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Lord Of The Lost - Opvs noir Vol. 2

Lord Of The Lost- Opvs noir Vol. 2

Napalm / SPV
VÖ: 12.12.2025

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Glatt und bitter

Zu Beginn erst mal zwei allgemeine Hinweise. Erstens: Gerade wenn Ihr von Lord Of The Lost noch nicht gehört habt – und bizarrerweise dennoch hier gelandet seid –, besteht jetzt noch die Chance, dass es so bleibt. Zweitens: Wenn dem nicht der Fall ist und ihr Euch stattdessen fragt, was diese Vol. 2 von "Opvs noir" nun von ihrem Vorgänger "Vol. 1" unterscheidet, dann bewegen wir uns im Bereich von so feinen Nuancen, dass man man dafür besser Nanostrukturwissenschaftler*innen konsultiert. Die Band hätte die beiden Platten auch schlicht tauschen können, und der Eindruck wäre identisch. Während es zwar durchaus eine gnädige Geste ist, einem Rezensenten nicht gleich drei Stunden dieser Kirmesveranstaltung auf einmal zuzumuten und diese entsprechend zu stückeln, so sind die Motive dafür mutmaßlich weniger edel. Aber der Reihe nach.

Glühende Anhänger*innen der Sandwich-Theorie legen die größte Hoffnung ja immer in den Mittelteil einer Trilogie, denn die Schwächen des Erstlings können begradigt werden, und der Druck des Finales lastet ebenfalls nicht darauf. "The fall from grace" als Startsong bedient allerdings bereits nach einer Minute lediglich niedere Schunkelinstinkte, und auch wenn Chris Harms durchaus kompetent singen kann, entscheidet er sich hier eher fürs Trällern. Er könnte wohl genauso gut die Inhaltsstoffe einer Mikrowellenlasagne vortragen, und es hätte ähnlichen (Fett-)Gehalt. Die Synths sind dafür wiederum angenehm dezent und klar produziert, weshalb man jetzt nicht gleich um Hilfe rufen muss, sondern stattdessen durch das skeptische Hochziehen der eigenen Augenbrauen seiner Stirn allmählich ein Sixpack antrainieren kann.

"Walls of Eden" beschwört eine Art Depeche-Mode-Atmosphäre "mit ohne alles", hat dabei aber wenigstens den Vorteil, ohne ein pflichtschuldiges Feature auszukommen, wodurch nicht noch mehr Unbeteiligte in das Elend hineingezogen werden. Wenn man sich zu diesem Anlass jedoch einige aufstrebende weibliche Stimmen wie Lena Scissorhands von Infected Rain oder Anna Brunner von League Of Distortion zur Kontrastierung des eigenen Sounds als Konterparts einlädt, dann ist das zwar hinreichend simpel und vorhersehbar, aber zumindest auch plausibel. Welchen Mehrwert die Kooperation zwischen Lord Of The Lost und dem ebenfalls beim ESC etwas bekannter gewordenen finnischen Rapper Käärijä nun aber haben soll ... Leser*innen suchen in Rezensionen ja häufig Antworten, allerdings fällt einem hierzu außer Seufzen und Schulterzucken wenig ein. Lasst uns einmal kurz innehalten: Der Song heißt "Raveyard".

Ich wiederhole es noch mal: "Raveyard". Als Rezensent hört man innerhalb eines Jahres gut und gerne eine mittlere bis höhere dreistellige Zahl an Alben. Und trotzdem kann mit Sicherheit gesagt werden: Kein anderes Album hat es geschafft, mit nur einem Songtitel die Anspruchs-, Ziel- und damit auch Konzeptlosigkeit einer Truppe prägnanter auf den Punkt zu bringen und den eigenen Stand als Parodie-Band besser zu klären. Humor mit dem Charme und Feingeist einer rostigen Sowjethaubitze. Und an dieser Stelle ist erst die Hälfte des Albums überstanden. Uff. Gehen wir ein paar gleichförmige Schritte voran zu "Winter's dying heart", was schon alleine deswegen ein falscher Titel ist, weil mein Name eben gar nicht Winter lautet. Wenn man die erneut bestenfalls Sekundarstufen-Lyrics ausblenden kann, dann ist hier wenigstens soundtechnisch ein bisschen was zu holen. Ansonsten ist das Cembalo in "Sharp edges" das Höchste der Gefühle an Variation. Insofern lässt sich bei Vol. 2 des "Opvs noir" also doch von einem würdigen Nachfolger sprechen, welcher die unantastbare Menschenwürde mindestens mal unsittlich berührt.

(Gerrit Phil Abel)

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Highlights

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Tracklist

  1. The fall from grace
  2. Would you walk with me through hell? (feat. Infected Rain)
  3. One of us will be next
  4. Walls of Eden
  5. Raveyard (feat. Käärijä)
  6. The last star
  7. What have we become (feat. IAMX)
  8. Winter's dying heart
  9. Scarlight
  10. Please break the silence (feat. Anna Brunner)
  11. Sharp edges

Gesamtspielzeit: 45:45 min.

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User Beitrag

Kontermutter

Plattentests.de-Mitarbeiter (Gerrit Phil Abel)

Postings: 683

Registriert seit 04.03.2023

2026-01-17 21:05:42 Uhr
Die haben angefangen.

Hierkannmanparken

Postings: 2855

Registriert seit 22.10.2021

2026-01-17 18:18:46 Uhr
"Gehen wir ein paar gleichförmige Schritte voran zu "Winter's dying heart", was schon alleine deswegen ein falscher Titel ist, weil mein Name eben gar nicht Winter lautet."

That's a lot of damage! :D

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 30002

Registriert seit 08.01.2012

2026-01-15 21:06:54 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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