Twin Shadow - Cadet
Dom / Cheree Cheree
VÖ: 28.11.2025
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 9/10
Großer Bruder
Ein Grundsatz im Schaffen von Georgie Lewis Jr. lautet: Es ist nur eine Emphase, Hase. Der innere Monk des Mannes aus Kalifornien verlangt stets nach einem durchgängigen Motiv, gemäß dem der Twin-Shadow-Mastermind seine Platten gestalten kann, weil diese sonst nie fertig würden. Das kann kühler Achtziger-Chic wie auf "Confess" sein, die latente Käsigkeit von "Eclipse", die immerhin den unschlagbaren Schmachtfetzen "When the lights turn out" hervorbrachte – oder aber der Totalverzicht auf Beats, durchexerziert im März 2025 auf "Georgie", das Lewis seinem verstorbenen Vater widmete. Lang dauerte es indes nicht, bis ihn wieder der Tanz-Hafer stach, denn schon acht Monate später dreht der 42-Jährige den Vorgänger auf diesem "companion piece" auf links, bohrt die Arrangements drastisch auf und verändert die Titel, sodass von den Originalen nur noch der Text übrig bleibt. Ist "Cadet" gar so etwas wie die Essenz von Twin Shadow, da das Projekt ursprünglich wie dessen inzwischen siebter Longplayer heißen sollte?
Jedenfalls handelt es sich nicht um ein Remix-Album – eher um die Neuinterpretation einer tief empfundenen Herzensangelegenheit, die in ihrer mutwilligen Verknappung jedoch allzu karg wirkte. Und so hat sich auf "Cadet" gegenüber "Georgie" weitaus mehr getan, als dass "Totally blue" nun "Dominoes" heißt oder "Funny games" als "Love gently" wiederkehrt: Ersteres Stück etwa wandelt sich wie von elektronischer Geisterhand zu formschöner Synth-Pop-Melancholie mit klackriger Dubstep-Schlagseite und umwölkter Sequenz. Zweiteres baut zwar im Intro enorme Spannung auf, verweigert anders als das grob vergleichbare "A habit I can't break" von Zoot Woman aber eine befreiende Entladung, sodass der Song unvollendet versandet. Spätestens hier erübrigt sich der Gedanke an eine Essenz: Zu unwägbar bleibt die Qualität der Songs, zu unglücklich das Sequencing, das "Cadet" mit Ausnahme der ordentlichen "Emily"-Interpolation "Half asleep" zum Ende hin immer mehr ausbleichen lässt.
Zum Glück geht es zuvor mitunter äußerst farbenfroh, ja beschwingt zu – vor allem in "Bad days" (vormals "Good times"), einer herrlichen "Friday I'm in love"-Pastiche inklusive gelegentlicher "Love will tear us apart"-Gitarrenfigur. Was Saul Goodman als Vorsitzender der Anwaltskammer für Post-Punk-Urheberrecht daraus gemacht hätte, will man sich gar nicht vorstellen – wozu auch bei einem so charmant zusammengeklauten Hit? Eher ein Fall für Tierpfleger im Schweinsgalopp ist das launige "Deep end", durch das offenbar ein frisch aus dem Zoo ausgebüxter kleiner Flöten-Loop hupft. So einfach geht Ohrwurm – wusste vielleicht schon das "Georgie"-Pendant "You already know", während das ehemalige "As soon as you can" als "The seams" konventioneller synthetisch, aber angenehm verspielt um eine Daddel-Sequenz herumscharwenzelt. Tolle Momente eines leicht unaufgeräumten Albums – Saxofon-Ausfälle und verhärmtes Autotune-Genuschel kehren wir mal unter den Badezimmerteppich. Aber nicht auf der Seife ausrutschen.
Highlights
- Dominoes
- Bad times
- Deep end
Tracklist
- Dominoes
- Awkward backward
- You're the reason
- The seams
- Bad times
- Deep end
- Love gently
- Give it everything
- Half asleep
- Talk more nice (feat. Little Coyote)
- Real enough
Gesamtspielzeit: 43:14 min.
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2026-01-15 21:08:24 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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MickHead Postings: 9555 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-11-20 09:35:53 Uhr
Jetzt komplett bei Bandcamp:https://twinshadow.bandcamp.com/album/cadet |
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MickHead Postings: 9555 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-10-02 07:43:48 Uhr
3. Song "Half Asleep"https://youtube.com/watch?v=0akL9KmaiXI&si=QDlf4cHQyziyVkkk |
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MickHead Postings: 9555 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-09-23 11:51:34 Uhr
Release erfolgt am 20.11.! |
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MickHead Postings: 9555 Registriert seit 21.01.2024 |
2025-09-04 20:59:39 Uhr
2. Song "Awkward Backward"https://youtu.be/QUiIiGpMAko?si=y4Vu4V5sfKXlRonf |
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Referenzen
Cant; Artemas; The Weeknd; How To Dress Well; Toro Y Moi; John Maus; Future Islands; Black Marble; Ariel Pink; Velvet Negroni; Opossom; Vampire Weekend; Rostam; Destroyer; Metronomy; Rex Orange County; Dijon; Blood Orange; Kwabs; Teddy Swims; Sampha; Shamir; Sombr; Blackpaw; Kaytranada; Jamie Woon; Virginia Wing; Trailer Trash Tracys; Memory Tapes; Neon Indian; Washed Out; Small Black; NZCA Lines; Soft Circle; Bingo Crowd; Memory Index; Roosevelt; Zoot Woman; TR/ST; Lust For Youth; Nation Of Language; The Cure; The Whitest Boy Alive; The Blue Nile; New Order; She Wants Revenge; Soft Kill; Home Front; Alex Clare; Bruno Mars; Alex Warren; OMC; Prince; Ready For The World; Labrinth
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