

Postings: 2855

Registriert seit 22.10.2021

2025-12-08 14:38:08 Uhr
"Hören!"

Fair enough ^^

Kojiro

Postings: 4967

Registriert seit 26.12.2018

2025-12-07 16:16:38 Uhr
Beeindruckt bin ich nicht, aber es ist durchaus ganz gut. Keine Ausfälle, aber auch keine wirklichen Kracher. An ihr Erstlingswerk konnte sie aber nicht mehr anknüpfen.

AliBlaBla

Postings: 10900

Registriert seit 28.06.2020

2025-12-07 15:07:53 Uhr
@Hierkannmanparken
Hören!
;)
Ich finde es ganz zauberhaft, wird meine Jahres Top Ten "Liste" (Jede Liste zählt - nörtz) jetzt nicht mehr durchrütteln vielleicht, aber ich bin beeindruckt.
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify