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YHWH Nailgun - 45 pounds

YHWH Nailgun- 45 pounds

93 AD / Indigo
VÖ: 28.03.2025

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Tierisch tierisch

Gut oder zumindest interessant zu wissen: Sam Pickard, Drummer von YHWH Nailgun, wurde schon einmal von einer Gans verfolgt. Wer ob dieser Info eine Querverbindung zu den Brooklyner Kollegen Geese und ihrem mehr als vielgelobten Album "Getting killed" zieht, hat nicht nur offenbar ein Faible für abenteuerlichen, teils kolossal ausufernden Indie-Rock, sondern auch instinktiv den richtigen Riecher, denn auf dem YHWH-Nailgun-Debüt geht es ebenso ereignisreich zu. "45 pounds" ist nämlich ein schlanker, 21-minütiger Wahnsinns-Kloß ohne Berührungsängste oder Grenzen, für den das Quartett gerade noch rechtzeitig aus dem heimischen Philadelphia nach New York umgezogen ist. Dort stelle man sich The Strokes vor, die zwischen durchschmorenden Röhrenverstärkern übernachten, während Talking Heads eine postapokalyptische Komplett-Performance von "Fear of music" hinlegen, mit Industrial-Faktotum Jim Foetus als Brüllwürfel auf der Bühne. Und selbst dann ist man noch nicht nahe dran.

In Wirklichkeit heißt der Sänger Zack Borzone, belfert sich vergleichbar atemlos bis guttural durch die kurzen Stücke und tut sein Möglichstes, um meist bis zur Unkenntlichkeit verfremdeten Gitarren und schrillen Stakkato-Disharmonien aus den Keyboards Paroli zu bieten. Das funktioniert vor allem im elektronisch morphenden und wobbelnden Opener "Penetrator" und dessen sechssaitigem Pendant "Castrato raw (Fullback)" vorzüglich – egal, ob vor dem Rock ein "Math", "Post", "Noise" oder gar "Punk" steht. Hauptsache, hinterher sind Equipment, Mobiliar und Publikum gleichermaßen geplättet. Und das bleibt nun mal nicht aus, wenn Pickard praktisch jeden Song bis zum Rand mit scheppriger Polyrhythmik vollstopft und "Pain fountain" zum Finale erbarmungslos um sich ballert. Zwar weder mit dem Maschinengewehr Gottes noch mit dem Akku-Nagler aus dem Sonderangebot im Baumarkt , sondern lediglich mit einem wildgewordenen Reverb-Effekt – aber kein Wunder, dass da nicht nur das Federvieh ganz wuschig wird.

Überhaupt Tiere: Denen spielen YHWH Nailgun – rein inhaltlich, versteht sich – ähnlich übel mit wie ihrem ramponierten Instrumentenpark. Der unruhige Groover "Ultra shade (Beat my blood dog down)" ächzt schwergängig unter dichten Drone-Ausdünstungen, "Animal death already breathing" wringt eine gekippte Steeldrum aus den Maschinen, ehe am Ende eine nicht näher spezifizierte Kreatur verhärmt knurrt. Ein seltener, wenn auch trügerischer Ruhepol, ehe die Veranstaltung erneut planvoll eskaliert. Besonders beim fantastischen "Tear pusher", das mit einem ausnahmsweise leidlich konventionellen Gitarrenriff eröffnet, dann Percussions und Rototoms fliegen lässt und sich auch dank unablässiger Synth-Handkantenschläge zum absurden Ohrwurm mausert. Man sieht schon: Auf diesem Album passt vorne und hinten nichts zusammen, und gerade das macht es so herausragend. "45 pounds" ist formschön und potthässlich, präzise und chaotisch, alles und nichts – ein einziger Widerspruch in sich. Und ein tierisches Vergnügen.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Penetrator
  • Castrato raw (Fullback)
  • Pain fountain
  • Tear pusher

Tracklist

  1. Penetrator
  2. Castrato raw (Fullback)
  3. Pain fountain
  4. Animal death already breathing
  5. Ultra shade (Beat my blood dog down)
  6. Iron feet
  7. Tear pusher
  8. Sickle walk
  9. Blackout
  10. Changer

Gesamtspielzeit: 21:04 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

saihttam

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Registriert seit 15.06.2013

2026-02-12 13:04:57 Uhr
KEXP

Hierkannmanparken

Postings: 2855

Registriert seit 22.10.2021

2026-02-12 09:30:12 Uhr
Ein weiteres großes Highlight, das sich in den letzten Wochen herausgestellt hat, ist Blackout. Der Song hat einen richtigen Protomartyr-Swagger.

Hierkannmanparken

Postings: 2855

Registriert seit 22.10.2021

2026-02-12 09:24:41 Uhr
Und erstaunlich viel davon ist mit "richtigen Instrumenten" eingespielt. Das hat mich etwas überrascht.

Weniger überraschend die Performance des Sängers. Die hatte ich mir nämlich genau so vorgestellt:

https://www.youtube.com/watch?v=RSSDJmW_Sa8

saihttam

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Registriert seit 15.06.2013

2026-02-12 01:54:27 Uhr
Geiler Gesang, geile Drums, geile Sounds!

Hierkannmanparken

Postings: 2855

Registriert seit 22.10.2021

2026-01-10 17:46:35 Uhr
Das ist die Musik, die in einer völlig wirren Adult Swim-Serie über Außerirdische in der Alien-Disco laufen würde.

Teeeaarpuu.. _#&#:uuuh)#(!! -#SHA!
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