Kid Kapichi - Fearless nature
Spinefarm
VÖ: 16.01.2026
Unsere Bewertung: 7/10
Eure Ø-Bewertung: 4/10
Aus Vier mach Zwei
Wenn zwei Menschen ein Quartett verlassen, dürfte das für so manche Band das Aus bedeuten. Für Kid Kapichi bedeutet es einen deutlich anderen Sound. Gitarrist und Schlagzeuger wurden schon Mitte 2025 ohne böses Blut verabschiedet, das Projekt aus Hastings im Vereinigten Königreich existiert aber als Duo weiter. Und nicht nur das: Die musikalische Neuausrichtung geht auch mit einer inhaltlichen Überraschung einher. Denn wo vorher der sozialkritische Punkrock mit Kraft rausposaunt wurde, gibt es dieses Mal mehr Introspektion. Oder wie Sänger Jack Wilson im Interview mit Kerrang selbst sagt: "We've written an album that's a little bit more sobbing and a little bit less robbing."
Gleich geblieben ist, dass sich auch "Fearless nature" komplett britisch anhört. Der Opener "Leader of the free world", ein kleines Überbleibsel der politischen Pamphlete und offensichtliche Trump-Kritik, tritt die Tür allerdings nicht ein, sondern schiebt sie mit Trip-Hop-Sounds langsam auf. Die vermeintlichen Lücken im Sound, die das Duo zu füllen hat, werden mehrfach durch Drumloops oder Synthies ausstaffiert. Nachdem "Intervention" zwar auch noch mal kurz die Rock-Wurzeln zu einer Kraft gebenden Tinktur vermengt, weiß "Shoe size" im Club nicht mehr, ob Nacht oder Tag ist, und bewegt sich zu einem Synthie, der auch auf den Techno-Floor passen würde: "I've been day drinking all night long / Looking at the clock, where has all the time gone?" Das heißt aber nicht, dass Kid Kapichi nicht im Kern immer noch wie eine vollzählige Band klingen. "Stainless steel" drückt mit rumorendem Bass und offenbart im Refrain zu Reverb-Gitarren seine Menschlichkeit: "I'm not made of stainless steel / I'm made of blood, I'm made of bone." Und "Worst kept secret" geht mit Streichern in die Vollen und wird zur emotionalen Ballade, die gut zum Britpop-Revival passt. "Head right" hat auch noch etwas vom Groove und den La-la-la-Singalongs zu verbraten, die die Konzerte der Bands so launig machen. Bevor aber zu viel Beseeltheit aufkommt, erinnert "Dark days are coming" mit metallenen Drums, düsterer Melodie und bedrohlichem Bass daran, dass eine Band wie Kid Kapichi nie vollständig unpolitisch sein kann. Die mutige Gesangsmelodie muss man auf jeden Fall wollen.
Besonders auffällig ist das ausgelassene "Patience" in der Albummitte, das fast eins zu eins wie ein alter Gorillaz-Song klingt. Selbst der Gesang hört sich so sehr nach Damon Albarn an, dass man beim Autoradio genau hinhören müsste – spannend! Und ein weiteres kleines Highlight folgt mit "Saviour", das den Drumloop anschmeißt und romantische Avancen macht. Wilsons Stimme wirkt dabei, als würde er auf einer Karaokebühne stehen und der Sound durch einen Filter laufen. Dabei klingen Kid Kapichi sonst so ungefiltert und offenherzig. Zum Abschluss weiß das Duo ganz genau, welcher Song am Ende stehen muss: "Rabbit hole" schwingt sich mit mehreren Gesangsspuren auf und gibt erneut Streichersamples Raum, auch wenn es etwas Angst hat: "It seems to pass me by, and it's quite scary / At night, it's always on my mind, we're temporary." Wörtlich ist das mit der "Fearless nature" nämlich gar nicht gemeint, sondern eher eine Frage, was man sich denn so traut. Und das ist zumindest auf diesem Album eine ganze Menge – und noch dazu mit Erfolg.
Highlights
- Stainless steel
- Worst kept secret
- Rabbit hole
Tracklist
- Leader of the free world
- Intervention
- Shoe size
- Stainless steel
- Worst kept secret
- Dark days are coming
- Patience
- If you've got legs
- Head right
- Saviour
- Rabbit hole
Gesamtspielzeit: 36:39 min.
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(Neueste fünf Beiträge)
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MickHead Postings: 9555 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-01-16 09:48:20 Uhr
Komplette Playlist bei YouTube:https://youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_kSi1zQmLO6vAjp_zPikXnz3UjiJ17n1bM&si=3-lZjdGtuAT78q-G |
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Croefield Postings: 1771 Registriert seit 13.01.2014 |
2026-01-16 07:53:52 Uhr
Der Stilwechsel hilft wirklich, dass es nochmal interessanter wird. Fand auch das dritte Album etwas abgeschmackter und more-of-the-same. So ein wenig die ruhigere Britpop-Richtung können sie auf jeden Fall ganz gut. |
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 30002 Registriert seit 08.01.2012 |
2026-01-15 21:06:34 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. Meinungen? |
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Arne L. Postings: 2720 Registriert seit 27.09.2021 |
2026-01-11 16:15:50 Uhr
Muss sagen, dass sie mich mit dem letzten Album ein bisschen verloren hatten, aber mit der Neuausrichtung bin ich wieder sehr interessiert. Songs gefallen mir auch alle. |
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MickHead Postings: 9555 Registriert seit 21.01.2024 |
2026-01-08 18:33:32 Uhr
4. Song "Worst Kept Secret"https://youtu.be/WSiaWglmAm4?si=Wk5NY9vfYSZRSll2 Tracklist in Reinform! 1. Leader Of The Free World 2. Intervention 3. Shoe Size 4. Stainless Steel 5. Worst Kept Secret 6. Dark Days Are Coming 7. Patience 8. If You’ve Got Legs 9. Head Right 10. Saviour 11. Rabbit Hole |
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Referenzen
Frank Carter & The Rattlesnakes; Fidlar; Death Grips; Idles; Viagra Boys; Slaves; Fat White Family; Fizzy Blood; Gorillaz; Blur; Pretty Vicious; Cassyette; Liam Gallagher; Soft Play; Oasis; Blur; Arctic Monkeys; Damon Albarn; The Libertines; The Verve; Queens Of The Stone Age; Frank Turner; The Streets; The Prodigy; Tigercub; Bad Nerves; Blood Red Shoes; Courting; Nova Twins; Naked Giants; Fontaines D.C.; The Hives; Amyl & The Sniffers; Bob Vylan; Demob Happy; Himalayas; Airways; Turbowolf; The Blinders
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